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Alles läuft vollautomatisch ab

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Kabel und Schalter prägen das Innere eines Windrads, wie Betreiber Jürgen Oberhauser zeigt.
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4,58 Millionen Kilowatt Strom im Jahr produzieren die Windräder bei Palling. (Fotos: Mix)

Wenn man auf die beiden Windräder in Baumham bei Palling zugeht, dann kommt man sich ganz klein vor, angesichts ihrer gewaltigen Größe. Im Inneren der gewaltigen Anlagen nimmt man vor allem die Enge wahr.


Wer durch die Tür am unteren Ende der Windräder geht, der befindet sich in einem kleinen Raum, wo die gesamte Steuerung der Anlage untergebracht ist. Auf den wenigen Quadratmetern befinden sich ein Schaltschrank, Kabel und Knöpfe. Alles läuft vollautomatisch ab und wird 24 Stunden täglich und an 365 Tagen im Jahr von der Zentrale in Husum aus überwacht. Viermal rufen sie von Norddeutschland aus alle Daten ab und speichern sie.

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Wer sich traut, der kann über eine Leiter und rund 360 Stufen etwa 100 Meter hinaufsteigen. Wem der Weg zu anstrengend ist, der kann auch den Aufzug nehmen, der bei aller Enge noch Platz in dem Turm fand. In 100 Metern Höhe, in der sogenannten »Gondel«, befindet sich im Inneren der Windräder ein weiterer Steuerungsschrank und in der Nabe eine weitere Steuerung für die Rotorblätter.

Seit Mai 2005 stehen in Baumham bei Palling zwei Windräder, die Strom erzeugen – im Schnitt rund 4,58 Millionen Kilowatt Strom pro Jahr. Die beiden Windräder laufen rund 68 bis 70 Prozent der Zeit. Sobald genug Wind messbar ist, um mit der Windenergie Strom zu erzeugen, schalten sich die Rotoren selbständig ein. Ein Windmesser misst ständig die Windgeschwindigkeiten – und die Gondel im oberen Teil eines jeden Windrades dreht sich dann vollautomatisch in die richtige Position, um den Wind am besten nutzen zu können.

Ab einer Windstärke von zehn Stundenkilometern fangen die Rotoren an zu laufen. Bei einer Windstärke von zwölf Metern pro Sekunde werden rund 1500 Kilowatt Strom erzeugt. Bei 25 Metern pro Sekunde schalten sich die Rotoren aus Sicherheitsgründen aus – in Baumham war das aber noch nie nötig.

Fünf der bisher sieben Jahre, in denen die beiden Windräder arbeiteten, seien eher windschwach gewesen, nur zwei Jahre waren gut, erklärt Betreiber Jürgen Oberhauser. 2007 sei ein sehr gutes Jahr gewesen; es habe das Gesamtergebnis und den Durchschnitt deutlich verbessert. Generell stellt Oberhauser fest, dass zwar teilweise die Stürme zunehmen, diese aber meist nicht besonders lange dauern.

Die beiden Stahltürme, aus denen die Windräder bestehen, sind jeweils 100 Meter hoch und aus fünf Teilen zusammengeschraubt. Die Rotoren haben einen Durchmesser von 77 Metern. Zu der Zeit, als die beiden Windräder bei Palling errichtet wurden, gab es laut Oberhauser keine größeren. Heute plane er mit 140 Meter Nabenhöhe und 114 Metern Flügelspanne. Die beiden Windräder bei Palling stehen 280 Meter voneinander entfernt. Eines der beiden produziert erstaunlicherweise rund fünf Prozent mehr Strom im Jahr als das andere. Immer wieder sei auch zu beobachten, dass sich nur eines dreht und das andere steht, weil der Wind offensichtlich nicht gleichmäßig beide trifft.

Um den Windpark für 3,8 Millionen Euro zu errichten, gründete Jürgen Oberhauser vor sieben Jahren die Gesellschaft »Bürgerwindpark Palling/Baumham«, zu der 126 Gesellschafter gehören. Pia Mix

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