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Amok-Raser auf der Autobahn

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Traunstein – Für eine gefährliche Amokfahrt ohne Führerschein über die Autobahn 8, die am 15. August 2014 bei Übersee mit einem Unfall des gestohlenen Wagens auf dem Chiemsee-Radrundweg endete, muss ein wohnsitzloser, vielfach und einschlägig vorbestrafter, 43-jähriger Reitstallmitarbeiter vier Jahre hinter Gitter.


Die Sechste Strafkammer am Landgericht Traunstein verurteilte den voll geständigen Angeklagten gestern wegen zahlreicher Straftaten, darunter vorsätzlichen gefährlichem Eingriff in den Straßenverkehr, Fahren ohne Führerschein, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und mehrere Diebstähle. Der 43-Jährige wurde damals sofort festgenommen und saß seither in Untersuchungshaft. Über das Motiv für sein hochgefährliches und rücksichtsloses Verhalten hüllte er sich gestern in dem Prozess in Schweigen.

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Einer Streife der Polizeiinspektion Fahndung Traunstein war am 15. August 2014 gegen 5.15 Uhr morgens ein weißer Audi A3 mit deutscher Zulassung an der Rastanlage Hochfelln-Nord aufgefallen. Beim Überprüfen der Fahrzeugdaten stellte sich heraus: Das 15 000 Euro teure Auto war am 6. August 2014 von einem Reitstall in Gräfenberg bei Bamberg gestohlen worden. Als die Schleierfahnder den Mann am Steuer kontrollieren wollten, gab dieser Gas und flüchtete mit hohem Tempo auf die Autobahn in Richtung München.

Die Einfahrt in die Autobahn hatten zwischenzeitlich zwei Polizeibeamte mit ihrem Streifenfahrzeug und eingeschaltetem Blaulicht blockiert. Der 43-Jährige beschleunigte noch mehr und raste mit mindestens 100 Stundenkilometer auf die Polizeisperre zu. Um einen Crash zu vermeiden, setzte einer der Polizisten den Streifenwagen in letzter Sekunde um einige Meter zurück. Zwei mit circa 80 Stundenkilometern relativ langsam nebeneinander auf den zwei Spuren der Autobahn fahrende Polizeifahrzeuge starteten den zweiten Anhalteversuch in Höhe der Anschlussstelle Grabenstätt. Der Audi-Fahrer raste völlig unbeeindruckt rechts auf dem Pannenstreifen an den Streifenwagen vorbei – mit einer Geschwindigkeit von rund 260 Stundenkilometern. Auch bei diesem riskanten Manöver wurde glücklicherweise niemand verletzt.

Bei 120 km/h verlor der Raser die Kontrolle über sein Auto

Der Wagen verließ die Autobahn schließlich an der nächsten Ausfahrt Übersee-Feldwies und geriet dabei auf den unmittelbar angrenzenden Chiemsee-Rundweg. Dort verlor der 43-Jährige bei Tempo 120 km/h die Herrschaft über sein Fahrzeug und prallte an einen Baum. Von den kurz danach eintreffenden Polizeibesatzungen ließ sich der Leichtverletzte widerstandslos festnehmen.

Wie sich bei den Ermittlungen zeigte, war der 43-Jährige strafrechtlich kein unbeschriebenes Blatt. In dem gestrigen Prozess lagen ihm neben der Amokfahrt am Chiemsee am Himmelfahrtstag mit dem entwendeten Audi A 3 zwei weitere Diebstähle zur Last. Im niedersächsischen Balge hatte er in einem Reiterhof am 22. Juli 2014 aus einem Citroen 700 Euro Bargeld, Führerschein und Personalausweis des Fahrzeugeigners geklaut.

Aus einem Wohnhaus auf dem gleichen Gelände »besorgte« er sich die Fahrzeugschlüssel für einen fremden Ford Fiesta, in dem eine Geldbörse mit 300 Euro lag. Mit dem gestohlenen Wagen machte er sich auf den Weg in Richtung Essen. Eine Polizeikontrolle bedeutete das Ende der Reise. Der Wagen wurde sichergestellt. Dem Angeklagten gelang damals die Flucht. Knapp drei Wochen später stahl der 43-Jährige die Schlüssel für den Audi A 3 aus der Sattelkammer des Reitguts bei Bamberg und machte sich auf den Weg nach Österreich. Die Rückreise auf der A 8 fand dann am Chiemsee ihr Ende.

Der 43-Jährige war erst kurz vor den Taten in Bayern im Sommer 2014 nach über dreijähriger Haft aus dem Gefängnis entlassen worden. Insgesamt hat er bereits etwa 18 Jahre hinter Gittern verbracht. Dieser negative Strafzumessungsgrund wog besonders schwer, wie Vorsitzender Richter Dr. Jürgen im Urteil heraushob. Das Gericht ordnete außerdem eine Sperrfrist für eine künftige Fahrerlaubnis von noch fünf Jahren an. kd