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»An Weihnachten herrscht eine ganz besondere Stimmung«

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Polizeihauptkommissarin Daniela Schlaffer findet es nicht schlimm, an Weihnachten arbeiten zu müssen.

Der Kachelofen ist eingeheizt und knistert, aus der Küche duftet es nach Gebratenem und der Christbaum zaubert eine ganz besondere Stimmung ins Wohnzimmer. Die Vorfreude aufs Christkind ist groß, vor allem bei den Kindern. Doch nicht alle können Weihnachten mit der Familie verbringen. Kinderkrankenschwester Lisa-Marie Eisenberger und Polizeihauptkommissarin Daniela Schlaffer müssen am Heiligen Abend arbeiten. Der evangelische Pfarrer Stefan Hradetzky versucht, Familie und Arbeit unter einen Hut zu bringen. Und für Sängerin Claudia Koreck ist der Heilige Abend »tatsächlich schon immer heilig«.


»An Weihnachten herrscht eine ganz besondere Stimmung auf Station«, sagt Kinderkrankenschwester Lisa-Marie Eisenberger (27). Sie macht keinen Hehl daraus, dass der 24. Dezember nicht unbedingt der beliebteste Arbeitstag im Jahr ist. Trotzdem arbeitet die Traunsteinerin regelmäßig am Heiligen Abend, auch dieses Jahr wieder. »Ich habe noch keine Kinder. Da ist es doch selbstverständlich, dass unsere Mamas den Vorzug bekommen.«

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Lisa-Marie Eisenberger feiert mit ihren Eltern und ihren Brüdern einfach schon am Nachmittag, damit sie abends im Krankenhaus sein kann. »Es gibt auch mal Tränen. Aber wir versuchen zumindest, es den Kindern so schön wie möglich zu machen«, sagt sie und ergänzt: »Wir dürfen dann Christkind spielen und den Kindern Geschenke bringen. Da sind alle immer ganz aufgeregt.« Das zu sehen, sei einfach schön und entschädige etwas dafür, nicht selbst daheim mit der Familie feiern zu können.

Damit auf Station 3.3 weihnachtliche Stimmung aufkommt, werden in der Adventszeit gebastelte Sterne aufgehängt, Nikoläuse aus Filz schmücken das Spielzimmer der Kinder und natürlich gibt es zu Weihnachten auch einen Christbaum. »Einer von uns bringt dann am Heiligen Abend eine CD mit Weihnachtsliedern mit, die wir abspielen. Eine Krankheit sucht man sich nicht aus, schon gar nicht zum 24. Dezember«, sagt Lisa-Marie Eisenberger, die ihren Beruf über alles liebt. »Wenn ich den Buben und Mädchen hier auf Station nur ein wenig Leid nehmen kann, dann gibt mir das so viel.« Sie bedauert, dass aufgrund der Arbeitsbelastung und der fehlenden Pflegekräfte immer weniger Zeit für Zwischenmenschliches bleibe. Doch in der staden Zeit – »und an Weihnachten sowieso« – sei es auf Station wirklich etwas ruhiger. »Denn alle Kinder, die nicht unbedingt bleiben müssen, werden nach Hause entlassen, damit sie daheim Weihnachten feiern können«, sagt die 27-Jährige, die sich wünschen würde, dass mehr junge Leute in den Pflegeberuf »reinschnuppern«. »Ich bin mir sicher, das würde ganz, ganz vielen gut gefallen!«, betont die Kinderkrankenschwester aus dem Klinikum Traunstein.

Brände und Unfälle auch an Weihnachten

Mit 16 Jahren fing Daniela Schlaffer eine Ausbildung bei der Polizei an. Der Traunsteinerin war klar, dass sie somit an Weihnachten oft arbeiten wird. »Wir haben ja verschiedene Schichten zu verteilen. Ich habe die vergangenen Jahre immer am Heiligen Abend gearbeitet, letztes Jahr hatte ich Nachtdienst«, sagt die mittlerweile sehr erfahrene Hauptkommissarin (44) der Polizeiinspektion Traunstein. Sie hat keine Kinder und will es deshalb – wie Lisa Eisenberger auch – ihren Kollegen ermöglichen, daheim bei der Familie zu sein. Auf die Frage, ob der Heilige Abend aus Polizeisicht ein besonderer Tag ist, sagt sie: »So pauschal kann man das nicht sagen. Wir hatten auch schon ruhigerer Abende. Aber was an anderen Tagen passiert, passiert natürlich auch an Weihnachten, also Brände, Verkehrsunfälle, Anzeigen.« Auch zu einem Suizid sei sie schon gerufen worden. »So etwas bleibt natürlich in Erinnerung.«

