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Acht Jahre Kommunalpolitik – jetzt reicht's

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Zum Abschied gab es Geschenke für Monika und Christian Reiter (rechts), und als Tüpferl aufs »i« legte Bürgermeister Herbert Häusl noch das Gemeindewappen drauf. (Foto: H. Eder)

Waging am See – Man wolle Christian Reiter nicht einfach so ziehen lassen, meinte Bürgermeister Herbert Häusl bei der Verabschiedung des scheidenden zweiten Bürgermeisters. Und so hatte die Gemeinde ein Abendessen organisiert mit fast allen Gemeinderäten, Spitzen der Verwaltung und auch Bürgermeistern der beiden anderen VG-Gemeinden. »Ich war schon überrascht, muss ich sagen«, kommentierte er Reiters Entscheidung, aus Waging wegzuziehen.


Besonderes Lob spendete Häusl seinem Stellvertreter für die Vertretung, als er selbst acht Monate krank war: »Es ist nur schwer möglich, eine anspruchsvolle Arbeitsstelle und die Führung einer Gemeinde mit über 300 Mitarbeitern zu bewältigen; Christian Reiter ist das gelungen.« Bei solch einer Arbeitsbelastung könne man keinem Hobby mehr nachgehen, auch das Privatleben werde immens eingeschränkt. Reiter selbst dankte allen, die ihn auf seinem Weg begleitet haben, vor allem auch seiner Familie.

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Reiter ist schon seit fast einem Monat im kommunalpolitischen Ruhestand. Er ist aus der CSU und allen anderen Vereinen ausgetreten, nur dem Löwen-Fanclub bleibt er treu. Auf Kommunalpolitik muss er dennoch nicht verzichten: Er arbeitet als Geschäftsleiter der Stadt Laufen. Zweimal hatte er in den vergangenen acht Jahren als Bürgermeister kandidiert und gegen Herbert Häusl verloren. Nach jeweils lockerem Einzug in den Gemeinderat wurde er aber zunächst dritter und dann zweiter Bürgermeister. Ein drittes Mal habe er es sich und seiner Familie nicht mehr antun wollen, so Reiter im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt.

Auch wenn Vater Willi Reiter schon seit einem gefühlten halben Jahrhundert im Gemeinderat sitzt – bei Sohn Christian kam das gemeindliche Engagement eher aus dem Beruf, der ihn ins Umfeld vieler Politiker geführt hat. Denn nach seiner Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten und -fachwirt und einigen Dienstjahren im Landratsamt wurde er Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Integration, danach persönlicher Referent des Landrats.

In dieser Funktion – erst später folgten die Posten als Geschäftsleitender Beamter in Trostberg und dann in Laufen – sei er in der Kommunalpolitik angekommen. In Waging habe ihn der damalige CSU-Vorsitzende Walter Staudinger angesprochen. Und so habe er der »großen Verlockung« nachgegeben, sich um den Posten des Bürgermeisters zu bewerben. Leute, die einem da zureden, gibt es stets reichlich. Doch sein eigenes Ergebnis und auch das der Partei waren enttäuschend. Als kommunalpolitischer Anfänger musste man das einkalkulieren, aber es war ja noch nicht aller Tage Abend.

»Da war ich richtig hinüber«

Sechs Jahre später war Reiters Ergebnis zwar deutlich besser, aber er war noch enttäuschter; hatte er sich doch erhofft, sich durch seinen unbestrittenen kämpferischen Einsatz im Gemeinderat, in der Gemeinde, als Sozialreferent, als dritter Bürgermeister einen Bonus erarbeitet zu haben. Dass die CSU nur noch mit Müh und Not den bisherigen Stand geschafft hat, hat Reiter gewaltig erschüttert: »Da war ich richtig hinüber«, gesteht er.

Doch dann war er wieder da, mit gleichem Einsatz wie vorher, und dann kam die Krankheit von Bürgermeister Herbert Häusl. Da musste Reiter plötzlich den Bürgermeister geben. Er tat das mit enormem Einsatz, der seine Reserven weitgehend aufbrauchte, der ihn vor Stress nicht mehr schlafen und ihm kaum noch freie Zeit ließ. Gleichwohl aber hat ihm die Arbeit Spaß gemacht, und er hat – darin stimmen alle überein, die ihn in dieser Zeit erlebt haben – diese Arbeit richtig gut gemacht. Damit hat er bewiesen, dass er das kann.

Unter normalen Umständen hätte er die Wahlperiode schon noch durchgezogen, wenn nicht das Schicksal ihm eine schöne, zentral gelegene städtische Wohnung in Laufen geboten hätte, sodass er und auch sehr gern seine Frau zugegriffen haben. Denn beide arbeiten in Laufen, die Töchter sind aus dem Haus. So bot sich hier die Chance, am Arbeitsort zu wohnen. Beide finden es schön, wieder mehr Zeit zu haben. Und Reiter hat erlebt, dass sich ohne die nervliche Anspannung der Kommunalpolitik viel entspannter einschlafen lässt. he