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Alle Trachtler-Generationen feierten 110-Jähriges

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Eine der fantasievollen Einzelfiguren beim erstmals gezeigten »Raschenberger Festtanz« der Aktiven. (Foto: Mergenthal)

Teisendorf – Mit einem bunten Vereinsnachmittag im Poststall feierte der Trachtenverein »D' Raschenberger« Teisendorf sein 110-jähriges Bestehen.


Höhepunkte waren die Uraufführung der »Raschenberger Polka« von Sigi Ramstötter, ein Rückblick in Bildern mit ehemaligen Funktionären und ein Festtanz der Aktiven.

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Der Tag hatte mit einer Festmesse in der Pfarrkirche St. Andreas begonnen. Unter Leitung von Musikwartin Elisabeth Hogger gestalteten der Familiengesang Hogger und die »Teisendorfer Saitenpfeiffer«, zwei Ensembles aus dem Verein, eine bewegende musikalische Umrahmung. Kaplan Korbinian Wirzberger rief die Gemeinde dazu auf, das von den Alten Überlieferte in die Zukunft weiter zu tragen und sich dessen bewusst zu sein, woher wir kommen und wohin wir gehen. Gegen Ende der Messe gestaltete Diakon Hans Schmid ein feierliches Totengedenken.

Im Poststall gestaltete die Kindergruppe einen schwungvollen Auftanz. Vereinsvorsitzender Hans Diener präsentierte stolz das älteste Utensil des Vereins, das auf wichtigen alten Fotos abgebildet ist: Ein aus einem Baumstamm mit Wucherungen geschnitzter Krug. Welche Bedeutung dieser für die Vorfahren hatte, wisse man nicht mehr, erklärte Diener.

Die Teisendorfer Jungmusikkapelle spielte zum und nach dem Mittagessen zur Unterhaltung auf. In seinem Grußwort verglich Bürgermeister Thomas Gasser den Jubelverein mit einem Getriebe und beglückwünschte ihn, dass es bei ihm wenig »Sand im Getriebe« gegeben habe, allerhöchstens in den Anfangsjahren, dafür aber viel gut schmierendes Öl. Zum Stichwort »Öl« nannte er Schlagworte wie Zusammenhalt, Bereitschaft für die Übernahme von Ämtern und Offenheit für neue Ideen. Ein Verein sei jedoch viel mehr als ein Getriebe, Menschlichkeit, Freundschaft und Herzblut für die Sache, wie in Teisendorf praktiziert, gehörten dazu. Der Trachtenverein sei ein »Aushängeschild für Teisendorf«. Als Geschenk übergab er Diener ein Geldkuvert.

Höhepunkt war eine von Hans und Rosi Fürmann zusammengestellte Präsentation historischer Fotos. Dazu erzählte eine Art »Elefantenrunde« verschiedener Trachtler-Generationen aus der Vereinsgeschichte: die ehemaligen Vorstände und einstigen Jugendleiter Heini Hogger und Hans Hogger sowie die ehemaligen Vorplattler Franz Schuhbeck, Hans Haberlander, Felix Ramstötter, Alois Maier, Hans Willberger und Vorsitzender Hans Diener. Kassier Stefan Birnbacher führte durch das Programm.

Auf den ersten Fotos ähnle der Verein eher einem »vogelwilden Haufen«, meinte Heini Hogger. Er erklärte das damit, dass sich nicht jeder die komplette Tracht neu anschaffen konnte. Wenn schon eine andere Hose daheim im Kasten hing, wurde eben diese angezogen. Streitigkeiten, vor allem zwischen Freidlingern und Teisendorfern, waren am Anfang an der Tagesordnung. Hogger machte einen Sprung in die Nachkriegszeit. Das Publikum erfuhr, dass Flüchtlingsfrauen aus Fallschirmseide Edelweiß auf die Oberteile der Jugend stickten und dass das Platteln so gefragt war, dass es neben den Vereins-Plattlern auch sogenannte »wilde Plattler« gab.

Franz Schuhbeck, der von 1970 bis 1975 Vorplattler war, erinnerte an legendäre Feste im Dorfstadel, der im Bereich des heutigen Maibaums und der Schule stand. Auf den Fotos dieser Zeit zeigt sich, wie die Minimode auch die Tracht der Mädchen prägte. Die ehemaligen Funktionäre ließen Glanzlichter wie die Gautrachtenfeste 1950 und 1982, Auftritte bei der Fußball-WM, beim Oktoberfest, beim Bayerischen Fernsehen in der Donauarena in Regensburg und bei der Expo in Shanghai Revue passieren. Sie riefen die große Fotoausstellung 1985, die ein Jahr lang dauernde 100-Jahr-Feier mit einer abschließenden Trachtenmodenschau und vieles mehr in Erinnerung.

Danach wurde die von Sigi Ramstötter eigens zu diesem Anlass komponierte »Raschenberger Polka« uraufgeführt. Alle Buben plattelten gemeinsam den »Birkenstoana«. Die Kinder präsentierten das »Bauernmadl« und ein Frühjahrslied übers Flohfangen. Ihr Können zeigten auch die Jugend mit dem »Schorsch-Tanz« und die Aktiven mit den von den Burschen aufgeführten Plattlern »Maxglaner« und »Holzhacker« und mit der Premiere des »Raschenberger Festtanzes«. Dazwischen stärkten sich Jung und Alt mit einem üppigen Kuchenbuffet. vm