Die Wahl zum Direktkandidaten versprach zunächst spannend zu werden, da neben Agnes Thanbichler auch der frischgebackene Waginger Bezirksrat Andreas Huber vorgeschlagen war. Beide Kandidaten stellten sich und ihre Ziele vor, ehe Huber dann überraschend erklärte, dass er Agnes Thanbichler für die geeignete Kandidatin halte und seine Kandidatur zurückzog. Danach war die Wahl nur noch eine Formsache: Thanbichler wurde bei zwei Enthaltungen einstimmig gewählt.
Einen Direktkandidaten aufzustellen sei eine gute Möglichkeit, das Programm der ÖDP öffentlich darzustellen, so der Waginger ÖDP-Vorsitzende Georg Huber. Thanbichler hatte zuvor bereits betont, dass man den anderen Kandidaten das Feld nicht kampflos überlassen wolle. Dies sei gerade in der heutigen Zeit wichtig, in der »Lügner zu Präsidenten und Schurken zu Partnern werden und Volksverhetzer die Menge manipulieren«. In Bayern sei die ÖDP bereits »gut dabei«: mit 460 kommunalen Vertretern, zwei Bürgermeistern und sechs Bezirksräten. Es sei wichtig, die Konzepte und das Programm der Partei mehr unter die Leute zu bringen, denn die ÖDP biete eine echte Alternative. »Ökologisch denken, vorausschauend handeln und sich an christlichen Werten orientieren«.
Thanbichler sieht die Demokratie in Gefahr und betonte, gerade die ÖDP habe in der Vergangenheit Demokratie wirklich gelebt. »Niemand hat so viele Volksbegehren initiiert wie wir.« Durch ihre jahrzehntelange Tätigkeit in der Politik, im Ehrenamt in der Kirche und der Frauenarbeit, bei Bürgerinitiativen, in der Agenda 21, beim Bund Naturschutz, bei attac und beim Agrarbündnis sehe sie sich im Wahlkampf für alle Themen gut vorbereitet.
Die beiden Kreisvorsitzenden Hermann Hofstetter (Traunstein) und Willi Winkler (Berchtesgadener Land) betonten, dass die ÖDP »eine echte Alternative zu den bisherigen Parteien darstellt« und dass die Parteimitglieder nicht den Mut verlieren dürften, auch wenn die bisherigen Wahlergebnisse auf Bundestagsebene nicht so gut gewesen seien.
Nach der Wahl forderte Georg Huber die Mitglieder auf, sich um die Unterstützungsunterschriften zu bemühen; sie lägen in den Rathäusern der Gemeinde auf, sobald der Wahltermin feststehe. Engagiert wurde im weiteren Verlauf des Abends über eine breite Themenpalette diskutiert. Dabei standen umweltpolitische und soziale Themen im Vordergrund, es ging um eine ressourcen- und umweltschonende Landwirtschaft, um eine »humane Kreislaufwirtschaft«, um Energiesparen und gegen Ausbeutung und Gewinnmaximierung zugunsten weniger. Georg Huber resümierte: »Wir denken weiter als die anderen, deswegen verstehen sie uns auch nicht. Wir haben schon Ziele zu Themen formuliert, zu denen die anderen noch nicht einmal die Fragen gestellt haben.« he