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Anschläge in Istanbul verunsichern nur einzelne Reisewillige

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Ein beliebtes Urlaubsland ist die Türkei, besonders die Türkische Riviera, wie die Stadt Belek. Nach den jüngsten Anschlägen in Istanbul spüren heimische Reisebüros aber nur vereinzelt eine Verunsicherung ihrer Kunden.

»Ich sehe keinen Grund, von Reisen in die Türkei abzusehen«, gab Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) nach dem Anschlag in Istanbul am Dienstag mit zuletzt zehn Toten zu Protokoll. Das Auswärtige Amt rät Reisenden lediglich, Menschenansammlungen zu meiden – landesweit sei weiter mit politischen Spannungen sowie gewaltsamen Auseinandersetzungen und terroristischen Anschlägen zu rechnen.


»Wir haben schon einige Nachfragen von Kunden«, sagt dazu Sabrina Spedicato vom Reisebüro Ticket Easy in Traunstein. Aktuell habe sie selbst dort zwar keinen Kunden, aber zwei fielen ihr spontan ein, die derzeit ihren Urlaub an der Türkischen Riviera verbringen. Allerdings könnte es sein, dass ihre Kolleginnen noch Kunden dort hätten.

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Gerade jetzt im Winter ein beliebtes Reiseziel

Gerade jetzt im Winter sei die Türkische Riviera ein beliebtes Reiseziel, etwa für Langzeitreisen über mehrere Wochen – »die Kunden schätzen das mildere Klima, die Sport- und Wellnessangebote«, so Sabrina Spedicato. Aber auch im Sommer gebe es viele Kunden, die etwa das Preis-Leistungs-Verhältnis oder die Angebote für Familien besonders schätzten. Teilweise seien bereits Reisen für den Sommer gebucht – »die Kataloge erscheinen ja schon im Oktober/November, zum Teil sind die Angebote auch schon vorher buchbar.

Unabhängig von der persönlichen Einschätzung des Bundesinnenministers orientiere sich die Reisebranche grundsätzlich an den Empfehlungen des Auswärtigen Amts. »Darauf reagieren die Reiseveranstalter automatisch«, sagt sie. Bei einer Reisewarnung, wenn also von allen nicht unbedingt notwendigen Reisen abgeraten wird, müssen die Veranstalter reagieren. »Oftmals werden alle Reisen automatisch storniert, bereits geschlossene Verträge gekündigt und Flugverbindungen eingestellt. Dann erscheinen diese Reisen auch gar nicht mehr bei uns im System.«

Für die Türkei gelte allerdings derzeit keine Reisewarnung, sondern nur ein Reisehinweis. Das heißt, manche Veranstalter bieten aus Kulanzgründen die Möglichkeit kostenloser Stornierungen oder Umbuchungen an, sind dazu aber nicht verpflichtet. »Die meisten haben aber im Moment nur die normalen Stornobedingungen nach den Allgemeinen Geschäftsbedingungen«, sagt Sabrina Spedicato. Dabei sind die Stornokosten je nach Kurzfristigkeit gestaffelt, Umbuchungen sind gegen Gebühr möglich.

Unterschied zwischen Reisehinweis und -warnung

»Wir müssen halt das Auswärtige Amt im Auge behalten«, sagt dazu Julia Rost vom Reisebüro RTK an der Maxstraße. Auch sie hat bisher keine großartige Verunsicherung festgestellt. »In den touristischen Gebieten wie Antalya war ja bisher nichts«, sagt sie auf Anfrage des Traunsteiner Tagblatts. »Für uns ist da das Auswärtige Amt bindend. Und bisher gibt es ja nur einen Reisehinweis, keine Warnung. Da kommt es dann immer darauf an, was die Reiseveranstalter machen.« Bisher habe aber keiner veränderte Stornobedingungen angeboten.

Vereinzelt seien die Kunden schon verunsichert, »aber die weichen dann halt auf andere Ziele aus.« Wie ihre Kollegin hat auch sie vor allem ein steigendes Interesse an Reisen nach Spanien oder auf die griechischen Inseln festgestellt. Aber im Vergleich zu früheren Jahren gebe es keine großartigen Änderungen im Buchungsverhalten. »Erst gestern hab ich eine Städtereise nach Istanbul verkauft. Die Kunden meinten, sie wollten sich nicht von den Terroristen nicht die Freude nehmen lassen – da dürfte man ja nirgends mehr hin fahren.« Denn Anschläge könne es grundsätzlich überall geben. Und auf die Frage nach Buchungen zu anderen bisherigen Anschlagsorten sagt sie: »Die Leute buchen auch ganz normal wieder Reisen nach Paris oder nach Ägypten.«

Das Reisebüro Wembacher aus Waging hat zwar derzeit keinen Kunden in der Türkei, registriert aber auch bereits einzelne Änderungen im Buchungsverhalten der Kunden: »Gestern standen schon Kunden im Büro und wollten umbuchen. Die hatten einfach kein gutes Gefühl dabei, ihren Familienurlaub im Sommer in der Türkei zu verbringen«, so Evi Eder auf Anfrage des Traunsteiner Tagblatts. Und deshalb wollten sie lieber schon jetzt umbuchen – »wenn es eine Reisewarnung gibt, sind die Alternativen schnell weg.«

Bei Städtereisen schon letztes Jahr mehr Vorsicht gespürt

Bei Städtereisen nach Istanbul hat Evi Eder schon letztes Jahr zunehmende Vorsicht der Kunden gespürt: »Das ist schade fürs Land, denn die Türkei ist wunderschön.« Aber auch hier ist von größerer Verunsicherung nichts zu spüren, es seien lediglich einzelne Kunden, die sich umorientierten.

Beliebte Reiseziele sind heuer nicht zuletzt wegen der jüngsten Anschläge etwa Spanien mit den Kanaren, Italien oder auch Kroatien. »Die Kunden buchen auch gerne Reisen mit Eigenanreise mit dem Auto. Wichtig ist ihnen aber meistens beständiges Sommer-Wetter«, so Evi Eder.

Umbuchungen oder Stornierungen gebe es aber bisher nicht in großem Stil: »Das sind eher vereinzelte. Und bis zum Sommerurlaub ist ja auch noch Zeit. Da werden manche auch erst einmal abwarten, wie sich die Lage entwickelt. Wenn jetzt Juli wäre, hätten wir sicher mehr Umbuchungen oder Stornierungen.« coho