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Alpine Hip-Hop-Band begeisterte

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Jutta Kaes alias Goldie Horn spielt bei »Dicht & Ergreifend« die Tuba. (Foto: Sojer)

Waging am See – Ghetto-Gstanzln beim »Zeltln« in Waging: Rund 500 junge Besucher haben beim Konzert der Hip-Hop-Band »Dicht & Ergreifend« gründlich abgefeiert. Zwei Alpen-Rapper aus Niederbayern, DJ, Tuba und Trompete – das ist das Erfolgsrezept, mit dem »Dicht & Ergreifend« die Partywütigen in Stimmung brachte.


Kleine »Provinzgangster« mögen George Urquell und Lef Dutti, die im richtigen Leben Michael Huber und Fabian Frischmann heißen, vielleicht schon sein, aber dem typischen Klischee von Rappern entsprechen sie nicht unbedingt. Ihre Musik ist nicht böser Straßen-Rap, sondern es ist eher ein erfrischender, aber sehr derber Alpen-Rap. Die beiden Freigeister, aufgewachsen in Niederbayern, leben seit mehreren Jahren in Berlin, allerdings nicht der Musik wegen, sondern aus beruflichen Gründen.

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Blasmusik gemischt mit Rap in niederbayerischer Sprache? Klingt komisch, funktioniert aber außergewöhnlich gut. George Urquell und Lef Dutti bedienen sich bei verschiedenen Musikstilen, vermischen diese mit alpinen Tönen von Tuba, Trompete oder »Quetschn«, ergänzen das Ganze mit »fetten Beats« – und heraus kommt der eigene und markante Hip-Hop-Stil der Band, der gerade bei der jüngeren Generation Begeisterungsstürme auslöst.

Der rasante Aufstieg von »Dicht & Ergreifend« begann 2014 mit dem »Zipfeschwinga« – was so viel wie Draufgänger oder Idiot, aber auch Kumpel heißt. Das Lied, das Michael Huber und Fabian Frischmann »nur so zum Spaß« ins Internet gestellt hatten, avancierte zum Youtube-Hit. Im Mai 2015 erschien schließlich das Debütalbum »Dampf der Giganten«, produziert durch Crowdfunding. Es schaffte es bis auf den vierten Platz der deutschen Hip-Hop-Charts. Den Erfolg kann sich die Band selbst nicht erklären, aber irgendwie müssen die Burschen den richtigen Nerv treffen. Inzwischen bekommen sie unter anderem Unterstützung von Goldie Horn (Jutta Kaes) an der Tuba und DJ Spliff.

Die Band lässt die Kultur der »Dampfplauderer« aufleben. Sie redet über die Bierdimpfln im Dorf, gescheiterte Beziehungen, Alkohol und über die Doppelmoral in Bayern. Aber sie kann auch anders: In den Liedern »Imma nu« und »Weydundagang« geht es hochpolitisch und sozialkritisch zu. Bei »Imma no« heißt es zum Beispiel im Refrain: »I sig eich imma no eire Weiba haun, imma no eia Haisl baun, imma no das Asylantengschwerl zum Deife haun.«

Das Publikum in Waging ließ sich von Anfang bis zum Ende von der Musik von »Dicht & Ergreifend« mitreißen. soj