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Am Montag beginnen die Arbeiten für das Almdorf

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So soll das geplante Almdorf inmitten der Inzeller Landschaft aussehen. (Fotomontage: Zuchna)

Inzell – Nun wird es Wirklichkeit, das geplante Almdorf in Inzell: Ab Montag rücken die Bagger zu den Aushubarbeiten für die Tiefgarage an. Der Gemeinderat nahm nun die letzten Hürden und fasste in seiner jüngsten Sitzung einstimmig den Satzungsbeschluss. Sepp Hohlweger aus Ruhpolding wird die Anlage errichten und ab November 2016 auch selbst betreiben. Er geht davon aus, dass sich das »Chalet-Resort« in Inzell zu einem Leuchtturmprojekt für den Tourismus in Oberbayern entwickelt.


Bereits 2009 und 2010 hatten andere Firmen ein Feriendorf beziehungsweise ein Almdorf geplant, doch die früheren Planungen wurden nicht verwirklicht; die erste Planung war sogar per Bürgerentscheid abgelehnt worden. Nun sollen auf der 14 000 Quadratmeter großen Fläche zwischen Campingplatz und Kreuzfeldstraße 18 Chalets mit insgesamt 82 Betten errichtet werden.

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In der Sitzung erläuterte Belinda Reiser von der Firma »AGL–Arbeitsgruppe für Landnutzungsplanung« in Etting bei Weilheim, die den Bebauungsplan erstellte, das Ergebnis der letzten öffentlichen Auslegung. Von den Bürgern gingen keine Einwände oder Stellungnahmen ein.

Kleine Änderungen, die jedoch die Grundzüge der Planung nicht berührten, ergaben sich durch die Detailplanung des Reit im Winkler Planungsbüros Schroll. Der Bauraum für die Tiefgarage wurde nach allen Seiten um 0,5 Meter von bisher 725 auf nunmehr 758 Quadratmeter erweitert, um Lagermöglichkeiten und Stellplatzbreite leicht zu vergrößern. Ebenso wurden die Baufenster für das Haupthaus, das Platz für einen kleinen Balkon-Anbau mit Quergiebel bieten soll, und für ein Chalet erweitert. Die zulässige Grundflächen- und Geschoßflächenzahl kann trotzdem eingehalten werden. Bis auf das Hauptgebäude bleiben Dacheinschnitte, Gauben und Quergiebel unzulässig.

Ausgleichsfläche ist südlich von Ruhpolding

In einem Abstimmungsgespräch sei dem Wasserwirtschaftsamt das Entwässerungskonzept dargelegt und erklärt worden, dass das Bodengutachten eine ausreichende Versickerungsfähigkeit des Bodens bestätigt. Negative Auswirkungen für Unterlieger oder auch für das Gebiet nach Starkregen könnten vollständig vermieden werden. Dabei spiele auch eine Rolle, dass das Einzugsgebiet für das abfließende Hangwasser nicht so groß ist.

Auch die Untere Naturschutzbehörde hatte keine grundsätzlichen Bedenken. Kleine Anregungen, etwa, bei der Gehölz- und Baumpflanzung vier Meter Abstand zu landwirtschaftlichen Flächen einzuhalten, wurden aufgenommen. Die Ausgleichsfläche südlich von Ruhpolding, eine Obstwiese mit 35 Bäumen am Ferienhof »Am Waicher« im Besitz von Sepp Hohlweger, wurde bereits notariell gesichert. Auf die Rückfrage von Annelie Gromoll (FW-OBIC), der eine Ausgleichsfläche an einem anderen Ort »nicht logisch« erschien, erklärte Reiser, wichtig sei allein, dass sich der Naturraum von Ausgleichs- und Eingriffsfläche ähnelten, was hier der Fall sei.

Der Bund Naturschutz (BN) hatte Bedenken wegen des Flächenverbrauchs und des Artenschutzes und verlangte eine »Spezielle artenschutzrechtliche Prüfung«. Aufgrund der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung der Fläche sind aber laut Reiser allenfalls Jagdgebiete von Fledermäusen und Vögel betroffen, die ausreichend Ausweichmöglichkeiten im Umkreis hätten.

Tiefgarage wird unter Haupthaus gebaut

Zu den BN-Bedenken wegen der Störung des Landschaftsbilds erklärte das Büro AGL, im Vergleich zum vorangegangenen Entwurf werde die Tiefgarage nicht in den Hang, sondern unter dem Haupthaus gebaut. Dadurch könnten die Gebäude besser in den Hang integriert werden, und der oberirdische Flächenverbrauch werde reduziert. Einstimmig fassten die Gemeinderäte den Satzungsbeschluss. Die geringfügigen Änderungen werden noch eingearbeitet.

Auf Bitte von Annette Schneider (CSU) erläuterten Hohlweger und Planer Michael Schroll den weiteren Zeitplan. Baubeginn ist bereits nächste Woche und die Eröffnung ist für Ende Oktober 2016 geplant. Durch das Almdorf führt ein kleiner Dorfweg ohne Autoverkehr. Mit einem Elektrowagerl werden die Koffer zu den Häusern gefahren. Fünf verschiedene Gebäudetypen sollen laut Schroll den Gesamteindruck eines organisch gewachsenen Dorfs erzeugen. Das Verwaltungsgebäude mit Tennenauffahrt zum Saal wird einem Bauerngehöft nachgebaut. Es gebe bereits viele Anfragen von Firmen, die das ganze Dorf für Tagungen mieten wollen, unter anderem von der Autoindustrie. »Es gibt viele Almdörfer, aber keines mit Veranstaltungssaal«, erläuterte der Planer. vm

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