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»Aldi sitzt jetzt drin, wie die Made im Speck«

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Traunreut – Dass der Aldi-Markt das sogenannte »Munapark«-Konzept gekippt hat, steht für die meisten Traunreuter Stadträte außer Frage. Der Discounter, der seit 25 Jahren in der Innenstadt eine Filiale betreibt, hätte, wie bereits im Bauausschuss mehrfach geäußert, bei den ersten Plänen nicht mitgezogen. Deshalb wurde das geplante Wohn- und Handelszentrum mit dem Investor des Gesamtkomplexes und Aldi neu verhandelt und grundlegend umgeplant. Die neue Variante stieß bereits im Bauausschuss nicht nur auf Begeisterung (wir berichteten).


Auch in der Stadtratssitzung, in der Stadtplanerin Prof. Anne Beer das Konzept noch einmal vorstellte, wurden große Bedenken laut. »Das ist nicht das, was wir uns zum Ziel gesetzt haben«, kritisierte zweiter Bürgermeister Hans-Peter Dangschat. Nach rund zweistündiger Diskussion wurde die aktuelle Planung aber dennoch mit großer Mehrheit abgesegnet. Auf der Basis dieser Planung soll jetzt ein Bebauungsplan aufgestellt werden.

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»Wir sollten die Kröte nicht so einfach schlucken«

Ursprünglich wollte man die Aufenthaltsqualität des in der Innenstadt so bedeutenden Filetstücks stärken, sagte Dangschat. »Was wir jetzt haben, ist eine große Parkplatzsituation und einen Konkurrenzkampf zwischen Fußgänger und Lieferverkehr«, mahnte er an. »Wir sollten die Kröte nicht so einfach schlucken und an Aldi ein klares Signal richten, eine so wichtige Entwicklung nicht zu blockieren«, forderte Dangschat. Deshalb stellte er den Antrag, den Tagesordnungspunkt zu vertagen und mit Aldi nochmal nach zu verhandeln.

Diese »Denkpause« unterstützte auch die Bürgerliste, die sich ebenfalls für eine Nachverhandlung aussprach. Auch Dr. Michael Elsen (CSU) stellte fest: »Aldi sitzt jetzt drin, wie die Made im Speck.« Ihn störe, dass sehr viele oberirdische Parkplätze entstünden, wofür das Grundstück viel zu kostspielig sei. Ihm wären weniger Handel und dafür mehr Wohnbebauung und Dienstleister lieber, sagte Elsen. Der Antrag auf Vertagung wurde jedoch mit knapper Mehrheit abgelehnt.

In weiser Voraussicht, dass der Stadtrat das aktuelle Konzept kippen könnte, hatte die Stadtplanerin einen Plan B mitgebracht: Der Aldi-Markt wird nicht gedreht, sondern nur verlängert. Dadurch wäre jedoch die Bebauung im Süden schmaler geworden und die Durchgängigkeit nicht mehr gegeben gewesen. Aufgrund des abgelehnten Antrags wurde der Plan B dann nicht mehr weiter verfolgt.

Allgemein vermisst wurde ein Verkehrskonzept. Bernhard Seitlinger (CSU) und Christian Stoib (SPD) forderten, über die Anlieferzone des Handels noch einmal zu diskutieren. »Mir gefällt die Anlieferzone über die Banater Straße nicht«, erklärte Seitlinger. Nicht nur er erinnerte auch daran, dass in der näheren Umgebung auch sehr viel gebaut werde, etwa ein neues Haus für Kinder an der Kolpingstraße und Geschoßwohnungen. Neuralgischer Punkt sei die Porschestraße. »Die Verkehrsanbindung muss stimmen, es muss ein ordentliches Verkehrswegenetz geschaffen werden«, forderten auch Günther Dzial (SPD) und Verkehrsreferent Roger Gorzel (Bürgerliste).

Nach Angaben der Stadtplanerin hätten die Investoren ein insgesamt umsetzbares Verkehrskonzept bereits signalisiert. Dieses müsse aber ohnehin im Rahmen des Bauleitverfahrens konkret diskutiert werden, klärte der Geschäftsführer der Stadtverwaltung, Josef Maier, auf. »Dass das Projekt mehr Verkehr bringt, ist klar«, erklärte Bürgermeister Klaus Ritter. Im Vergleich zu einem Verkehrsgutachten, das beim Ursprungsplan vor 14 Jahren mit doppelt so viel Handelsfläche im Rahmen eines Architektenwettbewerbs erstellt worden war, würde sich jetzt der Verkehr um ein Vielfaches verringern.

