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Abwasserproblematik durch Tiefenbohrung gelöst

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Mit der Errichtung eines Sickerschachtes von rund 22 Metern Tiefe am Rande des Sickerbeckens an der Waldhofstraße ist die Abwasserproblematik gelöst. Für die Tiefenbohrung erteilte der Gemeinderat seine nachträgliche Genehmigung; die Kosten belaufen sich auf 18 617 Euro. (Foto: Volk)

Nußdorf – Nachträglich genehmigte der Nußdorfer Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung die Vergabe der Arbeiten für eine Tiefenbohrung am Sickerbecken an der Waldhofstraße. Einstimmig wurde der Auftrag an die Firma Georg Mayer aus Schechen vergeben. Die Auftragssumme für die Tiefenbohrung beträgt 18 617 Euro. Bürgermeister Hans Gnadl erläuterte, dass die Tiefenbohrung dringend notwendig wurde, weil die Entwässerung über das Sickerbecken, das westlich der Waldhofstraße errichtet worden ist, nicht wie berechnet und erwartet funktioniert.


Vorgabe sei, dass das Oberflächenwasser, das unter anderem aus dem neuen Baugebiet »Am Oberfeld« in das Becken eingeleitet wird, innerhalb von 24 Stunden vollständig versickert. Länger als 24 Stunden darf das Wasser nicht auf der Grasnarbe im Sickerbecken verbleiben, so die Vorgabe des Wasserwirtschaftsamts. Von den Fachbehörden wurde deshalb »als absolute Ausnahme eine Tiefenbohrung genehmigt«, wie Bürgermeister Gnadl betonte. Das Wasserwirtschaftsamt stimme generell nur einer Entwässerung über eine sogenannte »belebte Oberbodenzone« zu, eine Tiefenbohrung sei der »allerallerletzte Schritt«, so Gnadl.

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Weil das im Becken gesammelte Oberflächenwasser nicht schnell genug im Untergrund versickert und das Wasserschutzgebiet des Nußdorfer Brunnens weit entfernt ist, stimmte die Fachbehörde einer 22 Meter tiefen Bohrung zu. Über einen Überlauf vom Sickerbecken in den Schacht wird nun sichergestellt, dass das Oberflächenwasser rasch versickert und nach Starkregen nicht über Tage hinweg im Sickerbecken steht.

»Schluckversuch« verlief positiv

Nach Fertigstellung der Tiefenbohrung wurde ein sogenannter »Schluckversuch« durchgeführt, der positiv verlief. Eine große Wassermenge, die in das Sickerbecken beziehungsweise den Schacht gepumpt wurde, versickerte im erwarteten Zeitraum. Eine zweite Tiefenbohrung, wie schon befürchtet, sei deshalb nicht notwendig, wie der Bürgermeister erleichtert mitteilte.

Franz Purzeller äußerte sich kritisch über die Fachbehörden und das Planungsbüro. »Wenn auf Berechnungen der Fachleute kein Verlass ist, müssen wir vor Ausweisung eines neuen Baugebiets möglichst selbst versuchen festzustellen, ob die Entwässerung funktionieren kann.« Bei den nun nachträglich genehmigten 18 617 Euro für die Tiefenbohrung wird es vermutlich nicht bleiben. Die Bohrarbeiten waren umfangreicher als zunächst angenommen und angeboten. Bürgermeister Gnadl und die Verwaltung sind derzeit noch in Verhandlungen mit der ausführenden Firma.

In der Sitzung genehmigte der Gemeinderat außerdem die Errichtung eines Wohnhauses mit Garage an der Kreuzbergstraße in Sondermoning. Den Bauantrag hatte das Ratsgremium schon einmal behandelt, nun legte der Bauwerber einen geänderten Plan vor. Diesen genehmigte der Gemeinderat ohne Gegenstimme, einer leichten Überschreitung der Baugrenzen und des Gebäudetyps stimmte das Gremium zu, ebenso der Erstellung eines zusätzlichen Stellplatzes. Der Gemeinderat legte zudem fest, dass die Höhenlage vor dem Einbringen der Bodenplatte von der Baubehörde im Landratsamt kontrolliert werden soll.

Keine Gegenstimmen gab es außerdem zu einem Antrag auf Neubau einer Garage mit Geräteraum und eines überdachten Freisitzes an einem bereits genehmigten Wohnhaus am Esterweg in Sondermoning.

Vom Gemeinderat zur Kenntnis genommen und gebilligt wurden die Jahresabschlüsse 2007 bis 2011. Beschlossen wurde zudem die Weitergabe an die Kommunalaufsicht im Landratsamt. Mit Umstellung der Finanzbuchhaltung der Gemeinde von der Kameralistik auf Doppik im Jahr 2007 waren die Jahresabschlüsse aus verschiedenen Gründen nicht erstellt worden. Zu Beginn dieses Jahres wurde der Gemeinde von der Kommunalaufsicht ein Termin zur Vorlage der Jahresabschlüsse bis zum Jahresende gestellt.

Daraufhin beauftragte der Gemeinderat eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mit der Erstellung der fehlenden Jahresabschlüsse. Fristgerecht wurden diese nun erstellt und dem Gemeinderat vorgelegt. Die Wirtschaftsprüfer werden im Auftrag der Gemeinde im neuen Jahr die Jahresabschlüsse bis 2016 erstellen. Bürgermeister Gnadl zeigte sich zuversichtlich, dass nach personeller Neubesetzung der Kämmerei, für die derzeit eine Stellenausschreibung läuft, wieder eine geregelte und termingerechte Finanzbuchhaltung gewährleistet ist.

Bürgermeister kritisierte Landtagsabgeordnete

Seinen Unmut äußerte der Rathauschef über eine Anfrage der Grünen-Landtagsabgeordneten Gisela Sengl an das Bayerische Innenministerium. Sengl wollte wissen, wie es um die Finanzlage der Gemeinde Nußdorf stehe, nachdem sie von den fehlenden Jahresabschlüssen gehört hatte. Gnadl sagte, er freue sich, wenn die im Gemeindegebiet wohnende Stimmkreisabgeordnete Interesse an der Gemeindepolitik habe. Wenn sie dazu jedoch Fragen habe, könne sie jederzeit zu ihm ins Rathaus kommen oder auch bei der Geschäftsleitung der Gemeinde Auskunft erhalten. Eine Anfrage beim Innenministerium sei deshalb nicht notwendig. pv