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Am Kirchstätter Kircherl muss das Dach erneuert werden

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Auch wenn es nicht so aussieht: Am Dach des Kirchstätter Kircherls hat der Zahn der Zeit genagt. Das Dach muss neu eingedeckt werden. Nachdem aber nicht vor drei Jahren mit einer Finanzspritze von der Erzdiözese zu rechnen ist, muss die Sanierung aufgeschoben werden. (Foto: Rasch)

Traunreut – Das Kirchstätter Kircherl liegt nicht nur idyllisch inmitten einer Waldlichtung – das Kleinod, das der heiligen Maria Magdalena geweiht ist, ist auch von kirchenhistorischer Bedeutung.


Erste schriftliche Zeugnisse deuten darauf hin, dass bereits Mitte des 12. Jahrhunderts in dem Weiler eine Kirche gestanden haben muss. Die bescheidene Kirche, wie sie heute dasteht, wurde vor 180 Jahren erbaut und gehört zur Pfarrei Traunwalchen. An dem Baudenkmal wurde in Eigenregie vor 34 Jahren das Dach mit Holzschindeln neu eingedeckt. Jetzt hat das Kleinod erneut Risse bekommen: Das Dach muss wieder erneuert werden. Die geschätzten Kosten belaufen sich auf rund 200 000 Euro. Bis zu 85 Prozent davon könnten vom Erzbischöflichen Ordinariat übernommen werden. Den Rest müsste die Pfarrei selber und mit Spenden stemmen.

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Ein Sanierungsantrag wurde im Ordinariat bereits eingereicht. Selbst wenn der Antrag genehmigt werde, sei mit der Bereitstellung eines Zuschusses aber nicht vor drei Jahren zu rechnen, sagte Josef Kleinschwärzer von der Traunwalchner Kirchenverwaltung dem Traunsteiner Tagblatt. Als Grund gibt Kleinschwärzer an, dass es in den Pfarreien der Erzdiözese offenbar mehrere Baustellen gebe. Die Pfarrei muss sich deshalb etwas gedulden, bis das Geld bereit gestellt wird. Bis dahin kümmert sich Kleinschwärzer, seines Zeichens auch Mesner von Kirchstätt, darum, die Schäden in Grenzen zu halten.

»Die Holzschindeln sind ziemlich morsch und rissig. Ich bessere immer wieder ein paar Löcher aus«, erklärt der Handwerker und fügt an, dass es auch im Inneren der Kirche immer wieder kleinere »Baustellen« gebe. Sollte sich der Zustand des Daches kurzfristig wesentlich verschlechtern, hofft Kleinschwärzer, dass der Zuschuss dann auch zeitnah genehmigt werde. Das Dach soll wieder mit Holzschindeln eingedeckt werden.

Der gelernte Schreiner kümmert sich mit seiner Familie um das Kircherl, als wäre es sein eigenes. Der 47-Jährige hat diese Aufgabe von seiner, vor acht Jahren verstorbenen, Mutter Resi übernommen. Er sorgt nicht nur dafür, dass die Kirche stets blitzblank geputzt ist, sondern kommt auch einer langen kirchlichen Tradition nach. »Wenn in den umliegenden Ortschaften Niedling, Hurt, Frauenhurt, Zweckham, Schlichtersberg oder Heiming jemand stirbt, halte ich für den Verstorbenen einen Rosenkranz.«

Bei christlichen Festen, wie dem Kirchenpatrozinium und dem Rorate-Amt (Engelamt), werden dann auch manuell per Seil die beiden Glocken geläutet. Als seine Mutter noch gelebt hat, wurden auch jeden Mittag um 12 Uhr die Glocken geläutet. Seine Mutter habe das Mittagsläuten nie vergessen. Tradition in Kirchstätt haben auch die Maiandachten und die Bittgänge von Traunwalchen nach Kirchstätt sowie die Adventssingen. »Ab und zu findet auch eine Taufe statt«, ergänzt Kleinschwärzer.

Reliquien in Weiheurkunde erwähnt

Der Traunwalchner Heimatpfleger Johannes Danner hat die geschichtliche Entwicklung der Kirche in einer Veröffentlichung sehr fundiert dargelegt. Daraus geht hervor, dass es sich bei der Kirchstätter Kirche um ein herausragendes Baudenkmal handelt. In den Quellen tauchen Zeitzeugen auf, deren Namen darauf schließen lassen, dass um die Mitte des 12. Jahrhunderts in Kirchstätt schon eine Kirche gestanden haben muss.

Die Kirche scheint laut einer Urkunde im 14. Jahrhundert neu erbaut worden zu sein. Eine Beschreibung dieser Kirche ist jedoch nicht überliefert. Dennoch dürfte die Kirche aber nicht unbedeutend gewesen zu sein. In einer Weiheurkunde ist wiederum überliefert, dass in ihrem Hochaltar unter anderem Reliquien der Apostel Petrus und Paulus, Andreas, Simon und Judas, der heiligen Bekenner Martinus und Rupertus sowie der Patronin der Kirche, der heiligen Maria Magdalena, enthalten waren.

Entscheidende Änderungen im kirchlichen Leben brachte das 19. Jahrhundert mit sich. Durch die Säkularisierung wurde auch die Kirche in Kirchstätt als unnütz angesehen. Da die gerade neu eingerichtete Pfarrei Traunwalchen für den Pfarrer eine Wohnung benötigte, wurde die Kirche abgerissen und das Baumaterial für den Pfarrhofneubau verwendet. Wie aus einem Schreiben des Archidiakonats Baumburg an das Pfarramt Traunstein hervorgeht, wurde die Kirche 1808 entweiht und im selben Jahr noch wurde sie abgetragen. In den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts hatten sich dann einige Bauern dazu entschlossen, an der angestammten Stelle wieder eine Kirche zu bauen.

Altar mit alten Schnitzereien bereichert

1834 wurde der Neubau von dem damaligen Dekan von Haslach, Michael Gall, geweiht. Seither haben die Menschen in seiner Umgebung immer eine enge Beziehung zu dem Kirchlein gepflegt und tun es auch heute noch. Es wurde Ziel zahlreicher Bittgänge. Prozessionsstangen, die heute noch in der Kirche aufgestellt sind, zeugen davon. 1950 wurde die Kirche grundlegend saniert.

Den vorher in den Grundformen eher klassisch anmutenden Altar bereicherte man mit alten Schnitzereien, die auf dem Dachboden der Pfarrkirche Traunwalchen gefunden wurden. Die zwei Figuren links und rechts des Altars versetzte man an die Seitenwände und zwei wertvolle, gotische Bischöfe wurden am Altar platziert. Der Altar erhielt ein wertvolles Magdalenenbild mit einem, ebenfalls auf dem Dachboden der Pfarrkirche gefundenen, geschnitzten Rahmen. Josef Kleinschwärzer hütet den kostbaren Schatz wie seinen Augapfel. »Ich habe als einziger einen Schlüssel.« ga