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»Alle Wünsche sind nicht erfüllbar«

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Am Donnerstag startet in ganz Bayern ein Volksbegehren unter dem Motto »Bildung braucht Zeit«. »Als Schulleiter begrüße ich es natürlich, wenn einem ein zusätzliches Jahr zur Verfügung steht«, sagt Klaus Kiesl, Schulleiter des Chiemgau-Gymnasiums Traunstein.

Traunstein. Die Freien Wähler fordern die Wahlfreiheit zwischen dem G8- und dem G9-Zweig auf bayerischen Gymnasien. Ein Volksbegehren ist auf den Weg gebracht (3. bis 16. Juli). G8 und G9 parallel anbieten? Nicht möglich. Meinen zumindest der Schulleiter des Annette-Kolb-Gymnasiums (AKG), Bernd Amschler, und auch der Schulleiter des Chiemgau-Gymnasiums Traunstein (CHG), Klaus Kiesl. Sie sind der Ansicht, dass die Organisation nicht zu bewältigen wäre.


»Schon für die Großen ist es unmöglich«

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Rund 850 Schüler besuchen das Annette-Kolb-Gymnasium, 70 Lehrkräfte unterrichten dort, 1 200 Schüler und 100 Lehrer zählt das Chiemgau-Gymnasium. »Es gibt viele Einrichtungen mit deutlich weniger Schülern«, sagt Markus Gnad, Stellvertretender Schulleiter am CHG. Und wenn es schon die Großen für unmöglich erachten, einen G8- und einen G9-Zweig parallel zu fahren, wie sollen das dann die vielen kleinen Gymnasien schaffen?

»Alle Wünsche sind einfach nicht erfüllbar«, meint Schulleiter Bernd Amschler im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. Er fordert, dass sich die Entscheidungsträger zusammensetzen, um auszutarieren, was möglich ist. Während die Freien Wähler fordern, dass jedes Gymnasium in Bayern frei entscheiden kann, ob es G8 und/oder G9 anbietet, sagt Amschler, dass es noch zu früh sei, sich jetzt schon festzulegen. »Es gibt noch keine Details«, meint er. Nichts, mit dem man arbeiten könnte. Etwa in Bezug auf Personalzahlen.

»Als Schulleiter bin ich mit einer klaren Aufgabe versehen – und das ist die Umsetzung des G8«, sagt Amschler. Erfahrungen hat der Direktor des AKG mit beiden Zweigen. Vor- und Nachteile seien auf beiden Seiten zu finden. Demnach sei auch eine mögliche Wahlfreiheit zwischen beiden Zweigen – wenn man die Sache aus Sicht der Schüler betrachtet – etwas Positives. Die Frage nach der Machbarkeit folgt aber sogleich: »Können wir das Angebot in guter Form ausgestalten?«

Schulleiter Kiesl begrüßt neun Jahre Schulzeit

Amschler ist der Ansicht, dass die »permanente Diskussion«, die nun schon seit langem anhält, dem Ansehen der Schulart »Gymnasium« schadet. »Wir müssen endlich wieder an einen Punkt kommen, Ergebnisse schaffen und dadurch das Gymnasium stabilisieren.«

Klaus Kiesl, Schulleiter des Chiemgau-Gymnasiums Traunstein, sagt, dass ein Nebeneinander von G8 und G9 in einer Schule nicht möglich sei. »Also müsste man sich entscheiden – und das wäre wiederum bedauerlich.« Klar, in Traunstein gibt es zwei Gymnasien, theoretisch wäre es machbar, in dem einen den G8-, in dem anderen den G9-Zweig zu verwirklichen. Woanders sei das aber nicht möglich. Und da ist man wieder beim grundlegenden Problem angelangt. Zum Abitur führen könne man die Schüler im G8 natürlich schon. Aber auch im G9 hatte dies hervorragend geklappt. »Als Schulleiter begrüße ich es natürlich, wenn einem ein zusätzliches Jahr zur Verfügung steht.«

Markus Gnad, Kiesls Stellvertreter am Chiemgau-Gymnasium, ist sich sicher, dass das Ministerium für ein paralleles Angebot von G8 und G9 keine Mittel zur Verfügung stellen werde. Ein Alternativmodell muss deshalb her. Als »Bayerisches Gymnasium« bezeichnet er ein solches. In diesem Modell könne ein Schüler sowohl in acht als auch in neun Jahren zu seinem Abitur kommen. Vorstellbar sei etwa, die Schüler über mehrere Jahre gemeinsam zu unterrichten. Der Notendurchschnitt entscheide schließlich darüber, wie es mit dem jeweiligen Schüler weitergehe. Entweder absolviert er die Oberstufe in zwei Jahren – wenn es die Noten zulassen –, oder eben in drei Jahren.

Staatsregierung mit Gegenentwurf

Sollten die Freien Wähler mit dem Volksbegehren Erfolg haben, ist Gnad überzeugt davon, dass die Staatsregierung einen Gegenentwurf in petto hätte, den sie präsentieren würde. Ob die aktuelle Diskussion dem Gymnasium schade? Sicher nicht. Im Gegenteil: »Der Zulauf ist ungebrochen groß, die Abiturientenquote steigt«, weiß er.

G8 oder G9 – was ist denn nun die bessere Art zum Abitur? Eine Antwort darauf bleibt der Vertreter des Schulleiters schuldig. Vor- und Nachteile gebe es auf beiden Seiten. Eine Sache, die im Zuge des G8 eingeführt worden war, sei aber ungemein nützlich und etwas, »das man in keinem Fall wieder abschaffen sollte«: die Intensivierungsstunden. Für jene Schüler, die Hilfe brauchen.

»Nichts Ganzes und nichts Halbes«

Und was sagen die, die es betrifft? Elena Mühlbacher ist Schülersprecherin am Annette-Kolb-Gymnasium. Sie besucht derzeit die Q11 und sagt, dass ihre Klassenkameraden anfangs das neunjährige Gymnasium zurückwollten. »wir fanden einfach, dass es nicht sinnvoll ist, den Stoff auf acht Jahre zusammenzupressen.« Nun allerdings, da das G8 schon Alltag ist, sei es schwierig, das alles wieder zu ändern. Viel besser wäre es, so Elena Mühlbacher, den G8-Zweig zu optimieren. Die Wahl, sich zwischen G8 oder G9 zu entscheiden, erachtet die Schülersprecherin für eine »blöde Zwischenlösung.« »Das ist nichts Ganzes und nichts Halbes. kp