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Scharfzüngig, aber nie verletzend: Starkbierfest mit Bruder Thomas in Traunreut

Am meisten bekam die CSU ab

Traunreut. Als Fastenprediger hat Bruder Thomas, alias Monsignore Thomas Schlichting, beim CSU-Starkbierfest im k1 mit seinen geschliffenen Anzüglichkeiten und feinen Spitzen wieder Klasse bewiesen. Schlichting verstand es erneut, bei aller Scharfzüngigkeit nie ins Verletzende abzutriften. Eine große Gabe des »kleinen« Kirchenmannes aus München! Die Besucher und die »Derbleckten« amüsierten sich köstlich. Der Prediger wurde wieder wie ein Held gefeiert. Für die musikalische Unterhaltung sorgte die Blaskapelle Traunwalchen.

Der ehemalige Traunreuter Stadtpfarrer und jetzige Leiter des Ressorts »Seelsorge und kirchliches Leben« im Ordinariat München, Thomas Schlichting, hielt als Bruder Thomas beim CSU-Starkbierfest in Traunreut wieder eine höchst unterhaltsame und umjubelte Fastenpredigt. (Foto: Rasch)

Ob ihm seine Eingebungen von »ganz oben« oder von anderer Seite zugeflüstert worden sind, entzieht sich unserer Kenntnis. Jedenfalls war er auch nach dreijähriger »Traunreut-Abstinenz« noch immer bestens über das Stadtgeschehen informiert. Einen galanten Seitenhieb auf die gastronomischen Gepflogenheiten landete er noch bevor er mit seiner Rede loslegte. »Ich wollt mir grad ein Bier bestellen und …. »ich zahl´s auch gleich«, fügte er augenzwinkernd an, als ihm Josef Schumacher vom Hofbräuhaus eine Maß des edlen Gebräus auf die Bühne brachte. Damit spielte er auf die k1-Gastronomie an, die nach jedem einzelnen Getränk abkassierte. Beim Schwarz-Weiß-Ball sollen sogar manche mit dem Geldbeutel in der Hand getanzt haben, weil es sich nicht gelohnt habe, ihn in die Tasche zu stecken. Mit diesem Seitenhieb sprach er auch vielen Gästen aus der Seele.

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Bürgermeister weiht gerne ein

Der Predigt von Bruder Thomas tat der gastronomische »Fauxpas« aber keinen Abbruch. Dass ihn die CSU so unmittelbar vor der Wahl eingeladen habe, könnte ein Risiko sein. »Ich sag´s lieber gleich: Prozentual kriegt die CSU mindestens so viel ab, wie in ihren besten Zeiten, 60 Prozent plus X.« Über die anderen Bewerber um das wichtigste Amt habe er bei seinen Fernrecherchen nicht so viel herausfinden können. Kein Wunder, die müssen im Vergleich zum amtierenden CSU-Stadtoberhaupt ja auch was Vernünftiges arbeiten. Bürgermeister Franz Parzinger sehe man indes in dieser heißen Phase seines Wahlkampfes, also seit zwei Jahren, fast jeden zweiten Tag, wie er was einweiht. »Machen Sie ruhig weiter in der Richtung, das bringt Schlagzeilen.« Als Anregung gab er dem Stadtoberhaupt mit auf den Weg, mit dem Spatz, der in Traunreut schon lange nicht mehr produziert wird, an der legendären Traunreut-Rundfahrt teilzunehmen, die es nie gegeben habe, um anschließend noch zwei Traunreutern zu gratulieren, die in Sotschi »keine Goldmedaille gewonnen haben, weil sie nicht dort waren und überdies keinen Wintersport machen.« Zum Abschluss des Tages könnte er noch zusammen mit dem k1-Manager Thomas Kazianka die nicht vorhandene Seebühne nebst Seepromenade am Traunreuter See einweihen, einen Gletschersee bei St. Georgen, der vor 15 000 Jahren ausgetrocknet ist.

Ramsauers Mautpläne

Dass Peter Ramsauer nicht mehr Verkehrsminister ist, bedauerte Bruder Thomas zutiefst. Er habe ihm ja zugeschaut, wie er aus dem schönen Ministerium ausziehen hat müssen. Ein trauriger Anblick, eleganter Anzug, ein trauriges G´schau, nur ein paar Stapel weißes Papier unterm Arm in Form seiner Erfolgsbilanz, die er mitnehmen hat dürfen. Für den Minister a. D. wäre es aber eine Vergeudung seines Talents, wenn er verkehrstechnisch gar nix mehr machen tät. Eine kleine Frucht aus den ersten Mautplänen müsste doch auch für seine Heimatstadt Traunreut rausspringen. Man sollte es ausnutzen, die vielen Hundertausend Mautflüchtlinge aus Österreich und den anderen Balkanstaaten über den Ettendorfer Tunnel auf der B 304 durch das Traunreuter Stadtgebiet zu lotsen. Hier könnte der Ramsauer-Peter den Parzinger-Franz tatkräftig unterstützen, denn dann brauche Traunreut eine komplett neue Infrastruktur. Das gesamte Gewerbe müsste an die B 304 umziehen, was nix ausmachen würde, weil die Traunpassage eh marode und der Petrapark baufällig sei. Heidenhain könne endlich seine Träume wahr machen und sich das gesamte jetzige Stadtzentrum einverleiben.

