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Amersberger Bahnbrücke eingeweiht

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Pfarrer Horst Kreß segnete die neue Brücke über die Bahnlinie bei Amersberg. (Foto: Mergenthal)

Teisendorf. »Gut Ding braucht lang Weil«: Diese alte Redensart zitierte Bürgermeister Thomas Gasser bei der Einweihung der Eisenbahnbrücke bei Amersberg. Etwa 40 Personen – Anwohner, Gemeinderäte, Vertreter der beteiligten Firmen und der Bahn, Johann Schlaffner vom Teisendorfer Bauamt sowie der Weildorfer Pfarrer Horst Kreß – trafen sich dazu auf der neuen Brücke. Die Vorgeschichte zur Erneuerung des maroden Bauwerks geht 21 Jahre bis ins Jahr 1993 zurück.


Zunächst gab Pfarrer Kreß der Brücke den kirchlichen Segen. Er erinnerte an die vielfältigen Bedeutungen von Brücken als Kulturwert, als Verkehrsweg wie in diesem Fall oder als Sinnbild des Lebens und für zwischenmenschliche Beziehungen. »Lass uns auch inmitten der modernen Technik erkennen, dass du der Schöpfer und Herr des Lebens bist«, formulierte er in den Fürbitten. Auch dafür, dass die Technik zum Wohl der Menschen genutzt wird und dass wir unsere soziale Verantwortung erkennen, beteten die Anwesenden.

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Einen Blick auf die Vorgeschichte warf Bürgermeister Thomas Gasser. Bereits 1993 habe die Bahn eine Planung für den Neubau der Brücke erstellt und mit dem Markt Teisendorf eine Vereinbarung geschlossen. Darin habe sich die Bahn verpflichtet, die Brücke abzubrechen und zu ersetzen. Durch das Eisenbahn-Kreuzungsgesetz ging 1994 die Unterhaltslast der Straßenbrücken an die jeweiligen Straßenbaulastträger über. 1995 schloss die Deutsche Bahn (DB) AG mit dem Markt eine neue Verwaltungsvereinbarung und verpflichtete sich darin, die nicht durch Zuschüsse abgedeckten Kosten an den Markt zu erstatten. Ein Jahr später wurde ein Planungsauftrag für den Neubau vergeben und 1998 der erste Bauentwurf beim Staatlichen Bauamt Traunstein eingereicht.

1999 fand die DB AG Unterlagen aus denen hervorging, dass die Baulast bei der ehemaligen Gemeinde Weildorf liegt. Ein geänderter Bauentwurf mit Kosten von 672 000 Mark wurde im Jahr 2000 beim Straßenbauamt zur Prüfung eingereicht. 2004 schließlich wurde eine Vereinbarung zwischen Gemeinde und DB Netz AG über die Zahlung von 164 000 Euro durch die DB Netz AG für den Rückstand der Unterhaltslast geschlossen. Die Summe wurde im Mai 2004 bezahlt.

2004 wurde die Bahnbrücke laut Gasser als Bestandteil der Gemeindeverbindungsstraße gewidmet. Nach Aufhebung des ersten Ingenieurvertrags wurde 2012 ein Planungsauftrag an das Büro Höllige und Wind aus Anger vergeben und der Bauentwurf vom Staatlichen Bauamt genehmigt. Die Bahn drängte auf zügige Sanierung, da sich an der Unterseite der Brücke bereits Betonteile lösten. Viele Jahre war die Brücke auf fünf Tonnen beschränkt gewesen. Eine Sanierung war nicht mehr möglich.

Am 4. März 2013 beschloss der Marktgemeinderat einstimmig den Abriss mit Neubau, da ein reiner Abriss nicht förderfähig war und der Unterschied zwischen Abbruch und Abbruch mit Neubau nur bei etwa 60 000 Euro lag. »Für diese 60 000 Euro tun wir das unseren Bürgern und Landwirten nicht an, dass eine alteingesessene Verbindung wegfällt«, betonte Gasser. Die Gesamtkosten liegen voraussichtlich bei 850 000 Euro, wovon 400 000 Euro durch Zuschüsse gedeckt sind und 240 000 Euro bahnspezifische Kosten sind.

Ralf Höllige vom beauftragten Ingenieurbüro gab einen Überblick über die Bauarbeiten der Passauer Firma Berger: Der etwa 75 Tonnen schwere Mittelbogen wurde am 16. Oktober in einem Stück per Autokran ausgehoben. Ab November wurde an den neuen Widerlagern gearbeitet. Im April wurden die beiden Fertigteilträger mit einem Gewicht von jeweils 32 Tonnen eingehoben. Im Juni wurde in einer weiteren Sperrpause das Gerüst an der Außenseite der Brücke abgebaut. Die Verkehrsfreigabe folgte am 16. Juni. Die lichte Weite der neuen Brücke beträgt 17 Meter, die Höhe über dem Gleis etwa 5,85 Meter. Die Fahrbahnbreite wurde von 2,90 auf vier Meter erhöht. Verbaut wurden etwa 860 Tonnen Beton und 30 Tonnen Betonstahl.

Bevor symbolisch ein weißblaues Band durchschnitten wurde, würdigte Ludwig Zenz im Namen der Anwohner die neue Brücke: Für die Landwirte sei es ein großer Nutzen, dass sie nun ihre Flächen auf der anderen Seite der Bahn wieder auf kurzem Weg erreichen können. vm