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»An Weihnachten wird der Genuss gelebt«

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»Männlich, funktionell« umschreibt Martin Braxenthaler seine Art, Plätzchen zu backen. Da wird der Teig schon mal als Ganzes auf dem Backblech ausgerollt und vor dem Backen mit dem Pizzaroller geschnitten. Fertig in wenigen Minuten und »der Geschmack ist der gleiche«. (Foto: Augustin)

Surberg. Filigran geht es nicht zu, wenn Martin Braxenthaler in der Küche werkelt. Das ist »männlich, funktionell«, erklärt er schmunzelnd, während er zugleich den Teig für seine Lieblingslebkuchen mit einem kleinen Teigroller direkt auf dem Backblech ausrollt. Ähnlich rasant, wie der mehrfache Paralympics-Sieger im Monoski früher die Pisten hinuntersauste, entstehen in seiner Küche in Thunstetten die Platzerl. Er schneidet den ausgerollten Teig mit einem Pizzaroller in Stücke und schon wandert das Blech in den Ofen. »Der Geschmack ist ja der gleiche.«


Dafür hat das Rezept in seiner Familie eine lange Tradition. »Meine Oma hat die früher immer gemacht, dann Jahrzehnte lang meine Mama, und jetzt meine Schwester und ich.« Es stammt aus einem alten Schulkochbuch der Oma, das Braxenthaler stolz präsentiert: Dr. Oetkers Schul-Kochbuch aus dem Jahr 1927. Als Bub, der auf einem Bauernhof in Surberg aufgewachsen ist, wurde Weihnachten so richtig gelebt, erzählt er. Heute sei das Fest für ihn »nicht so streng katholisch, aber aufgrund der Tradition etwas ganz Besonderes.« Es sei eine ruhigere Zeit, in der man sich mal ganz anderen Dingen widmet – sowohl früher, als er noch aktiver Leistungssportler war, als auch jetzt als junger Familienvater. Der Sport spielt in Martins Leben nach wie vor eine große Rolle. Er ist Co-Trainer des Paralympic-Skiteams. Weihnachten nimmt er sich aber immer eine Auszeit. Am 27. Dezember geht es dann mit dem Training des Skiteams am Götschen in Bischofswiesen weiter.

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»An Weihnachten wird der Genuss gelebt«, so Braxenthaler und schwärmt von seinen Rindsrouladen, die er als »alter Hausmann« stets selbst zubereitet. Neuerdings gibt es im Hause Braxenthaler aber Ente zum Fest. »Die Weihnachtsrituale ändern sich mit der Entwicklung der Familie.« Und mit Kindern lebe man das Fest wieder bewusster. Aus der Kindermette wurde irgendwann die Christmette und jetzt gehen er, seine Frau Kerstin und sein Sohn Xaver eben wieder in die Kindermette. Früher habe er an Weihnachten öfter gelitten, erinnert er sich. Zum einen, weil er als junger Bursch am Vorabend meist gelumpt hatte. Zum anderen, weil er als Kind von starker Migräne geplagt war, die er stets bekam, wenn er sich auf etwas besonders gefreut hat und aufgeregt war – also an Weihnachten oder am Geburtstag. »Da hab ich das Fest oft auf der Couch neben dem Christbaum verbracht«, erinnert sich der Sportler.

Gelumpt wird heute nicht mehr – zumindest nicht vor Weihnachten. Wobei: »Der Weißweinpunsch gehört schon auch dazu«. Allerdings in Maßen. ka