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Anleger um 46 500 Euro betrogen

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Traunstein – Fünf Anleger aus dem südostbayerischen Raum, darunter eine Mutter mit ihrer Tochter, schenkten einem 53-jährigen Handelsfachwirt, der sie als Versicherungsagent über Jahre gut betreut hatte, großes Vertrauen. Als Anlageberater jedoch taugte der Kaufmann mit damaligem Büro in Waging nichts. Er betrog die Kunden in den Jahren 2011 und 2012 um insgesamt 46 500 Euro, die er in die eigene Tasche steckte. Das Schöffengericht Traunstein verhängte gegen den geständigen Angeklagten eine Freiheitsstrafe von 20 Monaten mit dreijähriger Bewährung. Unter den Auflagen war, den Schaden »nach besten Kräften« wieder gut zu machen und halbjährlich die Einkommensverhältnisse nachzuweisen. Das Urteil wurde mit Zustimmung des Staatsanwalts sofort rechtskräftig.


Der inzwischen in Freilassing lebende 53-Jährige war früher Personalleiter in verschiedenen Firmen, zuletzt in einem Großunternehmen in der Lebensmittelbranche. Nach seinem Ausscheiden machte er sich selbstständig im Bereich Personal- und Vermögensberatung. Schulden im sechsstelligen Bereich häuften sich an. Ende 2013 musste er einen Insolvenzantrag stellen. Sein Haus wurde 2014 zwangsversteigert. Nur ein kleiner Teil des Erlöses floss in die Insolvenzmasse.

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Die angeklagte Tatserie begann am 7. Dezember 2011 mit zwei Anlageverträgen zu einem garantierten Zinssatz von sieben Prozent. Ein Mann wollte 10 000 Euro sicher und nur für ein Jahr anlegen, weil er das Geld danach für eine Immobilie verwenden wollte. Die Zinsen sollten monatlich ausbezahlt werden. Zu den gleichen Bedingungen schloss der Angeklagte mit einer Frau einen Vertrag über 8000 Euro ab. 5000 Euro wollte eine weitere Kundin am 13. März 2012 für drei Jahre investieren. Die Tochter der im Dezember 2011 Geschädigten entschied am 24. August 2012, nach Vorbild der Mutter 8500 Euro risikolos anzulegen. Eine Verzinsung von fünf Prozent für ihre 15 000 Euro binnen drei Jahren erhoffte sich eine weitere Kundin durch ihren am 30. April 2013 unterschriebenen Vertrag.

7700 Euro der investierten 10 000 Euro verschwanden

In allen Fällen spiegelte der 53-Jährige vor, vertrauenswürdig und solvent zu sein. Tatsächlich erhielt fast niemand Geld – weder lukrative Zinsen noch die vereinbarte Rückzahlung des Kapitals. Lediglich eine Dame bekam mithilfe des Gerichtsvollziehers 500 Euro ihrer investierten 8000 Euro zurück. Ins Rollen gebracht hatte den Fall der erste Geschädigte, wie eine Traunsteiner Kriminalbeamtin im Zeugenstand schilderte. Die Staatsanwaltschaft durchleuchtete damals die Konten des Angeklagten. Dabei stellte sich heraus: Unmittelbar nach Eingang der 10 000 Euro verschwanden am gleichen Tag 7700 Euro auf zwei privaten Konten des 53-Jährigen. Dazu die Polizeizeugin: »Das war klassisch.«

Angeklagter hatte viele private Probleme

Der 53-Jährige, wortgewandt und eloquent, gab als Motiv an: »Es war keine Bereicherung in dem Sinn. Ich hatte damals große Schwierigkeiten im Büro. Meine Mutter kam in ein Heim, ich musste die Kosten finanzieren. Meine Frau hatte gesundheitliche Probleme. Ich habe die Verträge in einer Zeit äußerst angespannter Lage abgeschlossen. Es tut mir sehr leid.« Die jetzt abgehandelten Straftaten waren schon begangen, aber noch nicht bekannt, als der Mann im Juni 2013 zu elf Monaten Freiheitsstrafe mit Bewährung wegen zweier Fälle der Untreue verurteilt wurde. Er hatte ihm im Jahr 2009 von Kunden übergebene Beträge von 15 000 beziehungsweise 10 000 Euro ebenfalls für sich selbst verbraucht.

Seit 2014 ist der Angeklagte in seinem jetzigen Job in einem Firmenkonstrukt mit Sitz in Salzburg und Freilassing tätig. Das Unternehmen agiert im deutsch-österreichischen Grenzgebiet. Staatsanwalt Florian Walter wollte wissen: »Sind Sie sicher, dass dies das Richtige für Sie ist? Es besteht der Verdacht des Betrugs.« Der 53-Jährige antwortete: »Das beunruhigt mich schon. Ich strebe eine andere Tätigkeit an - im Verkauf.« Der Anklagevertreter warnte: »Die Zeiten sind vorbei, in denen man einen Haufen Geld machen konnte. Wenn man Versprechen abgibt, erleidet man Schiffbruch. Vielleicht bleibt am Ende des Verfahrens auch etwas an Ihnen hängen.« Eine der Firmen sei nicht mehr aktiv, entgegnete der Handelsfachwirt. Er selbst werde »bestimmt nichts mehr verkaufen«.

Staatsanwalt: Angeklagter »war am Limit«

Staatsanwalt Florian Walter forderte im Plädoyer eine 22-monatige Strafe mit Bewährung: »2011/2012 musste Geld her. Die Kunden waren gerne bereit, dem Angeklagten Geld zu überlassen. Die Zinsen waren noch hoch.« Der 53-Jährige hätte die Gelder jedoch nie zurückzahlen können: »Er war am Limit.« Wie später der Verteidiger und das Gericht ging der Ankläger von gewerbsmäßigem Betrug aus. Pluspunkte seien das Geständnis und die Reue. Seit 2013 sei nichts mehr passiert. Andererseits sei der Schaden hoch.

In Punkto Bewährung bescheinigte der Staatsanwalt – wie die anderen Redner – eine günstige Sozialprognose. »Die desaströse finanzielle Lage« seines Mandanten führte Verteidiger Jürgen Pirkenseer aus Piding ins Feld. Die Geschädigten sollten ihr Geld weitestgehend zurückbekommen. Der 53-Jährige habe alles verloren. Eineinhalb Jahre Strafe mit Bewährung seien ausreichend. Die Auflagen stellte Pirkenseer ins Ermessen des Gerichts. »Die ganze Geschichte tut mir leid«, hob der Angeklagte mit Blick auf Geschädigte im Zuhörerbereich im »letzten Wort« hervor.

Im Urteil bezog sich Richter Wolfgang Ott auf die von Staatsanwalt und Verteidiger genannten Argumente. Positiv wirke das Geständnis: »Die Beweislast war erdrückend.« Der 53-Jährige habe – im Gegensatz zu anderen Betrügern – keinen luxuriösen Lebenswandel genossen. Das Geständnis sei von Schuldeinsicht getragen gewesen. Strafaussetzung zur Bewährung sei noch vertretbar, schloss der Richter. kd