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Aicher plant große Erlebniswelt für Sport und Outdoor

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Bei der Projektvorstellung im Gemeinderat mit dabei waren Bürgermeister Franz Schießl (von links), Projektentwickler Rolf Seidl, Bauingenieur Hans Lindenberger und Johann Thanbichler, der Geschäftsleiter der Gemeinde. (Foto: Mergenthal)

Teisendorf. Der Freilassinger Bauunternehmer Max Aicher plant in Kooperation mit der Kufsteiner Immobilienfirma Unterberger an der Autobahnausfahrt Neukirchen das »Aventura Neukirchen«. Hinter diesem Namen verbirgt sich eine Einkaufs-Erlebniswelt mit dem Schwerpunkt Sport und Outdoor. Ein ähnliches Objekt war in Kiefersfelden geplant gewesen und in letzter Minute gescheitert – laut Aichers Projektentwickler Rolf Seidl vor allem an der ablehnenden Haltung der Stadt Rosenheim.


Im Gemeinderat Teisendorf wurde Aichers Nutzungskonzept nun durch den gebürtigen Teisendorfer und Wahl-Siegsdorfer Seidl und durch den Tiroler Hans Lindenberger vorgestellt. Lindenberger ist als freier Bauingenieur für die Firma Unterberger tätig. Auf der 47 070 Quadratmeter großen Fläche, über die Aicher dort verfügt, sollen Shops mit Gastronomie, ein Hotel, eine Tankstelle und ein Veranstaltungsraum entstehen (siehe Kasten). Das Projekt kostet Seidl zufolge 35 Millionen Euro und schafft rund 150 Arbeitsplätze.

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Bauamtsleiter Peter Steinmaßl geht davon aus, dass anders als bei einer Autobahnraststätte kein Planfeststellungsverfahren nötig ist, sondern nur ein vorhabenbezogener Bebauungsplan. Die Gemeinde bleibe jederzeit Herr des Verfahrens. Eine Schadensersatzpflicht gegenüber dem Antragsteller entstehe nur, wenn sie das Aufstellungsverfahren willkürlich abbricht.

Negativ zu Aichers Plänen äußerte sich Landschaftsarchitekt Wolf Steinert, der für die Gemeinde den neuen Flächennutzungsplan erarbeitet. In seinem von Bürgermeister Franz Schießl verlesenen Schreiben kritisiert er die »absolut städtische Infrastruktur« mit »futuristischer Architektur«, den hohen Flächenverbrauch und die »starken Eingriffe in Natur und Landschaft«. Das Projekt stärke nicht den Markt Teisendorf in seinem Bemühen um Sicherung seiner kleinteiligen Strukturen. Steinert befürchtet eine Kaufkraftverlagerung aus Teisendorf und allen umliegenden Orten sowie Nachteile für den Tourismus und das Ortsbild.

Rolf Seidl hingegen hob den starken Tourismusbezug des Projekts hervor, das eine ideale Lage am »Eingang zum Berchtesgadener Land« habe. Ein Vorgespräch mit Landrat Georg Grabner habe gezeigt, dass dieser bei einer tourismusbetonten Planung eine Chance sieht, dass die Regierung von Oberbayern eine Ausnahme vom »Anbindegebot« macht. Vorausgesetzt, der Gemeinderat steht dahinter. Laut Landesentwicklungsprogramm (LEP) müssen Gewerbegebiete normalerweise an die bestehende Bebauung angebunden sein, was hier nicht der Fall wäre.

Bauingenieur Lindenberger stellte klar, dass das Projekt »stufenweise auf die Region abstimmbar« sei. Die Tankstelle sei nicht zwingend notwendig. So oder so werde die bestehende Tankstelle profitieren. Außerdem könne man beispielsweise darauf reagieren, ob die Region eher ein »Low-Cost«-Hotel braucht wie vorgesehen oder ein höherpreisiges. Er betonte, dass keine »Blechhütten«, sondern »ansprechende Architektur« errichtet werden sollen. Für den Nachwuchs sollen Attraktionen wie ein Sportsimulator, eine Skaterbahn oder eine Hüpfburg entstehen.

Ausführlich diskutierten die Räte das Konzept. Die meisten Wortmeldungen bekundeten eine positive Sicht. Dass es funktioniert, dass Leute von der A 8 abfahren, sehe man an den Outlets in Piding, meinte Vizebürgermeister Gernot Daxer. »Auch ein Hotel könnte dort gut funktionieren«. Es ist laut den Planern vor allem für Autofahrer gedacht, die auf den weiten Weg in den Süden oder in Skigebiete eine Zwischenübernachtung einlegen wollen. »Wir hätten da einmal die Chance, dass wir von der Autobahn profitieren«, sagte Peter Schuhbeck (FWG). Er begrüßte auch, dass die Aventura-Kunden nicht durch die bestehende Ortschaft fahren müssen.

»Alles, was an der Autobahn ist, tut unseren Geschäften nicht weh«, befand Maria Lindner (CSU). Auf Rückfrage von Alois Stadler bestätigte Lindenberg, dass auch regionale Sport- und Gastronomieanbieter sich einmieten können: »Die Region hat das Recht des ersten Fußes.«

Allein die Grünenräte Matthias Spiegelsperger und Edwin Hertlein teilten ausdrücklich Steinerts Bedenken. Hertlein warnte vor einer »Mickymaus-Architektur« und »Gigantomanie«. Arbeitsplätze entstehen seiner Ansicht nach vor allem im Billigsegment. Dies verneinte Projektentwickler Rolf Seidl aber energisch: Selbstverständlich sei geschultes, gutes Personal nötig.

Als Erster riet Norbert Schader (FWG) dazu, mit dem von Bürgermeister Franz Schießl gewünschten Grundsatzbeschluss die Bürgerversammlungen abzuwarten. Seidl erklärte sich auf Anfrage bereit, dort Rede und Antwort zu stehen. Auch CSU-Sprecher Thomas Gasser ist das Projekt zu wichtig, um durch einen voreiligen Beschluss die Bürger zu verprellen. Parteikollege Wetzelsperger führte ins Feld, ihm fehlten noch wichtige Informationen. Auf Antrag von Peter Schuhbeck wurde der Beschluss mit 15 zu drei Stimmen vertagt. vm