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Am Schulbus nur im Schritttempo vorbei fahren

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Wenn der Schulbus mit Warnblinker die Haltestelle anfährt oder steht, dürfen Fahrzeugführer höchstens im Schritttempo und mit genug Abstand daran vorbei fahren. Das gilt auch für den Gegenverkehr.

Traunstein. Wenn am morgigen Dienstag die Schule wieder beginnt, sind vor allem die Schulanfänger im Straßenverkehr gefährdet. Jedes Jahr wieder mahnen Polizei, RVO, ADAC und ACE alle Beteiligten zu äußerster Vorsicht. Bundesweit verunglückten im Jahr 2012 4541 Menschen bei Unfällen an Haltestellen, zitiert der ACE Angaben des Statistischen Bundesamts. 904 Menschen wurden schwer verletzt, 54 getötet. Allein im Landkreis Traunstein gab es nach Angaben der Polizei Traunstein in den letzten drei Schuljahren 29 Schulwegunfälle. Dabei gab es 28 leicht und sechs 6 schwer verletzte Kinder.


Vier Kinder wurden an Bushaltestellen verletzt

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In vier Fällen verunglückten Kinder zu Fuß an Bushaltestellen. Teils überquerten sie unachtsam die Fahrbahn, in zwei Fällen ließen aber auch die Autofahrer die Sorgfalt beim Vorbeifahren am haltenden Schulbus außer Acht. Bei diesen vier Unfällen kam es glücklicherweise jeweils nur zu leichten Verletzungen.

Zum Thema Schulbus startete der Auto Club Europa (ACE) jetzt eine bundesweite Unfallverhütungskampagne unter dem Motto »Nadelöhr Haltestelle – Brems mit – Fahr Schritt«. Wie Kreisvorsitzender Günter Fix berichtet, haben Mitarbeiter des Clubs Haltestellen in mehr als 200 Städten und Gemeinden inspiziert, darunter auch die Haltestelle in Sparz. Fast 80 Prozent der Verkehrsteilnehmer hielten sich dabei nicht an die Verkehrsregeln.

Grundsätzlich darf laut Straßenverkehrsordnung ein Bus, der mit Warnblinklicht eine Haltestelle anfährt, nicht überholt werden. Wenn der Bus mit Warnblinklicht steht, darf der Autofahrer nur mit Schrittgeschwindigkeit und genug Abstand vorbeifahren. Notfalls muss er anhalten. Das gilt übrigens auch für den Gegenverkehr. Dabei ist Schrittgeschwindigkeit mit vier bis sieben km/h definiert.

Besonders fiel den ACE-Inspektoren auf, dass hauptsächlich der Gegenverkehr sich nicht an die Vorschriften hielt. Allerdings, so Fix, sei es für den Gegenverkehr manchmal schwierig zu erkennen, ob der stehende Bus den Warnblinker eingeschaltet hat, da er vorne nur im unteren Teil Blinker hat, die vom fließenden Verkehr verdeckt werden können. Fix will einen Vorstoß des ACE-Vorstands beim Bundesverkehrsministerium erreichen, um das zu ändern.

Allein der RVO hat an jedem Schultag rund 40 bis 50 Busse im Einsatz, die die Schüler im Landkreis Traunstein befördern, schätzt Marko Weikelt vom RVO. Dabei ist die Verpflichtung der Busfahrer, den Warnblinker einzuschalten, an bestimmte Haltestellen gebunden. Diese legt der Landkreis Traunstein in Absprache mit dem RVO und der Polizei da fest, wo man eine besondere Gefährdung für die ein- und aussteigenden Schüler sieht.

»An Schrittgeschwindigkeit hält sich kaum einer«

Beispiele sind etwa die Haltestellen in Vachendorf in Richtung Traunstein oder auch die Haltestelle in Sparz. »An den anderen Haltestellen kann der Busfahrer den Warnblinker einschalten, wenn er es für erforderlich hält«, so Weikelt.

Allerdings räumt auch Weikelt ein: »An die Schrittgeschwindigkeit hält sich kaum einer, und wenn er das tut, wird er von anderen bedrängt und angehupt. Zur Erinnerung: Schrittgeschwindigkeit bedeutet, das Auto im ersten oder zweiten Gang mit Standgas rollen lassen.«

»Die Regelung ist auch für den Gutwilligen schwer umzusetzen«, sagt dazu Johann Mayer, Sachbearbeiter Verkehr bei der Polizeiinspektion Traunstein. In den ersten Schultagen seien alle Dienststellen angewiesen, mit so vielen Beamten wie möglich an den Schulwegen Präsenz zu zeigen, um vor allem die ABC-Schützen zu unterstützen. Auch werde verstärkt geblitzt. An den Bushaltestellen sei allerdings die technische Überwachung der Schrittgeschwindigkeit nicht zuletzt deshalb schwierig, weil die Busse ja meist nur ein, zwei Minuten hielten, zur Einrichtung der Messstelle aber ein erheblicher Aufwand erforderlich sei.

Das ist allerdings kein Freibrief für diejenigen, die glauben, sich ungestraft über alle Regeln hinweg setzen zu können: »Unsere Beamten dürfen an Bushaltestellen Geschwindigkeitsübertretungen auch schätzen. Wenn jetzt einer neun statt vier km/h fährt, wird das kaum einer ahnden, aber bei deutlichen Überschreitungen müssen Autofahrer trotzdem mit Verwarnungen und Anzeigen rechnen, erst Recht natürlich bei Nötigung wie Drängen oder Hupen.«

Zur Erinnerung: Die Regelung dient der Sicherheit der jüngsten Verkehrsteilnehmer, und die sind auf die Vernunft der Autofahrer dringend angewiesen. coho