»Alle Verkehrsteilnehmer wachrütteln«

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Polizeihauptmeister Christoph Obermeier hat die Raser fest im Blick. (Fotos: Reiter)
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Peter Zitzelsperger zeigt den Bußgeldkatalog – also welchen Betrag Fahrer bezahlen müssen, wenn sie zu schnell gefahren sind. Der Hauptkommissar betont: »Wir sind keine Raubritter. Uns geht es um die Sicherheit, deshalb führen wir Geschwindigkeitskontrollen durch.«

»Zu hohe Geschwindigkeit ist die Hauptursache für schwere Verkehrsunfälle«, sagt Polizeihauptkommissar Peter Zitzelsperger. Zusammen mit zwei Kollegen steht er am Mittwochvormittag in der Nähe der Autobahnauffahrt bei Siegsdorf. Polizeihauptmeister Christoph Obermeier blickt durch das Lasermessgerät – die Raser fest im Blick beim bayernweiten Blitzmarathon.


Doch macht es überhaupt Sinn, so einen Blitzmarathon abzuhalten? Denn die Fahrer wissen ja, dass fleißig geblitzt wird an diesem Tag. »Er soll vor allem präventiven Charakter haben«, betont Zitzelsperger – also darauf aufmerksam machen, dass zu schnelles Fahren gefährlich sein kann. »Es geht an diesem Tag weniger um Repressalien.« Und der 50-Jährige hofft einfach, dass die Thematik den Fahrern auch nach dem Blitzmarathon noch länger im Gedächtnis bleibt.

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2100 Messstellen sind es insgesamt in Bayern, im Landkreis Traunstein 30 – von Altenmarkt über Traunreut und Traunstein bis nach Ruhpolding und Inzell.

Gut sichtbar mit gelben Warnwesten stehen Peter Zitzelsperger, Christoph Obermeier und Florian Helminger an der Einfahrt zum Schwimmbadparkplatz in Siegsdorf. Auf der Bundesstraße 306 ist die Geschwindigkeit in diesem Bereich auf 70 km/h begrenzt – und die Fahrer sind vorbildlich unterwegs. »Wir verstecken uns an diesem Tag ganz bewusst nicht hinter einem Baum«, sagt der Polizeihauptkommissar und lacht. »Wir wollen durchaus gesehen werden.« Für den Blitzmarathon sind seinen Worten nach rund 60 Beamte im Landkreis Traunstein bis Donnerstag um 6 Uhr morgens im Einsatz – denn so lange geht der Blitzmarathon. Zusätzlich zu diesen verstärkten Geschwindigkeitskontrollen über insgesamt 24 Stunden ist auch die Verkehrspolizeiinspektion Siegsdorf im Einsatz »und führt ihr ganz normales Messprogramm durch«, wie Zitzelsperger sagt.

Auch in anderen Bundesländern und jenseits der deutschen Grenzen in anderen Ländern Europas wird und wurde geblitzt. »Zu schnelles Fahren ist kein Kavaliersdelikt, sondern die Hauptursache für schwere Verkehrsunfälle«, so Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) im Vorfeld des achten bayerischen Blitzmarathons. Knapp ein Drittel der Verkehrstoten auf Bayerns Straßen gehe darauf zurück.

Im vergangenen Jahr starben laut Herrmann 147 Menschen bei Geschwindigkeitsunfällen. Das waren trotz des pandemiebedingt geringeren Verkehrsaufkommens mehr Unfalltote als im Vorjahr mit 141. »Mit unserem Blitzmarathon wollen wir alle Verkehrsteilnehmer wachrütteln, sich unbedingt an die Tempo-limits zu halten.«

Im vergangenen Jahr war der Blitzmarathon coronabedingt ausgefallen. Nicht zuletzt angesichts der gestiegenen Unfallzahlen habe man sich entschlossen, den Marathon dieses Jahr trotz Corona durchzuführen, so Ministeriumssprecher Michael Siefener. Gerade die freien Straßen verleiteten womöglich dazu, aufs Gas zu gehen. »Möglicherweise animiert der geringere Verkehr den einen oder anderen, schneller zu fahren, als er dürfte.«

Das Anvisieren der Fahrzeuge mit dem Lasermessgerät ist nicht ganz einfach. In der Regel wird auf das Verkehrsschild gezielt – rund 200 bis 300 Meter von der Kontrollstelle entfernt. Christoph Obermeier bekommt sofort eine Rückmeldung, wenn ein Fahrer zu schnell war – durch zweimaliges Piepen des Lasermessgeräts. Dann schwingt Hauptkommissar Florian Helminger die Kelle und zieht den Raser raus. »Wir achten dabei auch auf andere Dinge. Also zum Beispiel auf Auffälligkeiten. Sind vielleicht Drogen oder Alkohol im Spiel?« Des Weiteren würden Ausweis, Führerschein und Fahrzeugpapiere kontrolliert.

Beim letzten 24-Stunden-Blitzmarathon vom 3. bis zum 4. April 2019 hatte die Polizei bayernweit 10 821 Temposünder ertappt – trotz der auch damals veröffentlichten Messstellen. Den traurigen Rekord hielt damals ein 30 Jahre alter Autofahrer, der auf einer Bundesstraße mit 160 Kilometern pro Stunde anstatt der erlaubten 70 km/h unterwegs war.

KR

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