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Andere Zeiten – andere Herausforderungen

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Taching am See. Wie hat sich die Landwirtschaft auf den Höfen rund um den Waginger und Tachinger See verändert? Das war das Thema einer kleinen Fachrunde, die der Landwirt Hubert Krautenbacher und sein rüstiger Vater Otto (87) auf dem Schweizerhof in Limberg organisiert hatten. Mit dabei waren Rolf Oehler, Bereichsleiter Landwirtschaft am Landwirtschaftsamt in Traunstein, und Rupert Brandmayer, einer der vom Landwirtschaftsamt neu eingesetzten »Seenberater«, sowie Franz Knogler, der im Auftrag der Teilnehmergemeinschaft Waginger-Tachinger See die Landwirtschaft über Maßnahmen zur Reduktion von Stoffeinträgen berät.


Otto Krautenbacher erinnerte an die »guade oide Zeit«, die so gut gar nicht war. Er erzählte von seinem kleinen Betrieb und der vielen, harten Arbeit mit den sieben Hektar Land, das vor allem eines war: sehr nass. Das zu Anfang schlecht zu bewirtschaftende Land konnte 1974 nur mit dem Anschluss an den Verbund Heilig Kreuz und einem Besuch beim Wasserwirtschaftsamt und der Frage, ob denn nicht Dränagen die Lösung wären, in Angriff genommen werden. Die ganze Landschaft würde völlig zuwachsen und sollte bewirtschaftet werden, damit die Menschen Nutzen davon haben, erinnerte sich Otto Krautenbacher. Und so machte er es auch.

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Gedüngt wurde nur bei Halbmond

Der Senior erzählte von seiner Arbeitsweise, die sich an altem Wissen orientierte wie der Bedeutung des Mondes für den gesamten Ablauf. So sei nur bei Halbmond gedüngt worden. Der erste Schnitt wurde auf »Heuhifeln« aufgetürmt, immer nach Pfingsten. Ende der 60er Jahre veränderte sich die Felderbewirtschaftung grundlegend, vor allem durch den Mähdrescherkauf 1961. Aber auch bei der Grünlandnutzung gab es große Veränderungen. So wurde zum Teil von Heu auf Futtersilage umgestellt, um trotz der hohen Niederschläge in der Region eine gute Futterqualität zu erreichen. Die Ertragslage habe sich durch Düngung und Dränagen verbessert und somit auch die Lebensqualität, was für den Fortbestand vieler Betriebe wichtig gewesen sei.

Der rege Austausch wendete sich dann dem Thema See und Wasserqualität zu. Der Leiter der Beratungsabteilung im Landwirtschaftsamt, Rolf Oehler, erläuterte, dass durch die Gänge der Regenwürmer nach starken Regenfällen Nährstoffe ausgewaschen würden. Vor allem bei Gülledüngung werde die natürliche Bodenfilterwirkung praktisch umgangen und ein Teil des Phosphats ausgewaschen. Die für die Bodenfruchtbarkeit an sich erwünschte, hohe Zahl an Regenwürmern führe am Waginger See aufgrund der ungünstigen geologischen Voraussetzungen zu einem eindeutig negativen Effekt. Die Alternative, Böden nicht zu drainieren, hätte zur Folge, dass man zu bestimmten Zeiten viele Flächen nicht bewirtschaften könne.

Knogler ergänzte, dass laut Informationen von Landwirten das Wasser teilweise in Bachabschnitten im Boden verschwinde und unten am See wieder rauskomme. Deshalb sei es wichtig, dass Flächen geschaffen werden, auf denen durch einen vorgeschalteten Bodenfilter das Phosphat im Boden gebunden werden könne. Oehler schätzte die Zahl der Starkregenereignisse auf bis zu drei im Jahr mit der Folge eines stärkeren Phosphataustrags. Der Eintrag sei deutlich niedriger, wenn die Gülle bodennah ausgebracht werde. Daher sei klares Beratungsziel, die Güllemenge zu erhöhen, die mit Schleppschuh oder Drill bodennah ausgebracht werde. Knogler freute sich, dass der Wohlstand nach der harten Zeit, wie von Otto Krautenbacher geschildert, auch bei den Landwirten angekommen sei. Wichtig seien für die jungen Leute in diesem Arbeitsfeld faire Arbeitsbedingungen und eine gesellschaftliche Akzeptanz.

Mit Milchkühen allein wird es schwierig

Hubert und Otto Krautenbacher erzählten von der Entwicklung in den letzten 40 Jahren in der Landwirtschaft und der Dominanz der Milchkühe. Es sei schwierig, in der heutigen Zeit mit Milchkühen zu überleben. Hubert Krautenbachers Einschätzung nach bräuchte man fast 60 Milchkühe. Außerdem wären verschiedene Standbeine sinnvoll. Auf jeden Fall müsse man zu hundert Prozent Landwirt sein und die Arbeit mit Hingabe ausüben. Seenberater Brandmayer ergänzte, dass man im Schnitt jedes Jahr eine Kuh mehr bräuchte und das allein nicht reiche; eine Erwerbskombination sei schon fast Standard. Landwirtschaftsdirektor Oehler bewertete die großen Maschinen als absolut nötig und wichtig für die Arbeitsqualität und Sicherheit eines Landwirtes.

Knogler betonte, dass man gemeinsam eine Reduzierung der Einträge erreichen müsse, um die Nachhaltigkeit der Landbewirtschaftung rund um den Waginger und Tachinger See zu sichern. Das gehe aber nicht von heute auf morgen. Die Wertschätzung der Landwirte, die teilweise direkt am Pranger stünden, sei sehr wichtig. Sie seien für neue, andere Lösungen durchaus offen. Das Landwirtschaftsamt habe eine erneute Förderung der bodennahen Gülle-Ausbringung für die Landwirte erreicht. Oehler appellierte an alle Seenanlieger, diese Fördermöglichkeit zu nutzen. he