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Am »Outdoor-Erlebnispark« scheiden sich die Geister

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Auf diesem Areal unmittelbar neben der Autobahnausfahrt Neukirchen soll der »Outdoor-Erlebnispark« entstehen. Robert Mayr befürchtet durch das Projekt massive negative Auswirkungen auf seinen Heimatort Neukirchen.

Teisendorf. Am »Outdoor-Erlebnispark«, der südlich der Autobahnausfahrt Neukirchen entstehen soll, scheiden sich die Geister. Ursprünglich unter dem Namen Aventura geplant, sorgte das Vorhaben schon mehrfach für Schlagzeilen. Kommunalpolitiker, Einzelhändler und Betreiber von Fachgeschäften in den umliegenden Orten befürchten, dass ihre Umsätze sinken, wenn das Projekt verwirklicht wird. Im Teisendorfer Rathaus sieht man das ganz anders: Sowohl der abgewählte Bürgermeister Franz Schießl als auch dessen Amtsnachfolger Thomas Gasser befürworten den »Outdoor-Erlebnispark« ausdrücklich und erhoffen sich durch ihn neue Arbeitsplätze in der Gemeinde.


Aber es gibt auch Gegner in Teisendorf. Die Grünen lehnen das Vorhaben ab und auch viele Bürger stehen ihm mehr als skeptisch gegenüber. Einer von ihnen ist der gebürtige Neukirchener Robert Mayr. Der Diplom-Volkswirt steht mit an der Spitze der Firma Stihl, die weltweit fast 14 000 Mitarbeiter beschäftigt und weltweiter Marktführer bei Motorkettensägen ist.

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Aus Liebe zu seiner alten Heimat hat Mayr, der vorwiegend in Remseck unweit des Firmensitzes in Waiblingen lebt, den Gasthof zur Post in Neukirchen erworben und baut ihn gerade zu einem schmucken Anwesen mit 27 Hotelbetten aus. Deutlich mehr als 2 Millionen Euro steckte er bereits in das Projekt, ohne große Gewinnerwartungen zu haben. »Dafür entsteht aber etwas, das meinem Heimatdorf gut zu Gesicht steht und das Dorfleben bereichert«, freut sich Mayr.

Von dem geplanten »Outdoor-Erlebnispark« an der Autobahn erwartet sich Mayr negative Auswirkungen auf ganz Neukirchen. Ebenso wie viele andere Kritiker bemängelt er, dass die Projektentwickler nicht einmal ansatzweise sagen können, welches Konzept hinter ihrem Vorhaben steckt. Mayr hatte von Anfang an offen den Verdacht ausgesprochen, dass es den Investoren nur um die Genehmigung für ein Hotel mit Gastronomiebereich geht.

Vor rund eineinhalb Jahren vom Teisendorfer Gemeinderat genehmigt, sei noch immer kein klares Konzept ersichtlich, kritisierte Mayr in einem Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. Auch wisse niemand genau, wer eigentlich die Investoren sind: der Freilassinger Unternehmer Max Aicher?, die Unterberger Immobilien GmbH?, oder vielleicht jemand anderes?...

Kurz vor Ende seiner Amtszeit als Teisendorfer Bürgermeister befragten wir Franz Schießl, ob er das Projekt so bedingungslos befürwortet hätte, wenn er gewusst hätte, dass ihn die Bürger abwählen. Im Wahlkampf hatte Schießl unter anderem erklärt, er stehe dem Projekt sehr positiv gegenüber und sehe es als Chance für zusätzliche Arbeitsplatzangebote. Im Gespräch mit unserer Zeitung betonte er jetzt, das Argument Landschaftsverbrauch und Verschandelung der Landschaft dürfe keines sein, mit dem man in Zukunft alles verhindere. »Wenn man versucht, alles abzuwürgen, bleiben wir, wo wir sind und andere kommen vorwärts«, zeigte sich Schießl überzeugt.

Zur strikten Ablehnung des Vorhabens durch Robert Mayr meinte Schießl, nach dem hervorragenden Ausbau würde der Gasthof Post in Neukirchen von dem Großprojekt an der Autobahn profitieren.

Im Wahlkampf hatte auch der neue Teisendorfer Bürgermeister Thomas Gasser keinen Zweifel daran gelassen, dass er in dieser Angelegenheit den Kurs seines Amtsvorgängers beibehalten wolle. Die Gemeinde habe alle Möglichkeiten der Mitsprache, was in dem »Outdoor-Erlebnispark« alles umgesetzt werden kann. Im Mittelpunkt stehe der Reisende, der sonst bei uns keinen Stopp einlegen würde, hatte Gasser im Wahlkampf betont. Und ganz pragmatisch: »Sollte ein 'Outdoor-Erlebnispark' nicht zu realisieren sein, will ich mich für Gewerbeflächen an dieser Stelle einsetzen.«

Das wäre immer noch besser als das Szenario, das Holger Seidl an die Wand malt. Er ist mit der Firmengruppe Max Aicher Projektentwickler für den »Outdoor-Erlebnispark«. »Ein Autohof würde hier schon lange stehen. Aber wir wollen etwas Hochwertiges«, sagte Seidl in einem Gespräch in der Lokalredaktion. Zur Kritik am Standort sagt er: »Wo soll so etwas entstehen, wenn nicht an Straßen?« Er ist überzeugt, dass es viele Betriebe in der Region gibt, die sich hier präsentieren wollen. Zielgruppe seien ausschließlich die Kunden von der Autobahn. Die Kritik aus den Nachbargemeinden kontert Seidl mit dem Hinweis, dass die Traunsteiner »alles auf der grünen Wiese bauen, sich aber bei den Nachbarn beschweren«.

Robert Mayr und sein Hotel zur Post »werden mit Sicherheit vom 'Outdoor-Erlebnispark' profitieren«, ist Seidl überzeugt. Mayr sieht das anders: »Unsere Heimat wird durch so ein Projekt verschandelt und entwertet.« -K.O.-