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Acht Monate Haft wegen Notrufmissbrauchs

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Laufen – Über dem Thumsee soll eine Person mit dunkler Hose und lila T-Shirt abgestürzt sein. Das meldete die 36-jährige Rosenheimerin im Juli 2014. Im November war sie angeblich selbst eingeklemmt unter einem Stein. Beide Male rückte die Bergwacht aus und ein Rettungshubschrauber. Und beide Male war der Alarm falsch. Missbrauch von Notrufen lautete die Anklage am Laufener Amtsgericht gegen die einschlägig vorbestrafte Frau. Nun muss sie für acht Monate hinter Gitter.


Seine Mandantin sei immer noch sicher, im Juli etwas gesehen zu haben, das sich rasch nach unten bewegte, so Rechtsanwalt Jörg Hintermayr. Es könnte freilich auch ein Paragleiter gewesen sein. Staatsanwältin Lisa Oesterle konfrontierte die Frau mit ihren variierenden Aussagen zu ihren Beobachtungen.

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Ein 63-jähriger Reichenhaller Bergwachtler berichtete von dem Einsatz mit acht Bergrettern, zwei Polizeibergführern und Rettungshubschrauber. »Wir haben nichts gefunden und den Einsatz abgebrochen«. Suchen mussten die Einsatzkräfte auch im November 4 im Bereich der Acker Alm Richtung Priener Hütte. Sie sei unter einem Stein eingeklemmt, gab die 39-Jährige an. Wieder rückten zwei Rettungsfahrzeuge samt Besatzungen aus und suchten vergeblich, ehe ein österreichischer Rettungshubschrauber die Frau entdeckte.

»Da kann man gar nicht so reinrutschen«

Ein 48-jähriger Alpinbeamter der Polizeiinspektion Prien sagte: »Es war trocken, weder Eis noch Schnee. Wenn man dort stürzt, kann man gar nicht so reinrutschen, man muss graben, um so hineinzugeraten.« Und dort sei gegraben worden. Sie habe den Fuß so gelagert, wie es am angenehmsten war, erklärte die Frau.

Sechs Einträge hat die 36-Jährige im Bundeszentralregister: Verleumdung, 2009 eine Geldstrafe wegen dreifachen Missbrauchs von Notrufen, 2011 desgleichen und wegen versuchten Betrugs. Im Dezember 2013 wurde sie ebenfalls wegen Missbrauchs von Notrufen zu einer viermonatigen Freiheitsstrafe, ausgesetzt auf zwei Jahre zur Bewährung, verurteilt. Ein Gutachter hatte der Frau eine Persönlichkeitsstörung attestiert sowie eine »intellektuelle Leistungseinschränkung«. Ihr Anwalt sprach von einem IQ von 70.

»Der Angeklagten ist nicht bewusst, was sie tut und was sie damit auslöst«, fasste die Staatsanwältin zusammen. Rettungskräfte und -mittel stünden für einen echten Einsatz in dieser Zeit nicht zur Verfügung. Trotz nicht ausschließbar verminderter Schuldfähigkeit plädierte sie auf neunmonatige Freiheitsstrafe ohne Bewährung.

»Im Gefängnis wird es nicht besser«, meinte ihr Anwalt, seine Mandantin erkenne das Problem nicht. »Dummheit ist nicht strafbar, und hier würde Dummheit bestraft.« Er sah die Frau auf einem guten Weg, habe sie doch seither nichts mehr angestellt. Weil sie ein geregeltes Leben führe und Arbeit habe, erachtete er eine neuerliche Bewährungsstrafe für ausreichend. Dazu sollte ihr psychologischer Beistand zur Seite gestellt werden.

Richterin: Frau bringt Menschen in Gefahr

»Schuldig des Missbrauchs von Notrufen« lautete das Urteil, »dazu Beeinträchtigung von Unfallverhütungs- und Nothilfemaßnahmen.« Die Frau bringe Menschen in Gefahr und binde Kräfte. Sie sehe das Problem der Angeklagten, so die Richterin, aber das wiege nicht ein zweimaliges Bewährungsversagen auf. »Sie war ja schon in Behandlung«, erinnerte sie an Auflagen des Amtsgerichts Rosenheim. Peiß entschied auf acht Monate, »Bewährung ist nicht mehr möglich.« höf

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