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Als die Sommerfrischler nach Chieming kamen

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In den dreißiger Jahren war es üblich, dass Sommerfrischler frühmorgens neben Seife und Handtuch einen Krug mit Wasser zum Waschen erhielten. Diese Gegenstände finden sich auch in der Ausstellung im Heimathaus. (Foto: Humm)

Chieming. Mit der Ausstellung »Die Entwicklung der Sommerfrische«, die im örtlichen Heimathaus wieder am kommenden Samstag und am Sonntag von 14 bis 18 Uhr zu sehen ist, lieferte Chieming einen der ersten Beiträge zu den Oberbayerischen Kulturtagen.


Ortsheimatpfleger Hubert Steiner hatte für die Sonderausstellung über Monate Material zusammengetragen. Fotos, Bilder, alte Ausgaben des Traunsteiner Tagblatts und Geschichten präsentieren nun die Sommerfrische in Chieming von »anno dazumal«.

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Laut Steiner verwendete der Münchner Reiseschriftsteller Ludwig Steub um 1860 erstmals den Begriff »Sommerfrische und Sommerfrischler« während seiner Wanderungen in den bayerischen Bergen und zum Chiemsee. Vor allem Künstler waren es, die auf Reisen gingen. Sie verbrachten ihre Sommerfrische vornehmlich auf der Fraueninsel, aber auch in Chieming fanden sich Maler und Dichter ein, um sich zu verwirklichen. So ließen sich später unter anderem die Künstlerfamilien Pelzer und Nadolny nieder.

Da um die Jahrhundertwende immer mehr Sommerfrischler in die Gemeinde kamen, schloss sich Chieming um 1900 der Chiemseeschifffahrt an. Nachweise bestätigten, dass etliche Jahre vorher der Bau des Gasthauses »Marienbad« durch den Guts- und Brauereibesitzer aus Grabenstätt, Ludwig von Finster, begann. Das Besondere daran war, dass sich am »Marienbad« auch eine Badeanstalt befand. Nach und nach stellten sich die Bauernhöfe auf Gäste ein, brachten Balkone an ihren Häusern an und servierten dort den Gästen das Frühstück.

Wer zu Besuch nach Chieming kam, der reiste in der Anfangszeit entweder mit der Eisenbahn bis Traunstein und legte das letzte Stück dann mit dem Pferdestellwagen zurück oder erreichte den Bahnhof in Prien und fuhr dann mit dem Dampfersteg weiter.

Der Ortsheimatpfleger hatte aber auch die ersten Prospekte mit Vermieterlisten zusammengetragen und viele Ansichtskarten aus früherer Zeit gefunden. Außerdem finden sich in der Ausstellung Bilder von Sommergästen mit der damaligen Mode.

Interessant zu erfahren war für viele Besucher der Ausstellung, dass in früheren Jahren die Vermieter in der Sommerzeit oft auf dem Dachboden schliefen, um möglichst viele Zimmer für die Sommerfrischler bereithalten zu können. OH