Discounter möchte an seinem angestammten Platz bleiben

Ritter erinnerte auch daran, dass sich im Laufe der Jahre die Rahmenbedingungen auf dem Areal geändert hätten, etwa durch den Bau des k1. Zu Aldi erklärte er, dass der Discounter das Konzept vom Dezember 2015 abgelehnt habe. Nach den ersten Plänen sollte der Aldi-Markt in ein großes Zentralgebäude umgesiedelt werden. Dieses Ansinnen wurde aber verworfen. Der Discounter möchte an seinem angestammten Platz bleiben und nach einem neuen Filialen-Konzept ebenerdig und etwas größer bauen. Westlich davon sollen rund 150 Stellplätze entstehen.

Südlich des Aldi-Markts, an der Eichendorffstraße, sollen mehrere, zwischen drei- und fünfgeschoßige Gebäude entstehen, in denen unter anderem ein großer Textil- und Drogerie-Markt vorgesehen sind und darüber Wohnungen. Nordwestlich des Areals am Traunring soll in einem fünfgeschoßigen Bau Platz für Dienstleister und Handel geschaffen werden. Weitere zwei Gebäudekomplexe mit fünf Geschoßen sollen an der Munastraße und an der Ecke Muna- und Eichendorffstraße gebaut werden. In diesen Gebäudekomplexen sind ein Hotel (Munastraße), ein Café und Dienstleiter vorgesehen. Insgesamt sollen dort rund 8200 Quadratmeter Handelsfläche entstehen, über 9000 Quadratmeter für Dienstleistungsbetriebe, 3380 Quadratmeter für ein Hotel und über 5000 Quadratmeter Wohnraum.

Und so sieht der Zeitplan aus: Nach Angaben der Stadtverwaltung müssen die Abrissarbeiten für den Bauhof bis Mitte kommenden Jahres erledigt sein. Der danebenliegende Steinmetzbetrieb, der im Gewerbegebiet Oderberg neu baut, soll Mitte 2018 weg sein. Der Baubeginn für die Neubauten ist Ende 2018 geplant und der Abschluss aller Arbeiten im Herbst 2021. Weiter teilt die Verwaltung mit, dass auf dem jetzigen Bauhofgelände ein Provisorium für Aldi geplant ist. Wenn das steht, kann der Abbruch des Discounters beginnen.

Konrad Unterstein (FW) sprach von einer Aufwertung für die Stadt. »Mir gefällt es sehr gut. Es wird mehr Wohnraum geschaffen und alles ist klar strukturiert.« Auch Martin Czepan (Grüne) fand die jetzige Planung sehr gut. Er sprach von einer gesunden Mischung, attraktivem Handel, Wohn- und Kulturverbund. Zum Aldi-Markt erklärte er, man sollte froh sein, einen Discounter relativ stadtnah zu haben.

Aldi als »Magnet« für den weiteren Handel

Dass Aldi das ganze Konzept gekippt habe, sei nicht von der Hand zu weisen, sagte Ernst Ziegler (SPD). Er fände die jetzige Lösung aber akzeptabel. Der Discounter sei in seinen Augen auch ein Magnet für den weiteren Handel. Das Parkplatzkonzept gehöre nun mal zur Strategie von Aldi und das müsse man akzeptieren, so Ziegler. Ernst Biermaier und sein Fraktionskollege Alfred Wildmann unterstützten ebenfalls die geänderte Planung. »Wir wollten Handel und Wohnraum. Diese Ziele werden damit erreicht«, betonte Biermaier. Das Ganze jetzt noch einmal auszusetzen, wie von Dangschat gefordert, sei nicht nötig.

»Es ist jetzt wichtig, dass wir zu einer Ziellinie kommen, um auch die Verträge mit den Investoren schließen zu können,« forderte Ritter. Der Beschlussvorschlag der Verwaltung, das überarbeitete Konzept der Bebauung für das Areal Eichendorffstraße/Traunring/Banater Straße als Grundlage der anstehenden Bauleitplanung zu billigen, trug der Stadtrat schließlich bei drei Gegenstimmen mit. ga