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Achentalgemeinden wollen Zufahrt über Grabenstätt

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Stein des Anstoßes und Streitobjekt: Das Hinweisschild an der Autobahn bei Bernau, das die Autofahrer über Bernau und Grassau nach Reit im Winkl lotsen soll. (Foto: Ostermaier)

Reit im Winkl. Viel Lob hatten die Verantwortlichen in der Reit im Winkler Gemeindeverwaltung im vergangenen Herbst erhalten: Nach langen Verhandlungen mit der Autobahndirektion war es gelungen, an der Autobahn ein Hinweisschild aufstellen zu dürfen, das auf Reit im Winkl und Winklmoosalm hinweist. Auch dem ortsansässigen Grafiker Michael Ruh war für die aussagekräftige Gestaltung von vielen Bürgern am Ort hohe Anerkennung gezollt worden.


Seit November steht das Schild mit dem Zusatzhinweis »via Marquartstein« also in südlicher Richtung vor der Ausfahrt Bernau und dies zur Freude vieler Reit im Winkler, insbesondere derer, die sich davon wirtschaftliche Vorteile versprechen. »Als wir davon gehört haben, sind wir aus allen Wolken gefallen«, sagt dagegen Rudi Jantke, der Grassauer Bürgermeister stellvertretend für einige Gemeinden, die entlang der nach Reit im Winkl führenden Bundesstraße 305 unter hohem Durchgangsverkehr leiden.

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Jetzt ist das bayerische Innenministerium mit dem Streitfall befasst: Während Reit im Winkl das Schild an Ort und Stelle belassen sehen will, drängen die »Durchfahrtsgemeinden« vehement auf Versetzung an die Ausfahrt Grabenstätt.

Das hohe Verkehrsaufkommen an Autos, Lastwägen und Bussen, der damit einhergehende Lärm und die Abgasbelastung stellt Jantke als das »größte Problem« vieler an der B 305 gelegenen Orte dar: »Wir ersticken im Verkehr«. Seinen Ausführungen zufolge habe eine Verkehrszählung in Grassau in den 90er Jahren ergeben, dass die Marktgemeinde täglich 15 000 Fahrzeuge passieren, an Spitzenzeiten während der Ferien seien bis zu 26 000 registriert worden. Deshalb habe man vor einigen Jahren zusammen mit der Gemeinde Bernau erwirkt, dass der Ortsname Reit im Winkl von der Übersichtstafel an der Autobahnausfahrt vor Bernau entfernt werde.

Der Urlaubsverkehr sollte stattdessen über die Ausfahrt Grabenstätt in den Bergort geleitet werden. Reit im Winkl dagegen hat großes Interesse daran, dass tatsächliche oder potentielle Feriengäste möglichst einfach an ihr Ziel geleitet werden. Deshalb hat sich die Gemeinde für die Aufstellung der »touristischen Unterrichtungstafel« stark gemacht. »Diese Route ist seit jeher bekannt, die Navigationssysteme der Fahrzeuge wählen diesen Weg aus«, erklärt dazu der Reit im Winkler Bürgermeister Josef Heigenhauser. Zudem würden viele Orte in der Region insbesondere im Winter vom touristischen Angebot in Reit im Winkl profitieren. Dazu müssten die Gäste von außerhalb auch in den Bergort gelangen können, so Heigenhauser, der für die Beeinträchtigungen der Anwohner durchaus Verständnis zeigte. Sollten aber Fahrzeughalter, die nach Reit im Winkl wollen, künftig über Grabenstätt geleitet werden, dann solle dies auch für die Bewohner anderer Orte wie eben Marquartstein gelten, sonst sei dies eine ungleiche Behandlung zulasten von Reit im Winkl, wie Heigenhauser weiter argumentiert.

Mittlerweile hat die Gemeinde Grassau beim bayerischen Innenministerium gegen das Schild an der Autobahn Beschwerde eingelegt, dort hat man offenbar auch der gewünschten Versetzung zunächst zugestimmt. Dagegen hat allerdings Reit im Winkl seinerseits schriftlich protestiert. Ergebnis: Nun wurde der Fall zurückgestellt, so der stellvertretende Pressesprecher des Ministeriums, Michael Siefener.

Über den weiteren Verlauf des Verfahrens konnte er aber nicht allzu viel sagen: »Wir bitten zunächst die betroffenen Gemeinden um eine ausführliche Stellungnahme, um die Lage genau prüfen zu können.« Bis wann eine Entscheidung ansteht, konnte er dagegen nicht prognostizieren. ost