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Keine Freilandeier mehr – Nicht nur Umsatzeinbußen für Geflügelhalter, sondern auch mehr Arbeit

»Am schlimmsten sind die finanziellen Ausfälle«

Ab Montag gibt es keine Freilandeier mehr, dann läuft die Zwölf-Wochen-Frist aus.

Freilandeier sind von Montag an erst mal passé. Dann endet die Zwölf-Wochen-Frist, in der Erzeuger die Eier noch als Freilandeier verkaufen konnten, obwohl die Hennen aufgrund der Stallpflicht nicht mehr ins Freie durften. Für Matthias Brandstätter vom gleichnamigen Hof in Langmoos und Wolfgang Hennes vom Langenspacher Hof in Grabenstätt bedeutet das – wie für alle Geflügelhalter, die Freilandeier verkaufen – Umsatzeinbußen und mehr Arbeit. Sie sind aber trotzdem der Meinung, dass die Stallpflicht sinnvoll ist, »denn es gibt ja immer wieder neue Fälle«, wie Matthias Brandstätter im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt sagte.


12 000 Schachteln müssen umetikettiert werden

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Wolfgang Hennes (26) hat natürlich damit gerechnet, dass die Frist für Freilandeier auslaufen wird. »In Bayern gab es ja keinen anderen Plan, das ist schade.« Das Umetikettieren der Schachteln von Freiland- auf Bodenhaltungseier sei für seinen Betrieb mit viel Aufwand verbunden. »Das sind 12 000 Schachteln in der Woche, die wir machen müssen.«

Dieses Problem hat Matthias Brandstätter (33) nicht. »Wir haben Universalschachteln.« Trotzdem bedeute es mehr Arbeit für den Betrieb, »denn wir müssen das Ganze ja unseren Kunden erklären«. Doch am schlimmsten seien natürlich die finanziellen Ausfälle. Wie hoch diese seien, »hängt davon ab, wie lange die Stallpflicht gilt«, betonte der Tierwirtschaftsmeister für Geflügelhaltung. Der Unterschied zwischen einem Ei aus Bodenhaltung und einem Ei aus Freilandhaltung beträgt bei ihm einen Cent pro Ei. »Das klingt jetzt nicht viel, aber es summiert sich«, so Matthias Brandstätter. Trotzdem hält er nichts von der Regelung, die in Baden-Württemberg gemacht wurde: Dort wurde die Stallpflicht für einen Tag ausgesetzt und danach galt erneut die Zwölf-Wochen-Frist. »Das ist nicht richtig, da wird der Verbraucher getäuscht«, findet der Geflügelhalter. Er könnte sich vorstellen – sollte die Stallpflicht noch länger gelten – dass die Regierung mit Zuschüssen die Betriebe unterstützt, »so wie sie das auch bei den Milchbauern macht«.

Das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz teilte gestern mit, dass die für ganz Bayern geltende allgemeine Stallpflicht für Haus- und Nutzgeflügel weiterhin unbedingt erforderlich sei. Deutschlandweit seien es bereits über 50 Nutzgeflügelbestände, in denen die Vogelgrippe ausgebrochen sei. Bislang hätten hier rund 500 000 Tiere getötet werden müssen.

»Es mussten noch keine Tiere getötet werden«

Im Landkreis Traunstein kam es bislang zu keiner Erkrankung in einem Hausgeflügelbestand, wie das Landratsamt mitteilte. Der letzte infizierte Vogel – ein toter Schwan – wurde am 30. Dezember am Chiemsee gefunden. »Es mussten auch noch keine Tiere getötet werden«, betonte Dr. Stephan Wittmann vom Traunsteiner Veterinäramt. »Das oberste Ziel der Maßnahmen muss nach wie vor sein, ein Überspringen auf Haus- und Nutzgeflügel bereits im Vorfeld wirksam zu verhindern.«

Die weiterhin geltende Stallpflicht bedeute, dass das Geflügel in geschlossenen Ställen oder unter einem Dach gehalten werden müsse. Zudem müsste ein Eindringen von Wildvögeln unbedingt verhindert werden, so Dr. Stephan Wittmann. »Bei einer tatsächlichen Infektion mit dem Vogelgrippevirus kommt es sehr schnell zu einer drastischen Verminderung der Legeleistung sowie zu vielen Todesfällen innerhalb der Geflügelherden«, weiß Dr. Wittmann. In einem solchen Fall dürften keine Eier oder sonstige Lebensmittel an die Verbraucher weitergegeben werden. KR