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Alte Kapelle neu geweiht

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Die Marienkapelle an der Burgstraße aus dem 17. Jahrhundert wurde renoviert und bei einer Maiandacht geweiht. (Foto: Giesen)

Marquartstein – Über zwei Jahre lang wurde die gemeindeeigene Kapelle an der Burgstraße in Marquartstein renoviert. Bei einer Maiandacht weihte Diakon Johannes Notter die kleine Marienkapelle, die nun wieder in neuem Glanz erstrahlt.


Bürgermeister Andreas Scheck ging anfangs auf die Geschichte der kleinen Kapelle ein, über deren Anfänge es keine genauen Angaben gibt. Sicher ist, dass sie schon im 17. Jahrhundert existierte, da sie auf einem alten Stich des bayerischen Hofkupferstechers Michael Wening von 1701 bereits zu sehen ist. Im Volksmund wird sie auch »Schneiderkapelle« genannt, da sie vor dem sogenannten Rauchstuber-Anwesen an der Burgstraße liegt, in dem der Schneidermeister Eusebio ab 1733 sein Handwerk ausübte. Für sein Anwesen bürgerte sich umgekehrt die Bezeichnung »Kapellenhaus« ein.

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1830 war die Kapelle Teil der sogenannten Freiflächen in Marquartstein, einem gemeinschaftlichen Eigentum von insgesamt 32 Anwesen im Marquartsteiner Ortsteil Loitshausen. Diese Rechte übernahm dann die neu gegründete, politische Gemeinde Marquartstein, erklärte Bürgermeister Scheck, was nicht ganz unumstritten gewesen sei. Zuletzt war die Kapelle in den 1960er Jahren auf Initiative von Pfarrer Josef Kaul restauriert worden. Ende der 1990er Jahre wurde ihr Zustand wieder zusehends schlechter. 2003 ließ die Gemeinde daher das Kupferdach neu decken, bevor man 2013 begann, das Gebäude in seiner charakteristischen quadratischen Form mit dem spitzen Zeltdach grundlegend zu renovieren, was rund 14 000 Euro kostete. Initiator der Renovierung war der Burgstraßenanlieger Nikolaus Rappl, aktives Mitglied im Heimat- und Geschichtsverein Achental.

Im Inneren der Kapelle stammt die Figur der heiligen Maria laut Inschrift von 1910, gestiftet von Marie Schöner. Eine Besonderheit ist die Malerei auf dem Brett am Sockel, die das Christuskind liegend auf dem Kreuz zeigt. Dieses Motiv kenne man aus Hinterglasmalerei und auf Holzmöbeln, sodass die Holztafel der Kapelle möglicherweise ein Fragment einer bäuerlich bemalten Holztruhe aus der Biedermeier-Zeit zwischen 1830 und 1850 sein könnte, so der Bürgermeister. Er würdigte neben Nikolaus Rappl, der die Historie der Kapelle erforschte, auch die beteiligten Handwerker, den Bauhof sowie Claudia Böltl für die Restaurierung der Marienfigur und der Holztafel und Bildhauer Christian Dögerl für die Ergänzung der fehlenden und beschädigten Teile an Figur und Tafelbild. gi