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Alpines Steinschaf: Projekt verzeichnet erste Erfolge

Unterwössen. Einen stetigen Zuwachs an Interesse verzeichnet der Unterwössner Schafabtrieb. Bei strahlendem Sonnenschein versammelten sich hunderte Zuschauer auf dem Gemeindegrundstück, um der Bewertung und Versteigerung der 16 Schafböcke des Alpinen Steinschafes zuzuschauen.

Der teuerste Bock unter den Alpinen Steinschafen brachte 700 Euro ein. Der Unterwössner Schafabtrieb war wieder ein voller Erfolg und lockte viele Besucher an. (Foto: Flug)

Vor ein paar Jahren drohte Rasse auszusterben

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Neu für die Zuschauer bei der dritten Veranstaltung dieser Art war in diesem Jahr die Mitwirkung der Musikkapelle Wössen. Im Anschluss an deren Jahresabschlusskonzert schloss sich die Musikkapelle am Kurpark den Schafen an. Die Musikanten führten sie unter klingendem Spiel zum Gemeindegrundstück. Während die Schafe dort eingepfercht wurden, nahmen die Musiker Platz und begleiteten von nun an die Veranstaltung bis spät in den Nachmittag musikalisch.

Die Veranstaltung gehört zum grenzübergreifenden Programm »Almen aktivieren – Vielfalt erhalten«. Dieses Interreg-Projekt wird von der bayerischen Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (ANL), wie auch der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) unterstützt und betrieben. Neben der Aufgabe, aufgelassene Almen wieder zu bestoßen, dient dieses Projekt, die Zucht des Alpinen Steinschafes zu fördern. Diese Rasse der heimischen Bergwelt drohte auszusterben.

Schon zu Veranstaltungsbeginn gab es bei den Züchtern und dem Veranstaltungsleiter Dr. Christian Mendel nur strahlende Gesichter. Mendel ist Leiter der Arbeitsgruppe Schafzucht im Institut für Tierzucht im LfL. Jetzt fasst das Projekt Fuß und verzeichnet erste Erfolge. So konnte Dr. Bettina Burkart-Eisler von der ANL im Gespräch mit unserer Zeitung darstellen, dass die 16 heuer im Frühjahr aufgetriebenen Schafböcke bereits von bester Qualität seien. Es sei eine helle Freude gewesen zu sehen, wie sich die Züchter beim Anblick der Herde dort auf der Alm für das Projekt begeistert hätten. Zuzuschreiben sei das den stattlichen Tieren.

Dr. Burkart-Eisler lobte die tolle Zusammenarbeit und die Initiative der beteiligten Züchter. Für den diesjährigen Erfolg sah Dr. Mendel eine weitere Ursache auch darin, dass die Züchter zwischenzeitlich vom Ehrgeiz gepackt seien. Sie stellen nur beste Böcke für den Almsommer zur Verfügung. Deshalb sei die Qualität noch nie so hoch gewesen wie in diesem Jahr, meinte Mendel. Tatsächlich wurden von den 16 Schafböcken neun mit der Note eins bewertet. Und die anderen standen in der Bewertung nicht wirklich nach. Und wenn von den 16 Schafböcken im Rahmen der Versteigerung jetzt zwölf verkauft seien, sei das, führte Mendel aus, ein Superergebnis.

In das gleiche Horn stieß Hans Trinkl. Der zweite Vorstand in der Bayerischen Herdbuchgesellschaft für Schafzucht hatte zuvor mit zwei Kollegen die Bewertung der Schafe durchgeführt. Als ihr Sprecher hatte er dem Publikum erläutert, warum die Bewerter gerade so und nicht anders geurteilt hätten. Mit viel Humor leitete Trinkl die Versteigerung. Auch er war von deren Ergebnis begeistert. Die dort erzielten Preise – der Bewertungssieger fand für 700 Euro einen Käufer – bewiesen laut Trinkl die hohe Qualität der Schafböcke.

In dem mit ihm persönlich geführten Gespräch wollte Dr. Mendel aber eines noch unbedingt loswerden. Nirgends werde das sinnvolle und erfolgreiche Projekt so unterstützt wie in der Gemeinde Unterwössen. Im Vorfeld rennen die Schafzüchter bei Gemeinde und Verwaltung offene Türen ein, bei der Veranstaltung selbst kommen die Unterwössner und andere Zuschauer in Scharen. So erfreuen sich Verkaufsstände mit Wollwaren und Brotzeiten vom Alpinen Steinschaf ständig wachsenden Zuspruchs. Das Ganze wird abgerundet durch das Programm, das die Pfarrgemeinde zur Verköstigung der Besucher leistet und durch die musikalische Untermalung.

»Sinnvolle, kostengünstige Landschaftspflege«

Tatsächlich machten es sich die Besucher auf den vielen Bierbänken recht gemütlich. Die Stände mit Wollwaren waren dicht umlagert. Weil die Schäfer dort auch die Verarbeitung der Wolle, etwa mit dem Spinnrad vorführten, kamen Besucher und Verkäufer schnell ins Gespräch.

Warum die Schafzüchter in Unterwössen so gern gesehen sind, hatte Bürgermeister Hans Haslreiter bereits in seiner Eröffnungsrede ausgeführt. Das ganze Projekt habe für ihn nur Vorteile. »Wir bekommen wieder schöne, blühende Naturlandschaften für unsere Einheimischen und Gäste auf den Almen, die sich sonst nicht mehr bewirtschaften lassen. Das ganze Projekt der ANL ist für alle eine sinnvolle, kostengünstige Landschaftspflege.« lukk