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Als die Schranke noch mit einer Kurbel bedient wurde

Traunstein. Seit ab dem 7. Mai 1860 der fahrplanmäßige Zugverkehr auf der Eisenbahnstrecke zwischen München und Salzburg auch über Traunstein möglich wurde, ist die Bahn bis heute ein »Lebenselixier« der Stadt geblieben. In der Veranstaltungsreihe »Daran erinnere ich mich gerne – Das Erzählcafé« erzählten jetzt in der voll besetzten Zieglerwirtsstube des Heimathauses die ehemaligen Eisenbahner Leo Schwarz, Emil Dohlus und Willy Reinmiedl aus ihrem persönlichen Erfahrungsschatz rund um den Dienst an der Strecke und für die Strecke.

In der voll besetzten Zieglerwirtsstube im Heimathaus berichteten Willy Reinmiedl (von links), Leo Schwarz und Emil Dohlus von ihren Erfahrungen. Moderiert wurde das Erzählcafé von Hans Helmberger. (Foto: M. Heel)

Moderiert wurde die Erzählrunde von Hans Helmberger, der eingangs darauf hinwies, dass mit der Anbindung Traunsteins an das Schienennetz nicht nur Hoffnungen, sondern auch mancherlei Befürchtungen verbunden waren. So zitierte er Ludwig Steub, dass mit der Bahn »die Zeit und Bedeutung an Traunstein vorbei laufen würden«. Interessant auch Helmbergers Anmerkungen zum Bau der zunächst eingleisigen Strecke, die ursprünglich an der Maxhütte in Bergen vorbei führen sollte. Eine gefährliche Arbeit, vor allem am Viadukt, wo die Traun verlegt und die Straße nach Kammer verschoben werden musste; etliche schwere Unfälle mit Toten waren die Folge. Elektrifiziert wurde die Strecke 1927/28. Ein tiefer Einschnitt war die Bombardierung des Bahnhofs im Zweiten Weltkrieg, die rund 120 Menschenleben kostete.

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Leo Schwarz, Jahrgang 1928, erzählte anschließend, wie er 1943 zur (Reichs)-Bahn gekommen war und in Freilassing eine Schlosserlehre absolvierte, weil ein Metallberuf damals noch Voraussetzung für den Beruf eines Lokführers war. Ab 1947 war er dann bei der Fahrmeisterei in Traunstein, zuständig für Oberleitungen bzw. Starkstrom. Nach zehn Jahren »auf Masten kraxeln« hatte er genug, schlug die Beamtenlaufbahn ein und ging in den Innendienst, unter anderem als Fahrdienstleiter am Siegsdorfer Bahnhof. Auch eine sehr verantwortungsvolle Tätigkeit inklusive Schrankendienst, der damals noch von Hand mit einer Kurbel erledigt wurde.

Emil Dohlus, geboren 1937, fing 1951 als Jungwerker an und war anschließend unter anderem in Lauter, damals noch Gemeinde Kapell, stationiert. In Traunstein war er später als Aufsichtsbeamter, im Personalbüro und im Stellwerk tätig. Mit sichtlichem Vergnügen erzählte er, wie er mit seinen Freunden vom Eisenbahnersportverein einst aus Aachen Sand für die Aschenbahn am Sportplatz des ESV liefern hatte lassen, deklariert als Bahndienstgut. Was ihnen beinahe zum Verhängnis geworden wäre, als wenig später ein Frachtenkontrolleur in Traunstein auftauchte. Weil sie mit dem Restsand aber etliche Rangierwege saniert hatten, kamen sie ungeschoren davon.

Auch der heute 63-jährige Willy Reinmiedl kann auf eine klassische Eisenbahnerkarriere zurückblicken. Nach drei Jahren als Jungwerker kam er 1968 nach München, wo er, eingesetzt in der Güterabfertigung am Hauptbahnhof, an einem Samstagmittag kurz vor Schluss an einen forschen Mann geriet, der meinte: »Hier schaut’s ja aus wie im Affenkäfig« Reinmiedl erwiderte: »Fragt sich nur, ob der Aff vor oder hinter dem Gitter steht.«

Einen Fernsehauftritt hatte er, als er 1972 Aufsichtsbeamter am Ostbahnhof war und dort die Fahrt der ersten S-Bahn gefeiert wurde. 1983 kehrte er nach Traunstein zurück, wo er dann 22 Jahre als Fahrdienstleiter tätig war, bevor er sich 2005 in den vorgezogenen Ruhestand verabschiedete. Als Leiter der 1958 gegründeten BSW-Fotogruppe Traunstein, einer Unterabteilung des Bahnsozialwerks, der inzwischen auch Betriebsfremde beitreten können, verwies er noch auf die vielfältigen Aktivitäten der Gruppe.

»Ehrengast des Abends« war die inzwischen über 90-jährige Express-Resi, die über 35 Jahre lang vom Gepäckdienst am Bahnhof nicht wegzudenken war. sw