Für Daniela Schlaffer und ihre Kollegen sind die Weihnachtsfeiertage ganz normale Arbeitstage, »auch wenn wir versuchen, etwas Stimmung rein zu bringen«, sagt die 44-jährige Dienstgruppenleiterin. Dieses Jahr möchte sie für die Nachtschicht am zweiten Weihnachtsfeiertag eine kalte Platte herrichten. »Unsere Schicht dauert elf Stunden, dann können wir zumindest zusammen essen. Und wenn ein Einsatz reinkommt, können wir gleich los.« Die Polizeihauptkommissarin wünscht allen »friedliche Weihnachten – und dass nichts passiert und alle heil bei ihren Familien ankommen.«

»Der Tag ist mir schon immer heilig«

Sängerin Claudia Koreck hält sich den Heiligen Abend jedes Jahr ganz bewusst frei. »Der Tag ist mir tatsächlich schon immer heilig«, betont die Mama von zwei Kindern, die in der Adventszeit allerdings kaum Zeit zum Durchatmen hatte. Von 7. bis 22. Dezember gab sie elf Konzerte in ganz Bayern – auch in der ausverkauften Klosterkirche. »Es ist etwas ganz Besonderes, daheim aufzutreten. Es waren so viele Leute da, die ich kenne. Da will man einfach 150 Prozent geben«, sagt die Surbergerin. »Es war ein wirklich wunderschöner Abend und die Stimmung war einmalig. Ein toller Moment war es, als wir alle gemeinsam ohne Mikrofon 'Stille Nacht' gesungen haben. Da war ich schon sehr gerührt.«

Die Adventszeit und der Heilige Abend sind für die 33-Jährige etwas ganz Besonderes: »Ich liebe es, mit den Kindern auf den Tag hinzufiebern – und dann dieses schöne, rührende Gefühl, wenn wir alle gemeinsam unterm geschmückten Baum singen. Meine Kinder wünschen sich heuer einen Schulranzen und einen Chemiekasten. Mal sehen, was das Christkind bringt«, sagt Claudia Koreck und schmunzelt.

Den 24. Dezember verbringt die Sängerin heuer zusammen mit der ganzen Familie bei sich zu Hause. »Es kommen alle meine Geschwister mit Partnern und meine Eltern zu uns.« Zu essen gebe es Fondue und Plätzchen. »Den nächsten Tag feiern wir dann mit der ganzen Verwandtschaft bei meiner Mama. Es gibt die traditionelle Weihnachtsgans und danach machen wir 'Schrottwichteln'. Das ist immer sehr lustig.«

Viel Arbeit für den evangelischen Pfarrer

Für den evangelischen Pfarrer Stefan Hradetzky aus Traunreut bedeuten die Weihnachtstage viel Arbeit – und trotzdem nimmt er sich auch Zeit für seine Frau und die vier Kinder, um mit ihnen gemeinsam das Fest zu genießen. »Wenn ich alles gut vorbereitet habe und vor dem Heilig Abend damit fertig bin, ist das dann eigentlich ein ganz entspannter Familientag für mich«, erzählt der Geistliche. Zusammen mit seiner Frau Christine und den Söhnen Lukas, Jonas, Tobias und Elias schmückt er dann vormittags den Baum und gemeinsam bereiten sie alles vor für den Abend. Um 15.30 Uhr geht dann die ganze Familie in die Kirche, wo sie alle um 16 Uhr beim Familiengottesdienst mit Krippenspiel eingespannt sind. Mit Aufräumen danach wird es meistens 18 Uhr, dann hat der Pfarrer Pause bis zur Christmette um 22 Uhr. In dieser Zeit finden daheim die Bescherung und das gemeinsame Abendessen statt – wie in jeder anderen Familie auch. Während der eine oder andere dann am späteren Abend ziemlich erledigt ist, muss Stefan Hradetzky hellwach sein, um die Besucher der Christmette mitzureißen. Die Erwartung der Gläubigen und auch seine eigene Erwartung an sich seien gerade in diesen Tagen hoch. »Meine Aufgabe ist es, auf das Licht von Weihnachten zu verweisen, den Menschen Hoffnung zu geben«, betont er. KR/mix

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