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Alkoholabhängiger Angeklagter wurde erneut verurteilt

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Traunstein. Zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten ausgesetzt auf drei Jahre Bewährung und zu einer Geldstrafe in Höhe von 2000 Euro, zu zahlen an einen Kinderschutzverein, verurteilte das Amtsgericht Traunstein einen 26-jährigen Traunsteiner wegen Beleidigungen, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte samt Körperverletzung und Randalen in einem Mutter-Kind-Heim.


Traunsteiner beschimpfte mehrere Polizisten

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Beim ersten Anklagepunkt ging es um einen Vorfall am frühen Morgen des 8. Oktober 2013 vor einer Gaststätte an der Güterhallenstraße. Passanten hatten den Rettungsdienst verständigt, da der 26-Jährige alkoholisiert und hilflos wirkte. Ein Sanitäter betonte, man sei verpflichtet, sich um derartige Personen zu kümmern. Weil der Betrunkene aggressiv und unkooperativ war, wurde die Polizei gerufen. Der Mann wehrte sich vehement, beschimpfte die Beamten als »Arschlöcher« und »Deppen«. Im Krankenwagen trat er die Polizisten, einen wollte er beißen. Nach der Blutprobe kam er in die Ausnüchterungszelle. Der Traunsteiner meinte zu den Vorwürfen: »Der Sachverhalt stimmt im Grunde genommen.« Allerdings sei er »bei völliger Gesundheit« gewesen. Die Polizisten hätten »definitiv überreagiert«. Dazu Richter Wolfgang Ott: »Kommen Sie zum Punkt. Sind 2,10 Promille für Sie ein normaler Wert?« Die Antwort lautete: »Nö, nö, ein erhöhter Wert.« Der Angeklagte beteuerte, er habe seine Schlüssel im Lokal vergessen gehabt, sei deshalb zurück und vor der Hintertür eingeschlafen.

Angeklagter hatte bereits Hausverbot in Diskothek

Auch in der Silvesternacht war der 26-Jährige betrunken. Er bewarf die Türsteher einer Diskothek an der Herzog-Wilhelm-Straße mit Flaschen. Wieder kam die Polizei – erneut gab es heftige Widerstandshandlungen und Beleidigungen. In dieser Gaststätte – ebenso in weiteren Lokalen der Betreibergesellschaft sowie für alle ihre Freiluftveranstaltungen – hatte der Mann Hausverbot. Der Geschäftsführer begründete: »Das Personal bat darum, weil der Gast in unseren Lokalen ständig Ärger machte.« Der Angeklagte gab an, er habe von Hausverbot nichts gewusst. Am Neujahrsmorgen sei er »enttäuscht« gewesen, dass er die Gaststätte verlassen sollte. Er machte ein »Notwehrrecht« geltend.

Negativer Höhepunkt war der dritte Anklagepunkt. Der 26-Jährige war Ende Januar nachts über einen Balkon in ein Mutter-Kind-Heim eingedrungen. Dort lebte eine Ex-Freundin. Bei ihr hat er früher mit Zustimmung der Heimleitung übernachtet. Der Betrunkene – er konnte sich angeblich an gar nichts mehr erinnern – übergab sich im Hausflur und legte sich in einem Kinderzimmer ins Bett. Der Bub war nicht da, sondern schlief bei der Mama. Eine 24-jährige Angestellte hatte damals Nachtbereitschaft. Sie wollte den Angeklagten wecken – was ihr nicht gelang. Dann rief sie die Polizei. Die Beamten kannten den 26-Jährigen bereits und wussten, dass sie mit erbittertem Widerstand und Beschimpfungen rechnen mussten.

»Ich und die Stadt können nicht miteinander«

Ein Alkoholproblem räumte der Angeklagte ein: »Wochenlang trinke ich gar nichts. Wenn ich dann mit den falschen Leuten unterwegs bin, neige ich dazu, zu viel zu trinken.« Freiwillig besuche er eine Suchtberatungsstelle. Er wolle künftig abstinent leben – auch im Hinblick auf einen neuen Job bei einer Konzertagentur in München. In Traunstein wolle er nicht bleiben: »Ich und die Stadt können nicht miteinander.«

Staatsanwalt Thilo Schmidt vermisste bei dem siebenfach vorbestraften Angeklagten »Einsicht und Reue«. Für ihn spreche wenig, Geldstrafen hätten ihn nicht beeindruckt. Erforderlich sei eine Freiheitsstrafe von einem Jahr, die auf vier Jahre und gegen eine Geldauflage von 3000 Euro zur Bewährung ausgesetzt werden könne – als »allerletzte Chance, vom Alkohol wegzukommen«. Der 26-Jährige meinte schließlich: »Wenn ich noch mal eine Chance bekommen würde, wäre ich sehr erfreut.« Der Traunsteiner habe sich mehrfachen Widerstands schuldig gemacht, dazu der vorsätzlichen und der fahrlässigen Körperverletzung, einiger Beleidigungen und des Hausfriedensbruchs, führte Wolfgang Ott im Urteil auf. Er hielt das Teilgeständnis zugute. Und weiter: »Aber kein Wort der Entschuldigung. Das hätte man erwarten können.« Der Angeklagte wisse, dass er »im Suff« zu Tätlichkeiten neige. Das Fass sei »noch nicht am Überlaufen«, aber Geldstrafen reichten. kd