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Achtjährige Haftstrafe für Messerstecherin

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Traunstein – Sie versetzte ihm einen einzigen heftigen Stich in die Brust, doch der war tödlich. Innerhalb von sechs bis acht Minuten verblutete ein 59-Jähriger vor knapp einem Jahr in seiner Rosenheimer Wohnung. Gestern wurde eine 34-Jährige vor dem Schwurgericht Traunstein wegen vorsätzlicher Körperverletzung mit Todesfolge zu einer achtjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Das Gericht ordnete zudem die Unterbringung der Frau in einer Entzugsanstalt an.


Bevor die Rosenheimerin die Therapie antreten kann, muss sie jedoch zwei Jahre vorweg im Gefängnis verbüßen. Die sechsmonatige Untersuchungshaft wird angerechnet. Verläuft die etwa eineinhalb Jahre dauernde Suchtbehandlung erfolgreich, hat die Angeklagte die Chance, nach der Halbstrafe, also nach insgesamt vier Jahren in Gefängnis und Klinik, auf Bewährung entlassen werden.

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Die 34-Jährige sei durch Alkohol und Drogen regelrecht abgestürzt, betonte Vorsitzender Richter Erich Fuchs in der Urteilsbegründung. Im Oktober letzten Jahres sei sie untergetaucht, weil sie eine weitere Freiheitsstrafe hätte antreten sollen. Deshalb habe sie auch nicht bei ihrem 39-jährigen Freund übernachtet, sondern bei dem späteren Opfer. »Es war eine Zweckgemeinschaft«, führte Fuchs aus.

»Sie ist bekannt für ihr aggressives Verhalten«

Am Tattag seien viele Leute zum Trinken zu dem 59-Jährigen gekommen. Zuletzt sei man zu Dritt gewesen. Der 39-Jährige habe die Wohnung verlassen, um mehr Alkohol zu besorgen und sei nach der Rückkehr Zeuge eines Streits zwischen seiner Freundin und dem Wohnungsinhaber geworden. Fuchs schilderte, die Angeklagte sei »bekannt für ihr verbal wie körperlich aggressives Verhalten«. Sie habe schon einmal ihren Freund mit einem Messer gestochen, einen anderen Mann mit einer Bierflasche ins Gesicht geschlagen.

An jenem Nachmittag gegen 17.30 Uhr hatte die 34-Jährige nach Worten von Fuchs mehr Wodka verlangt. Der mit 2,58 Promille alkoholisierte 59-Jährige deutete auf ein Glas auf dem Tisch. Darin war jedoch nur Wasser. Darüber wurde die Frau wütend und stieß das Glas vom Tisch. Der Bekannte blieb aber ruhig. Plötzlich ergriff die Angeklagte ein Messer, stach damit einmal mit Wucht auf den auf dem Sofa sitzenden ein und zog das Messer wieder heraus. Der Stich war »absolut tödlich«, das Opfer sei nach innen verblutet, so der Richter. Zu ihrem Freund habe die Täterin angesichts des Toten gesagt: »Das wollte ich nicht.«

Der Schwurgerichtsvorsitzende hob gestern heraus, die 34-Jährige sei »zweifelsfrei die Täterin«. Von den anderen Besuchern komme niemand in Frage, ebenso wenig der Freund der Angeklagten. Fuchs äußerte hingegen »erhebliche Zweifel« an dem angeblich fehlenden Erinnerungsvermögen, auf das sich die Frau über den Verteidiger berufen hatte: »Sie hat mehreren Personen erzählt, dass sie dem Opfer das Messer reingerannt hat.«

Durch Alkohol und Drogen eingeschränkt

Ein maßgeblicher Gesichtspunkt sei: »Unter Alkohol und Drogen neigt sie zu aggressiven Verhaltensweisen. Es ist ihr nicht wesensfremd, im Rausch auf jemand mit einem Messer loszugehen.« Ein Tötungsvorsatz liege einerseits auf der Hand: »Ein Zeuge hat berichtet, die Frau habe mit Schmackes zugestochen.« Andererseits sei sie durch Alkohol und Drogen in ihrer Steuerungsfähigkeit erheblich eingeschränkt gewesen. Im Ergebnis sei das Schwurgericht dann nicht zu einem Tötungsvorsatz gelangt.

Bei den positiven Aspekten nannte Erich Fuchs: »Die Angeklagte hat die Tat nicht abgestritten und bedauert sie. Außerdem hat sie erkannt, dass es so nicht weitergehen kann.« Dem stünden die Vorstrafen entgegen, »die äußerst gefährliche Vorgehensweise mit einer ganz gravierenden Körperverletzung« und das Fehlen jeglichen Grunds für die Tat: »Es ist vollkommen unverständlich, auf jemand loszugehen, bei dem man übernachtet und mit dem man getrunken hat.«

Eine Freiheitsstrafe von acht Jahren sei schuldangemessen. Die Voraussetzungen für Unterbringung zum Entzug seien erfüllt aufgrund des »Hangs« zu Alkohol und Drogen sowie wegen der Wiederholungsgefahr für ähnliche Straftaten ohne Therapie, schloss Erich Fuchs. Ob das Urteil rechtskräftig wird, war gestern nicht zu erfahren. kd