Alles nur Vorteile: Die Ampellösung in St. Georgen würde man viel eher kriegen und das Mega-Gewerbegebiet müsste man nur noch garnieren mit ein paar in die blühende Landschaft ausgelagerten preiswerten Markenartikel an Endverbraucher-Abgabestellen und zwei Tankstellen, an denen auch man nachts noch tanken kann, sprich Outlet-Stores. Wenn das historische Stadtzentrum dann in Pertenstein und Umgebung gebaut werden würde – neues Leben in alten Gemäuern – würde an dem neu entstandenen Traunrast kein Holländer vorbeifahren ohne die eingesparte Maut zur Beflüglung der einheimischen Wirtschaft gewinnbringend anzubringen.

Mit dem Plan, die Munastraße zur Flaniermeile zu entwickeln, würde es dann aber nix. Die könnte man dann allenfalls noch als Startrampe für den Gaudiwurm hernehmen, weil sie ja auch nirgendwo hinführe. Durch den neuen Traunrast bliebe auch der Dorfcharakter von Traunwalchen erhalten, auch für das Feuerwehrhaus würde sich bei den ohnehin aufwändigen Bauarbeiten ein geeigneter Standort finden, und eine kleine »Ritter-Optik« -Filiale im neuen Gewerbegebiet könnte den Durchreisenden Designersonnenbrillen feilbieten. Statt der Flaniermeile Munastraße könnte man den nicht von Heidenhain benötigten Teil des jetzigen Stadtzentrums wieder aufforsten. Für solche Pläne könnte Martin Czepan sogar den Danner-Hans gewinnen, der durchaus für Naturverbundenheit stehe.

Ausflug in die große Politik

Gelegentlich unternahm Bruder Thomas auch Exkursionen in die überregionale Politik. So hätten anfangs des Jahres die von der CSU geschürten Ängste angesichts der geöffneten Grenzen im Osten für Schlagzeilen gesorgt. Das Motto: Wer betrügt, der fliegt, habe sich indes als Bumerang erwiesen. Denn getroffen habe es die CSU, denke man nur an den kleinen Doktor, und selbst wenn die SPD Mist baue, treffe es am Ende den CSU-Minister. »Blöd gelaufen, nix gelernt vom Großen Franz Joseph, der einst ein klügeres Motto hatte: Nur wer gut betrügt, kann sich das Fliegen leisten.« Aber im Ernst: In Anbetracht der politischen Lage in Europa wundere es ihn, dass der Traunreuter Stadtrat so ruhig dasitze. »Ich mein, wenn der Putin jetzt wirklich überall dort einmarschiert, wo es russische Minderheiten zu schützen gilt …«

Auch die Kirche kam dran

Bei seinen Seitenhieben auf die neuen Regierenden im Lande erinnerte Bruder Thomas auch daran, dass auch die Kirche eine neue Regierung habe. »Es ist keine Frau, sondern ein Jesuit. Und was für einer.« Er habe uns auch gleich kräftig eingeheizt mit seinen revolutionären Aussagen zum die Welt regierenden Geld. »Mich als armen Klosterbruder trifft's ja nicht so, aber unseren Ordensboss ist da schon der Porscheschlüssel ins Champagnerglas gefallen, also symbolisch mein ich halt.« Und mancher Bischof habe ganz neu die alte Glaubensweisheit entdeckt, dass das Seelenheil der Gläubigen nicht proportional zur Größe seiner Badewanne sei.

Angesichts der Ernüchterung, dass bei der Aufführung des Musicals Phantom der Oper im k1 nicht die weltberühmte Fassung von Andrew Lloyd Webber geboten wurde, sondern eine Version zweier Berliner Künstler, die erst noch bekannt werden wollen und damit in Traunreut angefangen hätten, sollten die Traunreuter bei der Wahl am kommenden Sonntag genau lesen, wo das Kreuz hinkommt. »Damit nicht das falsche Phantom in den Stadtrat kommt…« Er hoffe, so der Fastenprediger abschließend, für die kommende Wahl alle nötigen Warnungen ausgesprochen zu haben und er sie mit seiner Rede so wahrhaftig unterhalten zu haben, dass niemand glaube, dass ein falscher Bruder Thomas gepredigt habe. ga