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Alpine Baukultur stärken im Einklang mit der Natur

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Grabenstätt. Vertreter des »Gemeindetags alpine Baukultur und Klimaschutz« befassten sich jetzt mit der Entwicklung des südlichen Landkreises Traunstein, einer Pilotregion für die Projekte »Alpine Baukultur« und »Stadtbaukasten«. Ziel ist es, die alpine Baukultur unter den Aspekten der Energieplanung und des Klimaschutzes zu stärken und die Natur für künftige Generationen zu erhalten.


Zunächst informierte Ingenieurin Miriam Mlecek (LUH/Studio Landraum) über das Projekt »AlpBC«, das die Arbeit des Ende 2012 beendeten Projekts »AlpHouse« fortführe. Dabei gehe es um ein neues Qualitätsverständnis bei Gebäuden im Alpenraum, Erhalt und Entwicklung von dessen kulturellem Erbe, Optimierung von Energieeffizienz und Ökobilanz sowie individuelle Lösungen für Ortskernentwicklung, Wohnen, touristisches Bauen bis zur Neunutzung von Gewerbegebieten. Mit einem Expertenkreis wolle man nun auf regionaler Ebene Strategien und ein Beratungsformat erarbeiten, Vorschläge zur Mitnutzung des »AlpHouse-Zentrum«-Programms für öffentliche Gebäude diskutieren, vorbildliche Projekte besuchen, eine regionale Bestandsaufnahme machen, das Machbare ermitteln sowie lokale Wissensträger einbinden.

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Man müsse ermitteln, welche Beratungen überhaupt gefragt seien und welche gemeinsame Ausrichtung in den Gemeinden möglich wäre, so Siegsdorfs Bürgermeister Kamm. Exemplarisch sprach er das Sanierungsgebiet Ferienhaus-Dorf in Siegsdorf an. Unterwössens Bauamtsleiter Hans Thullner war es wichtig, wie man bei Neubauten das Energieziel 2050 oder 2020 des Gesetzgebers erreichen könne. Informationen, Weiterbildung, Vorschriften und Kontrolle seien hier zentrale Aspekte. Schlechings Geschäftsleiterin Christine Zaiser regte an, beispielsweise Verträge mit Handwerkern als Anreize zu bieten. Bildung sei in den Bereichen energetische Planung und Sanierung äußert wichtig. »Gemeinden können aber kein Fachwissen leisten und verwalten lediglich«, betonte sie und verwies auf das »zentrale Thema Flächenmanagement«. Es gelte, den Leerstand zu erfassen, anzubieten und an den demografischen Wandel anzupassen.

»Zuzug erhält das Wachstum«, stellte Kamm klar und forderte, dem weit verbreiteten »Ortskernsterben« entgegenzuwirken. Dies könne etwa durch Schwerpunkte im Bereich »Gesundheit« gelingen, indem man Kliniken, Physiotherapeuten und Praxen ansiedle. Mit der zunehmenden Alterung der Gesellschaft werde dies immer bedeutsamer.

Einige Teilnehmer regten an, Architekten in die Beratung mit einzubeziehen. Zudem gelte es, Akzeptanz der Beratung bei Bauherren, Handwerkern und Architekten zu erreichen. Vorgeschlagen wurden ein »Runder Tisch« und ein »Beratungsschein«. Wichtig sei eine flächendeckende Förderung, etwa über das Leader-Programm. Die Energieberatung, die das Ökomodell Achental regional anbietet, könnten die Gemeinden kostenlos in Anspruch nehmen.

Hinnerk Ries vom Climate Service Center (CSC) stellte das Beratungsangebot »Stadtbaukasten« vor, das bei der Lösung einzelner klimawandel-bezogener Herausforderungen oder zur Analyse vermuteter Bedrohung bis hin zur Ausarbeitung und Umsetzung kompletter Anpassungs- und Klimaschutz-Strategien angewandt wird. Zu den Betätigungsfeldern zählen unter anderem Wasser, Klimaschutz, urbanes Grün, Stadtplanung, Lebensqualität, Finanzierung und Beteiligung.

Angesprochen wurden auch die Klima-Themen Hochwasserschutz und Renaturierung. Im Sinne einer ganzheitlichen Betrachtung wäre eine enge Verbindung mit dem Flächenmanagement von Vorteil, hieß es. Zudem werde das CSC an der Hochwasserkonferenz teilnehmen. Klar sei auch, dass die Forstwirtschaft zu Veränderungen im Naturraum führe, da der Forst auf Wirtschaftlichkeit und nicht auf Nachhaltigkeit ausgerichtet sei. Das nächste Treffen wurde für 23. Januar anvisiert. mmü