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AKG-Turnhalle: 1,7 Millionen Euro Mehrkosten

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Verseuchtes Erdmaterial wurde kurz nach Baubeginn der neuen AKG-Dreifachturnhalle gefunden. Entsorgung und Aushub sollen rund 1,7 Millionen Euro mehr kosten. Foto: Reiter

Traunstein – 1,7 Millionen Euro mehr wird nun der Bau der neuen Dreifachturnhalle am Annette-Kolb-Gymnasium kosten – ganz zu schweigen von der enormen Verzögerung.


Auf rund 1,7 Millionen Euro schätzen Landkreis- und Stadtverwaltung derzeit die Mehrkosten, die beim Bau der neuen Dreifachturnhalle am Annette-Kolb-Gymnasium für den Aushub und die Entsorgung des verseuchten Erdreichs entstehen werden (Turnhallen-Baustopp: Verseuchte Erde gefunden). Wie der Finanzausschuss in seiner jüngsten Sitzung, so wird auch der Stadtrat in seiner heutigen Sitzung die Zahlen zur Kenntnis nehmen.

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Derzeit liegen die Mehrkosten bereits bei 1,02 Millionen Euro für 10 420 Kubikmeter verseuchten Aushub. Wie bereits berichtet, war der Kreisausschuss des Landkreises Traunstein von den Architekten des Neubaus informiert worden, dass der Bodenaushub teilweise sehr stark mit Schwermetallen und Altöl kontaminiert ist und als gefährlicher Abfall entsorgt werden muss.

Bauarbeiten verzögern sich um vier Monate

Derzeit gehe die Kreisverwaltung von einer Verzögerung der Bauarbeiten von etwa vier Monaten aus, informierte Stadtkämmerer Reinhold Dendorfer den Finanzausschuss des Stadtrats in dessen jüngster Sitzung. Demzufolge entstehen durch die verschiedenen Entsorgungswege massive Mehrkosten.

Noch ungeklärt sei zudem ein Aushub von weiteren rund 4100 Kubikmeter Erdreich, der in den nächsten Tagen und Wochen untersucht werde. »Geht man von ähnlichem Material aus, wie es bisher gefunden wurde, so dürften nochmals Mehrkosten in Höhe von circa 650 000 Euro entstehen«, erklärte Stadtkämmerer Reinhold Dendorfer dazu. »Die Summe könnte sich aber auch nochmals deutlich erhöhen, falls Material ausgehoben wird, das überwiegend als gefährlicher Abfall deklariert werden muss.«

»Laut Vertrag muss die Stadt Traunstein 55 Prozent der Mehrkosten tragen«, erklärte dazu Oberbürgermeister Christian Kegel (SPD). »Aber ich bin im Gespräch mit dem Landratsamt und ich bin überzeugt davon, dass wir gemeinsam eine möglichst gute Lösung finden.« Warum man denn nicht ein bisserl eher Bodenproben genommen habe, fragte Wolfgang Osenstätter (CSU).

»Es wurde schon untersucht – nur nicht genau genug«

»Man hat schon damit gerechnet, dass da was drin sein kann«, so Kegel darauf. »Es wurde auch untersucht, nur nicht genau genug. Aber ich mache da jetzt niemandem einen Vorwurf. Es ist, wie es ist. Jetzt müssen wir das Beste daraus machen.«

Wilfried Schott (Grüne) meinte, der Grund gehöre ja dem Landkreis, ebenso wie die Halle. »Sind wir da wirklich verpflichtet, die Probleme im Grund mitzutragen?« Das kommentierte Stephan Hohenschutz, Leiter der Rechtsabteilung der Stadt, so: »Zu den Projektkosten gehört auch die Baufeldfreimachung. Das ist natürlich sehr unangenehm, war aber so in keiner Weise vorhersehbar. Das ist jetzt rechtlich so einzuhalten. Aber auch ich bin schon erstaunt, dass das vorher nicht bekannt war.«

»Ich versteh nicht, dass man das Zeug nicht wegfährt, notfalls zwischenlagert, und anfängt, zu bauen«, meinte Ernst Harrecker (CSU) dazu. Und Ernst Haider (UW) meinte: »Das ist jetzt für den Landkreis schon ein Glück, dass die Stadt da so kräftig mitzahlt. Aber ich finde schon, dass man da noch einmal nachverhandeln muss, vielleicht über eine Nutzungsverlängerung.« »Ich bin überzeugt, dass wir eine gütliche Einigung finden«, gab sich Kegel optimistisch.

Christa Fuchs (CSU) gab sich erstaunt darüber, dass die Verseuchung des Erdreichs erst jetzt bekannt wurde: »Die Älteren haben doch genau gewusst, welche Firmen da früher waren und dass man da was finden wird.«

»Der Landkreis hätte nur eine Zweifach-Turnhalle gebaut«

Die Verantwortung der Stadt umschrieb dritte Bürgermeisterin Waltraud Wiesholler-Niederlöhner (SPD) so: »Der Landkreis hätte nur eine Zweifach-Turnhalle gebaut. Die Dreifach-Turnhalle war unser Wunsch, ebenso der Anbau und die Parkplätze. Dadurch ist die Baugrube größer geworden. Die Entsorgung ist schwierig, denn es gibt nur eine Firma, die das Material entsorgen darf. Und da fahren nicht nur wir unser Zeug hin. Deswegen können wir immer nur einen Teil hinbringen, dann müssen wir wieder warten, bis die Entsorgungs-Firma Kapazitäten hat.«

Die Zeitverzögerung schade der Stadt enorm. Denn der Abbruch der Franz-Eyrich-Halle sei dringend, wenn der Salinenpark bis zur Salinenausstellung fertig werden solle. coho