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Alkohol, Drogen, Spielsucht

Traunstein. Der größte Drogenprozess der vergangenen Jahre ist gestern vor der Zweiten Strafkammer am Landgericht Traunstein gestartet. Ein 31-jähriger Monteur aus Waldkraiburg sitzt zusammen mit einem 31-Jährigen aus Schnaitsee, einem 32-Jährigen aus Polling sowie einem 26-jährigen Erntehelfer aus Ecuador wegen zahlreicher Rauschgiftdelikte auf der Anklagebank.


Das Gericht mit Vorsitzendem Richter Erich Fuchs hörte beim Auftakt die weitgehend geständigen Angeklagten an. Zeugen und Sachverständige sind erst zu den Fortsetzungsterminen am 8., 11. und 15. Juli geladen. Beginn ist jeweils um 9 Uhr.

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Die drei Deutschen kannten sich von Kind an. Der Ecuadorianer stieß im März 2010 dazu. Mehrere Hundert Kilogramm verschiedener Betäubungsmittel, vor allem aus dem Raum Aachen und aus Spanien, stehen im Mittelpunkt des Verfahrens. Kopf der Bande soll der Waldkraiburger gewesen sein. Neben ihm und den drei Mitangeklagten gehörten der Organisation noch viele weitere, teils schon verurteilte Personen in unterschiedlichsten Funktionen an.

30 000 bis 40 000 Euro verspielt

Beruflich waren die drei Bayern verbunden: Der Waldkraiburger war selbständig in der Solarbranche tätig. Seine Freunde hatten jeweils eigene Firmen und wirkten für ihn häufig als Subunternehmer auf Baustellen. Verknüpft war das Trio auch in Sachen Betäubungsmittel – durch die gemeinsamen Geschäfte, aber auch durch eigene Drogenkarrieren inklusive Entziehungstherapien und Inhaftierungen.

Der Waldkraiburger, dessen Drogenkarriere im Alter von 14 oder 15 Jahren begann, hatte nach einem Entzug 2004 wieder mit Rauschgift begonnen. 2010 konsumierte er nach seinen Worten »sehr viel Heroin, etwa 200 bis 300 Gramm in sechs Monaten«. Dazu benötigte seine Leidenschaft »Spielen im Internet« enorme Summen. Ungefähr »2000 bis 3000 Euro« brauchte er monatlich »zum Leben und zum Spielen«. Mal gewann er 60 000 Euro, dann verlor er sie komplett wieder. Wenn er die Gewinne abziehe, habe er um die 30 000 bis 40 000 Euro verspielt, schilderte er.

Angeklagte belasteten sich gegenseitig

Der gleichaltrige Angeklagte aus Schnaitsee berichtete von ähnlichen Dingen. Im Alter von 16 Jahren habe er mit Cannabis begonnen und später »alles andere« ausprobiert. Die schulischen Leistungen des 32-jährigen Dachdeckers aus Polling wurden »wegen der ganzen Kifferei« immer schlechter, weshalb er eine Klasse wiederholen musste.

Teils kamen bei den Männern noch Alkoholprobleme hinzu wie bei dem 26-jährigen Südamerikaner, der gegen seinen Willen in Spanien bei seiner Mutter leben musste. Geld sei bei ihm stets knapp gewesen, gestand er. Zeitweise war er arbeitslos, fügte er hinzu. 2010 traf er in München während einer Schulung der Industrie- und Handelskammer auf den Waldkraiburger.

Die Aussagen der geständigen und sich gegenseitig belastenden Angeklagten zu den Vorwürfen von Staatsanwalt Markus Andrä waren weitschweifig und detailreich. Viele weitere Personen spielten darin eine Rolle. Der Monteur erinnerte sich an sein erstes größeres Drogengeschäft im November 2008 in Aachen. Eigentlich habe er eine größere Menge Viagra kaufen wollen und dabei gefragt, ob es »noch was anderes« gebe. kd