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Alte Tradition des Totenläutens aufrechterhalten

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In diesem Turm im Schlosshof von Stein hängt die Glocke, die beim Tod eines Bürgers geläutet wird. (Foto: Mix)

Traunreut – In Stein gibt es einen alten Brauch, der vielen Bewohnern gar nicht mehr bekannt ist. Immer, wenn jemand aus dem Ort stirbt, wird die Totenglocke im Glockenturm am Schloss geläutet. Dafür zuständig ist seit Jahrzehnten Elfriede Schuhbeck, die diese ehrenamtliche Aufgabe von ihrer Schwiegermutter übernommen hat.


Für Elfriede Schuhbeck gehört das Läuten der Totenglocke in Stein schon immer dazu, sie kennt den Brauch von jeher. Ihre Schwiegermutter Katharina Schuhbeck war bereits in den 1950er Jahren als Mesnerin für die Schlosskapelle in Stein zuständig und musste somit auch immer zur Messe die Glocken läuten. Als »Lohn« für ihre Tätigkeit bekam sie damals von der im Schloss betriebenen Landwirtschaft einen Liter Milch am Tag, wie ihre Schwiegertochter aus Erzählungen weiß.

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Wann genau sie deren Aufgaben dann übernommen hat, weiß Elfriede Schuhbeck nicht mehr, es dürfte wohl Anfang der 1970er Jahre gewesen sein. Als die Oma, wie sie die Mutter ihres Mannes liebevoll nennt, aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr konnte, kümmerte sie sich darum, dass das Messgewand für den Pfarrer gerichtet war, die Kerzen angezündet wurden, die Schlosskapelle für die Messe aufgesperrt und auch die Totenglocke geläutet wurde. »Wenn ich erfahre, dass jemand gestorben ist, gehe ich rüber und läute, das war schon immer so und ist noch heute so«, erzählt die Steinerin. Inzwischen wissen jedoch viele Bürger gar nichts mehr von dem alten Brauch. Unter der Telefonnummer 08621/28 36 ist Elfriede Schuhbeck zu erreichen, und wenn sie daheim ist, macht sie sich sogleich nach der Benachrichtigung auf den Weg. Ihr Dienst kostet nichts und wird ehrenamtlich durchgeführt.

Ihr verstorbener Mann Konrad half Elfriede Schuhbeck früher von Zeit zu Zeit dabei, die Glocke zu läuten. Sie erinnert sich, dass einmal beim Georgiritt, der immer pünktlich mit dem Läuten um 14 Uhr startet, der Strick an der Glocke gerissen ist. Ihr Gatte stieg damals auf die Balken im Glockenturm und läutete sie von Hand, um das wichtige Signal zu geben. Der damalige Brauereichef, Dr. Michael Elsen, versprach daraufhin, eine elektrische Anlage zum Läuten einrichten zu lassen, unter der Bedingung, dass das Läuten der Totenglocke weitergeführt würde. Das Ehepaar versprach dies und so braucht Elfriede Schuhbeck heute nur noch auf einen Knopf drücken.

Im Falle des Todes eines Mitbürgers betet sie dann immer drei Vaterunser für den Verstorbenen und so lange lässt sie es läuten. Beim Rückweg zu ihrem Haus werde sie dann oft schon gefragt, für wen es denn war. Nur beim Tod ihres eigenen Mannes war sie dazu nicht in der Lage. Sie schickte ihre Söhne vor zum Schloss, um die Aufgabe zu übernehmen und die Steiner über dessen Tod zu informieren.

»So lange ich es kann und gesundheitlich dazu in der Lage bin, mache ich noch weiter«, erklärt die 77-Jährige und hofft, dass sich auch danach jemand findet, der diese Aufgabe übernimmt. mix