weather-image
20°

»Afrika erzählt – vom Klang der Welt 2«

1.0
1.0
Bildtext einblenden
Dröhnender Trommelwirbel der Trommelgruppe »drums to go on sounds of hope« aus Rosenheim im Hintergrund davor der Senegalese Ababakar Sader Sinian beim Tanz sorgten für eine mitreißende Atmosphäre in der Veranstaltung »Afrika erzählt – vom Klang der Welt 2«.

Unterwössen – Bei der interkulturellen Veranstaltung »Afrika erzählt – vom Klang der Welt 2« kamen so viele Besucher in den Wössner Gemeindesaal wie lange nicht.


Die Erzählungen waren ein Schwerpunkt des Abends mit Künstlern aus Eritrea, Senegal, Gambia, Nigeria und aus dem Chiemgau. Es waren Erzählungen auf einem besonderen Niveau. Dass moderne Medien den jahrhundertealten Beruf des Geschichtenerzählers in Mitteleuropa vertrieben haben, das tat am Ende jedem Zuhörer leid. Die Besucher erlebten, wie professionelle Geschichtenerzähler ihren Zauber verbreiten, wie sie in Sprache, Modulation und Rhythmus mit Gesten und Minenspiel den Zuhörer einfingen. Mutiu Ishola, Geschichtenerzähler aus Nigeria, sprach zwar in einer seiner vielen Landessprachen, weil aber ebenso ausdrucksstark Klara Miller-Führen und Organisatorin Annette Hartmann vorher eine Übersetzung lieferten, gelang es dem Nigerianer sein Publikum zu bezaubern.

Anzeige

Andere Geschichten trugen die beiden deutschen Erzählerinnen bei. Ähnlich unseren Fabeln waren es zumeist Geschichten aus dem Tierreich mit einem offensichtlichen Hintergrund im menschlichen Handeln. Die Pointe brachte allzeit überaus kräftiges Lachen, aber auch den bitteren Beigeschmack in der Moral der Geschichte.

Dazwischen spielten Mitwirkende aus Gambia und dem Senegal Musik auf der eritreischen Krar, einem Zupfinstrument, oder der Djembe, einer westafrikanischen Bechertrommel. Dazu tanzte Ababakar Sader Sinian aus dem Senegal, für ihn eine Art Abschiedsvorstellung, weil er demnächst in seiner Heimat ein hier entwickeltes Landwirtschaftsprojekt übernimmt.

Von leichten Einführungen in Instrument und Schlagweise der Bechertrommel ließen sich die Zuhörer schnell mitreißen in den rasenden Wirbel der Trommelschläge. Ein Publikum, das nicht nur den Erzählern an den Lippen hing, sondern auch im Trommelspiel mitwirkte, mit wippenden Füßen den Takt aufnahm und immer wieder kräftigen Beifall spendete.

Geradezu entfesselt ging es in der zweiten Hälfte des Abends zu, als die Trommeln das Regiment übernahmen. Als Gast trat die Trommelgruppe »drums to go on sounds of hope« aus Rosenheim unter der Leitung von Miranda Abwalo auf. Dröhnender Trommelklang füllte von nun an den Gemeindesaal und spaltete dann doch das Publikum. Während sich der weitaus größte Teil vom Wirbel der Trommel und dem ausgelassenen Tanz auf der Bühne anstecken ließ, wurde es dem ein oder anderen Senior doch zu laut.

Trotzdem, im Ergebnis zogen Mitwirkende, Organisatoren und das Publikum ein begeistertes Fazit. Stephan Wegner hatte den Abend für den Veranstalter, die Diakonie Achental, organisiert. Häufig im Mittelpunkt des Abends stand Annette Hartmann.

Die Theaterfrau und Regisseurin aus Oberbrunn in der Gemeinde Pittenhart erzählte uns, wie es zu der Veranstaltungsreihe kam. Sie wollte sich der gestandenen Künstler in den Flüchtlingsströmen annehmen und rief in den Helferkreisen auf. So fanden sich eine ganze Reihe an Profis. Es entstand schließlich das Projekt »Afrika erzählt – vom Klang der Welt«, das im Februar 2016 auf die Bühne kam – mit 15 Mitwirkenden, davon 10 Geflüchtete aus Syrien, Afghanistan, Iran, Senegal, Eritrea. In fünf Aufführungen begeisterte es damals über tausend Menschen.

Inzwischen läuft das Projekt in einer Weiterentwicklung. Es entstehen Module mit jeweils eigenem Thema einer Region, erklärte Hartmann. Während an diesem Abend Afrika das Thema war, kommt das Projekt mit dem Thema Orient am 21. April in das Oberwössner Schulhaus. lukk

Mehr aus der Stadt Traunstein
Schreibwaren Miller