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Angst vor einer Umzingelung durch Gewerbegebiete

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Mit großen Transparenten demonstrieren die Unteraschauer ihren Widerstand gegen eine weitere Gewerbegebiets-Ausweisung im Anschluss an das bestehende Gewerbe (im Hintergrund). (Foto: Eder)

Waging am See – Viele Bewohner von Unteraschau sind verschnupft. Sie erfuhren aus der Zeitung, dass in ihrem kleinen Ort nun noch ein weiteres Gewerbegebiet entstehen soll – für ein Lagerhaus der Raiffeisen-Lagerhäuser Rupertiwinkel. Mit Transparenten drücken sie ihren Unmut aus, am Dienstag hatten sie einen Termin mit Bürgermeister Herbert Häusl, bei dem lebhaft diskutiert wurde und bei dem die Anlieger ihre Argumente gegen die Neuausweisung zusammenfassten, verstärkt durch eine Liste mit über 50 Unterschriften.


Wie berichtet, hatte der Waginger Gemeinderat im Mai beschlossen, für dieses geplante Lagerhaus das Bauleitverfahren einzuleiten. Da das Lagerhaus in Waging in absehbarer Zeit geschlossen werden soll, sah die Gemeinderatsmehrheit die Bauausweisung in Unteraschau positiv. Auch die Behörden hätten, wie es hieß, bei informellen Voranfragen keine grundsätzlichen Einwände geäußert.

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Dies alles war schon im Vorfeld geklärt worden, auch der Vertrag zwischen den Raiffeisen-Lagerhäusern Rupertiwinkel und der Firma, die das Gebäude bauen und dann verpachten will, ist längst unter Dach und Fach. Lediglich die Anlieger waren bis dato völlig ahnungslos, und auch etliche Gemeinderäte schimpften nach der Sitzung, sie seien vorab nicht ausreichend über den Sachverhalt informiert gewesen.

»Das Lagerhaus gehört nicht dahin«

Nun aber haben sich Unteraschauer Bürger zusammengefunden und formulieren ihren Widerstand gegen ein weiteres großes Gewerbe- beziehungsweise Mischgebiet. Denn es ist ja nicht nur die Fläche für das Lagerhaus ausgewiesen, es sollen noch weitere nebenliegende Flächen in die Flächennutzungsplan-Änderung mit aufgenommen werden. Bei einem Treffen von Unteraschauern und Bewohnern umliegender kleiner Weile fasste Rupert Blank die Meinung aller zusammen: »Das Lagerhaus gehört nicht da hin.« Und fügte an, wovor die Unteraschauer die größte Angst haben: Nicht nur auf der Seite der Staatsstraße 2104, wo das Lagerhaus gebaut werden soll, sondern auch auf der anderen Seite wächst das Gewerbe an: Das Gewerbegebiet »Waging-West« (meist »Gewerbegebiet Scharling« genannt) wird ebenfalls erweitert.

Und dann würde möglicherweise das Gewerbegebiet auch in Richtung Otting über die Staatsstraße springen, und das gesamte idyllische Gebiet mit dem schönen Blick nach Otting hinauf wäre nur noch eine einzige große, unschöne Gewerbefläche.

Für das Anwesen Basal ist die Situation problematisch: Das Haus liegt genau in der Mitte zwischen den beiden Gewerbe-Ansiedlungen, wird durch bereits genehmigte und mögliche künftige Erweiterungen geradezu in die Zange genommen. Sepp Basal: »Wenn wir uns nicht wehren, kommt da noch ein ganzer Rattenschwanz auf uns zu.«

Kritik wurde bei dem Treffen nicht zuletzt auch daran geübt, dass die Gemeinde hier Flächen ausweist, über die sie nicht selber verfügt. Von daher habe die Gemeinde letztlich keinerlei Einfluss mehr, welche Firmen beziehungsweise Gewerbe sich hier niederlassen, hieß es. Auch ein Umwelt-Argument haben die Anwohner: Da in den großen Raiffeisen-Lagerhäusern auch viele Stoffe angeboten würden, die Wasser verunreinigen und schädigen könnten, wird die Nähe des Baches als zusätzliches Gegenargument angeführt.

Nach Ansicht der Anwohner würde die geplante Ausweisung die größte Veränderung des Ortes seit über 50 Jahren bedeuten, eine Zunahme der Bebauung um die Hälfte der bisherigen Fläche – mit immensen Auswirkungen für die Bewohner. Mehr Verkehr, mehr Lärm, mehr Immissionen wären die Folge, somit ein Verlust an Lebens- und Wohnqualität. Die Vermietbarkeit der Wohnungen würde erschwert, die Mietpreise würden sinken. Das Umweltargument sollte gerade in einer Gemeinde, die als Ökomodellregion ausgelobt wurde, ein größeres Gewicht erhalten, hieß es. Außerdem sei »zu befürchten, dass ein einziges, großes Gewerbegebiet entsteht, das die umliegenden Dörfer mit einschließt«.

In dem Gespräch am Dienstag im Rathaus nahmen sechs Bewohner von Unteraschau teil sowie von Gemeindeseite Bürgermeister Häusl und die Bauamtsvertreter Sabine Kraller und Manfred Gries. Mit Nachdruck trugen die Unteraschauer ihre Argumente vor, möglich erscheinende Alternativen wurden diskutiert, und letztlich wurde auf Drängen der Anlieger hin eine Anliegerversammlung zugesagt, die am Montag, 20. Juli, um 19.30 Uhr im Gasthaus Oberwirt in Otting stattfinden soll.

Bürgermeister Häusl: Noch alles möglich

Bürgermeister Häusl und die Bauamtsvertreter versuchten darzulegen, dass das Verfahren jetzt noch in einem Stadium sei, an dem noch alles möglich ist. Erst müsse man die Stellungnahmen der Behörden abwarten, um Näheres sagen zu können. Die Unteraschauer wollten aber nicht einsehen, dass man überhaupt daran denke, ihnen noch mehr Gewerbe zuzumuten, wo die Belastungen durch das jetzige, vor allem in Sachen Lärm, schon sehr groß seien.

Bürgermeister Häusl äußerte zwar »großes Verständnis für die Einwände der Anlieger«, machte aber kein Hehl daraus, dass er erstens die geplante Lagerhaus-Ansiedlung hier begrüße und dass zweitens das Verfahren wie geplant weiterlaufen werde. Aber auch wenn er wenig Sinn darin sah, stimmte er letztlich dem Wunsch der Anlieger auf eine Versammlung zu. he