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»An Dreistigkeit nicht zu überbieten«

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Foto: dpa/Symbolbild

Aus Geldnot und Schulden heraus brachen zwei junge Männer, 22 und 24 Jahre alt, zweimal in die Evangelische Kirche in Marquartstein ein und einmal in das Museum Klaushäusl in Rottau. Die Beute war jeweils gering – im Gegensatz zum Sach- und Inventarschaden. Die Täter, ein Mann aus Siegen und sein in Bernau wohnender Bekannter, legten gestern vor dem Schöffengericht Geständnisse ab, auch bezüglich weiterer Tatvorwürfe.


Den 22-Jährigen schickte das Gericht für zweieinhalb Jahre hinter Gitter. Der 24-Jährige erhielt eine Freiheitsstrafe von 21 Monaten, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung. Seine Fahrerlaubnis ist er für noch ein Jahr los. Und: Er muss »nach besten Kräften« Wiedergutmachung an die Evangelische Kirchengemeinde leisten, mindestens aber 75 Euro monatlich während der Bewährungszeit.

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Zwei Fenster auf der Nordseite der Kirche an der Loitshauser Straße in Marquartstein widerstanden den betrunkenen Einbrechern in der Nacht zum 12. März 2017 zunächst. Es gelang nicht, die Fenster mit einem Schraubendreher aufzukriegen. Da warfen die Männer eine Scheibe ein. Sie öffneten das Fenster und drangen in das Gebäude ein. Im Kirchenschiff hebelten sie einen Kerzenschrank auf, in dem sie Münzgeld fanden. Im Bürotrakt brachen sie reihenweise Türen auf – zu den Büroräumen des Diakons, des Pfarramts, zum Dachboden, zur Orgelempore und zur Sakristei. Die Täter durchwühlten alle Schränke und Schreibtische, machten auch vor Möbelschlössern nicht halt. Keinen Erfolg hatten sie bei einem eingemauerten Wandtresor. Der Sach- und Inventarschaden summierte sich auf rund 10 000 Euro. Die Angeklagten verschwanden mit rund 300 Euro in Münzen, dazu noch 147,76 D-Mark, die sie später in München in 75,74 Euro umtauschten.

Der verschlossene Wandtresor lockte die Einbrecher drei Tage später, am 15. März erneut nach Marquartstein. Doch auch der zweite Versuch scheiterte. Stattdessen knackten die Männer einen Schlüsselkasten, darin unter anderem die Schlüssel für einen Toyota, der draußen auf dem Kirchengrundstück geparkt stand. Das Fahrzeug mit einem Zeitwert von 8000 Euro wurde am nächsten Tag unbeschädigt in Bernau aufgefunden. Dennoch entstand der Kirche Schaden in Höhe von 3000 Euro. Der Grund: Die Autoschlüssel waren unauffindbar. Die Schließ- und Sicherheitsanlage musste für circa 3000 Euro erneuert werden.

Die Einbrecher fuhren in jener Nacht mit dem gestohlenen Toyota weiter nach Rottau. Ein vergittertes Fenster im Museumscafé widerstand. Über ein Fenster ohne Gitter kamen sie ins Gebäudeinnere. Lediglich Münzen im Wert von 50 Euro fielen den Angeklagten in die Hände. Der Sachschaden betrug rund 500 Euro.

Beide Männer besaßen keine Fahrerlaubnis. Das hielt sie nicht ab, mit einem in Siegen gekauften Suzuki sowie mit dem gestohlenen Toyota durch die Gegend einschließlich dem Trip zur Bundesbank in München zu steuern. Bei einer Zufallskontrolle der Polizei in Rosenheim am 17. März flogen die illegalen Fahrten auf. Der 24-jährige Fahrer hatte zudem über ein Promille Alkohol und Drogen im Blut.

»Wie hirnlos muss man sein, um so etwas durchzuziehen?« Diese Frage stellte Staatsanwalt Alexander Foff im Plädoyer. Die Taten seien »an Dreistigkeit nicht zu überbieten«. Strafmindernd wirkten die Geständnisse, die lächerlich geringe Beute, die dilettantische Vorgehensweise und die Entschuldigung beim Pfarrer. Negativ zu berücksichtigen seien neben dem hohen Schaden die Vorstrafen. Der 22-Jährige habe wegen ähnlicher Taten schon mehr als sechs Jahre Jugendstrafe hinter sich. Für ihn forderte der Ankläger drei Jahre Gefängnis, für den 24-Jährigen zwei Jahre Freiheitsstrafe mit dreijähriger Bewährungszeit und einer Geldauflage von 4500 Euro, zu zahlen an die Kirche als Schadensersatz.

Die Verteidiger, Christoph Rühlmann aus Düren und David Schietinger aus Bad Aibling, beantragten jeweils niedrige Strafen von 18 Monaten mit Bewährung und angemessenem Schadensersatz an den Pfarrer beziehungsweise von etwa zwei Jahren acht Monaten mit der Möglichkeit einer Drogentherapie während der Haftzeit. Im »letzten Wort« meinte der 22-Jährige: »Ich kann nur sagen, es ist blöd gelaufen. Der andere Angeklagte wollte sein Leben ändern.« Der 24-Jährige beteuerte, so etwas werde nie wieder passieren.

Im Urteil stellte Richter Wolfgang Ott fest, manche Details, etwa der zweimalige Einbruch in der Kirche, wären ohne Geständnis des 24-Jährigen nicht nachzuweisen gewesen. Die Vorstrafen des 22-Jährigen habe das Gericht nicht außer Acht lassen können. Dass beide Angeklagte betrunken waren bei den Taten, davon gehe das Gericht aus. Die Kirche liege mitten in einer Wohngegend mit entsprechender Entdeckungsgefahr. Man sei wegen des Tresors nochmals zurückgekehrt. Da könne der Alkohol keine wesentliche Rolle gespielt haben. kd