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Achental-Tafel bereitet sich auf Wiedereröffnung vor

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Für geschätzt 200 Bedürftige aus dem Achental ist die Achental-Tafel Quelle für Lebensmittel und frisches Gemüse. Denen brachte der Corona-Stopp des Angebots schwierige Zeiten. Voraussichtlich zum 23. Mai lebt die Achental-Tafel wieder auf. (Foto: Flug)

Marquartstein – Wenn der moderne Mensch der Corona-Pandemie etwas Positives abgewinnen kann, dann sind es der Einfallsreichtum, das Engagement und das soziale Gewissen der Mitmenschen. Im Achental haben diese Eigenschaften in der Achental-Tafel in Marquartstein ein Zuhause.


»Lebensmittel retten, Menschen helfen«, steht über dem Konzept der knapp 950 Tafeln in Deutschland. Die Tafeln in Deutschland sichern Lebensmittel vor der Vernichtung und versorgen so 1,65 Millionen Bezugsberechtigte mit immer noch frischen Lebensmitteln wie Obst und Gemüse. Neben der Existenzsicherung mit Lebensmittel sind die Tafeln darauf ausgerichtet, den Bedürftigen sozialen menschlichen Kontakt zu ermöglichen. So peinlich solche Einrichtungen für einen reichen, modernen Sozialstaat sein mögen, das Modell hat seinen Platz gefunden.

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Über viele der Tafel-Kunden kam das Corona-Virus wie ein Paukenschlag. Viele Tafeln stellten als präventive Maßnahme sofort ihren Betrieb ein. Auch die Warenspenden an die Tafeln gingen vielerorts zurück.

Auch die Achental-Tafel schloss sehr frühzeitig am 23. März, die rund 40 ehrenamtlichen Helfer, die mit ihren Privatfahrzeugen die Waren in den Unternehmen abholten, stellten die Arbeit ein. Doch das fünfköpfige Leitergremium um Leiterin Elke A. Sommer ließ die Kunden nicht allein.

Vor allem das Golfressort Achental und der Lions Club Marquartstein-Achental spendeten im Jahresanfang. Jetzt versandte die Achental-Tafeln aus diesem Geld Warengutscheine an die Tafel-Kunden. Auch nach der Anfangszeit ermöglichte der Lions Club weiter Woche für Woche, Gutscheine an die Kunden zu versenden, freut sich Elke Sommer. Und sie blickt auch weiter nach vorne: »Wir planen die Achental-Tafel zum 23. Mai wieder zu eröffnen.«,

Um das Wie gebe es jedoch noch viele Fragen. Eine der drängendsten beantwortete jetzt erneut der Lions Club. Er spendete noch einmal 2000 Euro. »So können wir noch weiter aushalten«, sieht Elke Sommer den noch ausstehenden Bedarf von 2100 Euro gedeckt.

»Die Corona-Pandemie verlangt uns allerdings neue Regeln für den Umgang mit Ehrenamtlichen und Kunden ab. Ein einheitliches Modell für Tafeln gibt es nicht«, sagt Sommer. »Zu unterschiedlich sind die Tafeln und ihre Angebote strukturiert. Wir werden unsere eigenen Regeln ausarbeiten.«

Das bisherige Modell, nach dem der Kunde für einen Euro die Auswahl unter den Lebensmitteln hatte, wird es nicht mehr geben, fürchtet Sommer. Man denke darüber nach, vorbereitete Pakete auszugeben. »Noch ist nichts entschieden. Wir treffen uns am Dienstag der kommenden Woche innerhalb der fünfköpfigen Leitung, um ein Modell ausarbeiten. Dann wissen wir mehr.«

68 Berechtigungsscheine hat die Achental-Tafel nach einer Bedürftigkeitsprüfung ausgegeben. Daran hängen mit Familien wesentlich mehr Leute. Die Kunden reichen von Alleinstehenden bis zur großen Familie. »Ich schätze mal, dass wir bis zu 200 Personen versorgen.«

Ob der Bedarf mit der Corona-Krise gestiegen ist, kann Elke Sommer noch nicht sagen. »Wir haben derzeit keinen Kontakt zu unseren Kunden, weil wir die Gutscheine versenden.« Was nach der Wiederöffnung am 23. Mai passiert, lasse sich schwer sagen. »Vielleicht hält die Angst vor dem Corona-Virus auch bisherige Bezieher ab«, fürchtet Sommer.

Das Verhältnis einer Tafel zu ihren Beziehern sei immer etwas fragil. Sommer: »Häufig spiele hinein, dass die Abnehmer nicht immer auf dem Kenntnisstand der Zeit sind, zum anderen scheuen sich die Leute von Haus aus, zu uns zu kommen.« Kunden kommen über soziale Hilfsorganisationen zur Tafel. In den Arztpraxen liegen Flyer der Tafeln aus. »Einige Personen sprechen wir auch an, wenn sie uns in ihrer Situation auffallen«, beschreibt sagt Sommer. »Andererseits wollen wir aber nicht zu aufdringlich sein. Zumeist verhalten wir uns still. Oft bringen unsere Kunden weitere mit, denen sie von der Tafel erzählt haben. Das ist dann der beste Weg.« lukk

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