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Amtswechsel beim Amtsgericht Traunstein

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Das bisher von Ludwig Kroiß geleitete Amtsgericht Traunstein hat mit Wilhelm Sing (von rechts) einen neuen Chef. Der Präsident des Bayerischen Verfassungsgerichtshofs und des Oberlandesgerichts München, Karl Huber, verabschiedete Sings Vorgänger Ludwig Kroiß. Landgerichtspräsident Rupert Stadler sicherte dem neuen Direktor am Amtsgericht seine volle Unterstützung zu. (Foto: Kretzmer)

Traunstein. Das Amtsgericht Traunstein, bisher geleitet von Professor Ludwig Kroiß, hat seit Donnerstag mit Direktor Wilhelm Sing einen neuen Chef. Der Präsident des Bayerischen Verfassungsgerichtshofs und des Oberlandesgerichts München, Karl Huber, verabschiedete Kroiß, der seit 1. Oktober Vizepräsident des Landgerichts ist, bei einer Feierstunde im Schwurgerichtssaal und führte Wilhelm Sing in sein Amt ein.


Huber würdigte den neuen Behördenchef: »Neben Ihrem großen fachlichen Engagement als Richter und Staatsanwalt haben Sie in Ihrem bisherigen Werdegang gezeigt, dass Sie über eine besondere Begabung verfügen, mit Menschen umzugehen, organisatorisch tätig zu sein und für die Justiz nach außen zu wirken. Auf diese Neigungen und Fähigkeiten bauen wir.«

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Auf Wilhelm Sing würden – so Huber weiter – trotz seiner Erfahrung auch als Führungskraft viele zusätzliche Anforderungen zukommen, die er mit Beharrlichkeit, Aufgeschlossenheit, Entschlussfreude und Mut bewältigen müsse. Es gelte, »stets den richtigen Ton und das richtige Wort zur rechten Zeit zu finden«. Sing sei »im Landgerichtsbezirk Traunstein tief verwurzelt« und kenne das Amtsgericht Traunstein bereits aus eigener Erfahrung.

Unter den wichtigsten beruflichen Stationen nannte Huber Sings Dienstbeginn in der bayerischen Justiz am 5. April 1985 als »Proberichter« in einer Strafkammer des Landgerichts Traunstein. Die Zeit als »Linienstaatsanwalt« habe Sing bei der Staatsanwaltschaft Traunstein verbracht. Schon bald sei er in Spezialreferaten eingesetzt worden. Nächster Abschnitt seien drei Jahre am Landgericht in Zivilsachen gewesen. Danach habe sich Wilhelm Sing für den Übertritt zur Staatsanwaltschaft entschieden – ab Juni 1995 als Gruppenleiter sowie stellvertretender Leiter der Abteilung für Kapitaldelikte und allgemeine Strafsachen. Dank des »außergewöhnlichen Maßes an Führungsgeschick und Durchsetzungskraft« sei Sing im November 2000 zum »weiteren aufsichtführenden Richter am Amtsgericht Traunstein« befördert worden. In die neuen Aufgaben als Register- und Vormundschaftsrichter habe er sich rasch eingearbeitet. Maßgeblich beteiligt gewesen sei er an dem damaligen Pilotprojekt »elektronisches Handelsregister«. Zum Oberstaatsanwalt stieg Sing am 1. September 2002 auf, verbunden mit der Leitung der Abteilung Kapitaldelikte und Allgemeine Strafsachen, im Juli 2005 zum »ständigen Vertreter des Leitenden Oberstaatsanwalts« und Leiter der Vollstreckungsabteilung.

Als »Persönlichkeit mit entsprechender Führungskompetenz und Sachkunde« umriss Huber Professor Ludwig Kroiß, der im Mai 1987 in die bayerische Justiz, genauer bei der Staatsanwaltschaft Traunstein, eintrat. Es folgte im Oktober 1993 erstmals eine Aufgabe am Landgericht – als Richter einer Zivilkammer. Frühzeitig bereits war Kroiß in der Juristenausbildung engagiert. Ob seiner erfolgreichen Tätigkeit in diesem Bereich wurde er ab 1. Mai 1995 hauptamtlicher Arbeitsgemeinschaftsleiter für Rechtsreferendare. Die nächste Stufe auf der Karriereleiter erklomm er Mitte 2003 am Landgericht – Vorsitzender Richter einer Strafkammer, später einer Zivilkammer und einer Kammer für Handelssachen. Den Chefsessel des Amtsgerichts bezog der Jurist am 16. Januar 2006. Die Universität Passau zeichnete ihn 2013 mit dem Titel eines Honorarprofessors an der Juristischen Fakultät aus. Der Verfassungsgerichtshofpräsident betonte, Kroiß habe sich »großes Ansehen nach innen und nach außen erworben«, das Amtsgericht »selbstsicher, gewandt und kompetent vertreten«. In der Öffentlichkeit habe Professor Dr. Kroiß starke Akzente gesetzt mit dem in Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur Traunstein entwickelten Programm »Fördern und Fordern statt Freiheitsentzug« zur Arbeitsvermittlung straffälliger Jugendlicher und Heranwachsender, aber auch mit dem elektronischen Handelsregister, mit dem sich das Amtsgericht Traunstein bayernweit »als besonders innovatives Gericht« profiliert habe.

Nach einem Grußwort von Traunsteins Oberbürgermeister Manfred Kösterke, der die enge Verbindung zwischen Stadt und Justiz seit dem Jahr 1245 heraushob, erinnerte Professor Dr. Kroiß an seine erste Zeit als Direktor. Dem Amtsgericht sei »in Zeiten größter Personalnot« von mehreren Seiten geholfen worden. Das Amtsgericht sei inzwischen im Richterbereich »so gut aufgestellt wie noch nie«. Direktor Wilhelm Sing unterstrich, er habe nach fast 22 Jahren im Dienst der Strafverfolgungsbehörde »vertraute Pfade verlassen«. Er freue sich auf die neue Chance: »Die Position bietet die Abwechslung, die ich erstrebe.« »Kommunikation und Kooperation« seien das Fundament für seine kommenden Aufgaben. kd