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Ansturm auf Briefwahl: Unterlagen sind teilweise knapp

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Auch im Landkreis Traunstein haben sich viele Bürger für die Briefwahl entschieden. Gründe dafür gibt es einige – diesmal kann die Briefwahl etwa erstmals ohne die Angabe von Gründen beantragt werden. (Foto: Brenninger)

Traunstein. Fünf Stimmzettel an einem Wahltag, und dann noch zwei Wahlsonntage direkt hintereinander: Viele Bayern wählen in diesem Jahr lieber zu Hause. Der Ansturm auf die Briefwahlunterlagen ist bayernweit enorm. Gründe dafür gibt es einige – diesmal kann die Briefwahl etwa erstmals ohne die Angabe von Gründen beantragt werden. Das Traunsteiner Tagblatt hat bei einigen Gemeinden nachgefragt, ob sich dieser Trend auch im Landkreis Traunstein bestätigt.


Bayernweiter Trend bestätigt sich auch in Traunreut

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»Deutlich mehr Anträge als in den vergangenen Jahren« hat die Stadt Traunstein, teilt Pressesprecherin Carola Westermeier mit. Nach Auskunft von Wahlleiter Manfred Bulka gab es bisher rund 20 Prozent Briefwähler. »Bei diesen Wahlen werden es wohl rund 25 Prozent sein«, sagt Westermeier weiter. »Diese deutliche Erhöhung stellt die Kommunen vor große Herausforderungen«, betont sie. »Die Stadt Traunstein hat rechtzeitig reagiert und Briefwahlunterlagen nachbestellt, sodass – zumindest nach derzeitigem Stand – ausreichend Briefwahlunterlagen vorhanden sind.«

Gründe für den deutlichen Anstieg an Briefwählern gibt es wohl einige. In Traunstein gibt es etwa eine große Zahl an Senioren, die häufig die Möglichkeit zur Briefwahl nutzen.

Auch in der Stadt Traunreut bestätigt sich der bayernweite Trend. »Es ist bedeutend mehr als beim letzten Mal«, sagt Werner Arndt, Leiter des Ordnungsamts der Stadt Traunreut. Teilweise stehen die Leute sogar Schlange. Der Ansturm könne aber sehr gut bewältigt werden, betont er. »Wir haben vollen Personaleinsatz«, hebt er hervor. »Zuerst wollte ich sogar weniger Briefwahlunterlagen bestellen, habe mich dann aber doch für mehr entschieden und jetzt bin ich sehr froh darum«, sagt Arndt.

Franz Röckenwagner, Geschäftsleiter von Waging, hat ebenfalls festgestellt, dass in der Verwaltungsgemeinschaft Waging am See »sehr große Zunahmen bei der Briefwahl zu verzeichnen sind«. Bis gestern wurden für Waging am See für die Landtags- und die Bezirkstagswahl sowie für die Volksentscheide 1600 Unterlagen ausgegeben. 1350 Bürger holten sich auch die Briefwahlunterlagen für die Bundestagswahl ab. Für Taching am See schauen die Zahlen wie folgt aus: 340 Briefwahlunterlagen wurden für die Landtags- und die Bezirkstagswahl sowie für die Volksentscheide ausgegeben und 290 für die Bundestagswahl. In Wonneberg bevorzugen bei der Landtags- und bei der Bezirkstagswahl sowie bei den Volksentscheiden bisher 220 Bürger die Briefwahl und bei der Bundestagswahl sind es bisher 180.

Eine erhebliche Zunahme hat auch Angelika Kühnhauser, Leiterin des Siegsdorfer Ordnungsamts, in ihrer Statistik verzeichnet. In der Regel seien bisher zehn bis elf Prozent Briefwahlunterlagen geordert worden. »Dieses Mal sind es bis jetzt 23 Prozent bei den Landtagswahlen«, sagt sie. »Wir sind deswegen auch in Not bei den Unterlagen gekommen.« Mittlerweile sind neue Stimmzettel für die Landtagswahlen aber eingetroffen, beruhigt sie.

Auch für die Bundestagswahl bestätigt sich dieser Trend. »Auch hier haben wir aktuell 20 Prozent.« Siegsdorf bestellte deshalb auch für diese Wahl Unterlagen nach.

Auch die Gemeinde Grassau musste bereits nachordern. »Wir haben uns zwischenzeitlich sogar 40 Briefwahlunterlagen von Marquartstein ausgeliehen«, informiert Horst Lehnert, Leiter des Standesamts und Wahlsachbearbeiter der Gemeinde. »Jetzt sind wir aber wieder versorgt«, sagt er. Der Ansturm sei dramatisch gewesen. Eine Erklärung hat er dafür nicht so recht. »Wenn ich mit den Leuten rede, wird häufig genannt, dass sie den Wahlzettel in Ruhe ausfüllen möchten.« Für die Kommunalwahlen im nächsten Jahr »werden wir uns entsprechend aufstellen«, sagt Lehnert.

Über die Gründe kann nur spekuliert werden

Auch bei der Marktgemeinde Teisendorf ist »der Andrang enorm«, sagt Brigitte Reiter vom Einwohnermeldeamt. »Wir freuen uns aber über jeden Briefwähler«, sagt sie. »Wir haben das in diesem Ausmaß auch noch nie gehabt«, betont Reiter. Welche Gründe den Ansturm auf die Briefwahl ausgelöst haben, darüber kann Brigitte Reiter nur spekulieren. »Ein Grund ist vielleicht der Monat September«, glaubt sie. »Viele Leute gehen da am Wochenende bei schönem Wetter doch noch lieber auf den Berg oder machen Ausflüge.«

Die Gemeinde hat in diesen Tagen nun auch Briefwahlunterlagen nachbestellt, informiert Reiter. »Sie gehen uns zwar noch nicht aus, aber wir wollen gewappnet sein.« Die Unterlagen werden laut ihr auch meistens gleich für beide Wahlen angefordert. Reiter kann zwar noch keine Zahlen nennen, aber sie geht davon aus, dass die Briefwähler diesmal doppelt so viele sind wie bei der letzten Wahl. SB

Blattl Sonntag Traunstein