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Afrikanische Mädchen allein in Bayern

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In einem geschützten Umfeld entfalten kann sich Luwam im Haus des Caritas-Kinderdorfs in Prien. Dort malt sie nicht nur mit den Sozialpädagogen, sondern lernt unter anderem auch, wie sie Haushaltsgeräte bedient oder sich Geld richtig einteilt. (Foto: Kinderdorf Irschenberg)

Prien – Sie haben ihre Familie allein gelassen und sind ohne Begleitung nach Europa geflüchtet: In einem Haus in Prien werden afrikanische Mädchen vom Team des Caritas-Kinderdorfs Irschenberg auf ein selbstständiges Leben in Deutschland vorbereitet.


Während früher überwiegend männliche Kinder und Jugendliche die Risiken und Strapazen einer Flucht alleine auf sich genommen haben, sind heute immer mehr unbegleitete Mädchen – vor allem aus Somalia und Eritrea – unter den Flüchtlingen. Fünf Afrikanerinnen haben in einer betreuten Wohngruppe in Prien eine neue, sichere Heimat gefunden. Sie hatten sich ohne Eltern auf den Weg nach Europa gemacht, um den Kriegswirren und dem Terror in ihren Heimatländern zu entkommen.

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Ihre gefährliche Flucht dauerte mehrere Monate

Bei ihrer oft monatelangen, gefährlichen Flucht mussten sie sich in Schlepperbooten über das Mittelmeer wagen, was schon so vielen Flüchtlingen zum Verhängnis wurde. Die Mädchen kommen dann in ein für sie unbekanntes Land, in dem zudem eine fremde Sprache gesprochen wird. Sie müssen hier zwar nicht mehr um ihr Leben bangen, sind jedoch halt- und hilflos. »Wir versuchen, den uns anvertrauten Mädchen zunächst ein Gefühl der Geborgenheit zu vermitteln und ihr Vertrauen zu gewinnen«, erklärt Sozialpädagogin Cordula Meyer-Erben, die das Projekt leitet. Schrittweise lernen die Mädchen dann das Leben in Deutschland kennen. »Das beginnt mit alltäglichen Dingen: Wie benutze ich eine Waschmaschine, wie koche ich mit den deutschen Geräten, wie teile ich mir mein Geld ein?« Sozialpädagoginnen aus dem Kinderdorf sind unter der Woche täglich vor Ort, kaufen mit den Jugendlichen ein, kochen und essen gemeinsam mit ihnen oder begleiten sie zum Arzt. An einem Wochenende im Monat werden zudem gemeinsame Freizeitaktivitäten unternommen.

Cordula Meyer-Erben ist stolz auf ihre Schützlinge: »Unsere Mädchen sind hoch motiviert, möchten schnell viel lernen und machen tolle Fortschritte. Deshalb erarbeiten wir mit ihnen schon früh berufliche Perspektiven. Parallel kümmern wir uns um die posttraumatischen Belastungssymptome, unter denen die Frauen nach ihrer Odyssee leiden.«

Zum Deutschkurs nach Rosenheim mit dem Zug

Die Doppelhaushälfte mit Garten, in der die jungen Menschen ein neues, sicheres Zuhause gefunden haben, konnte von der Erika von Boeckmann-Luibl Kinderdorf Stiftung aus Irschenberg erworben werden. Der Standort Prien hat sich laut Meyer-Erben als ideal herausgestellt: »Die Mädchen wohnen in einem geschützten Umfeld und kommen mit dem Zug dennoch gut zum Deutschkurs nach Rosenheim und später zu den weiterführenden Schulen.«

Im Gegensatz zu den unbegleiteten Buben gab es im südostbayerischen Raum für minderjährige Mädchen bisher nur Pflegefamilien, aber noch keine Häuser und Nachfolgeeinrichtungen. Diese Lücke wurde mit dem Haus in Prien geschlossen, zumindest zu einem Teil. fb