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Abschleppdienst statt Tankstelle in Übersee

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Übersee. Aus für die Tankstelle im Gewerbegebiet Moosen II: Zufrieden zeigten sich die Gemeinderäte in der jüngsten Sitzung mit Schlusspunkt und Neuanfang, den sie mit der Einleitung des Änderungsverfahrens für den Bebauungsplan Gewerbegebiet Moosen II setzten.


Werkstatt mit Dienstwohnung geplant

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Mit der neuen Tankstelle in Grabenstätt an der Autobahn sei das Projekt von der Wirklichkeit eingeholt, fanden einige Räte. Den Neuanfang unternimmt jetzt ein Mietenkamer Abschleppunternehmer auf dem betreffenden Grundstück. Er möchte in verkehrsgünstiger Lage ein Abschleppunternehmen ansiedeln mit 24-Stunden-Abschleppdienst und -Pannenhilfe, Kfz-Meisterbetrieb, Oldtimerservice und Mietwagenvermittlung.

Dazu plant er eine Werkstatt mit Büro, eine Fahrzeughalle für Abschleppwagen und Unfallautos, einen Kundenwarteraum und eine Dienstwohnung für das täglich wechselnde Bereitschaftspersonal. Für eine solche Nutzungsänderung muss der Bebauungsplan geändert werden. Dem stimmte der Gemeinderat einstimmig zu.

Als Folge des Juni-Hochwassers gab es weiter einen Antrag auf Änderung der Ortsabrundungssatzung »Feldwies« für den Beginn des Konradweges. Der an dem Grundstück vorbei fließende Überseer Bach hatte den von der Satzung umfassten Innenbereich des Grundstücks unter Wasser gesetzt. Der Außenbereich des Grundstücks war jedoch überwiegend trocken geblieben. Die Antragsteller wollen ihr gewerbliches Lager mit feuchtigkeitsempfindlichen Materialien in den Außenbereich des Grundstücks verlegen, und Nebengebäude bauen.

Schon im vergangenen Jahr hatten die Antragsteller den Bauausschuss einmal überzeugt, damals scheiterte das Projekt am Landratsamt, das keine Privilegierung sah, die den Bau im Außenbereich gerechtfertigt hätte. Jetzt brachte das Hochwasser neue Dringlichkeit. Die Antragsteller beantragen im ersten Schritt die Erweiterung der Grenzen der Ortsabrundungssatzung auf ihrem Grundstück. So könnten die geplanten Nebengebäude in das Satzungsgebiet einbezogen werden. Ohne Diskussion stimmte der Gemeinderat dem zu.

Auch ein Änderungsverfahren für den Bebauungsplan »Almfischer 11« beschäftigt den Gemeinderat schon seit Monaten. Der Grundeigentümer möchte die Stellplatzanlage für Wohnmobile erweitern. Die Behörden äußerten verschiedene Bedenken. Das Gebiet befindet sich im direkten Zustrom auf eine private Trinkwassergewinnungsanlage, das Gesundheitsamt befürchtet Infektionen.

Erst waren nur 46 Stellplätze beantragt, dann 72

Das Wasserwirtschaftsamt hat verschiedene Vorgaben gemacht. Der Gemeinderat diskutierte außerdem Lärmimmissionen und machte sich Gedanken um die gewerbliche Entwicklung. Der Antragsteller hatte zudem zunächst die Erweiterung der Anlage von 22 auf 46 Stellplätze beantragt. Auf die Auflage hin, das räumlich kompakter zu gestalten, plane er nun 72 Stellplätze, hieß es.

Nicht nur Hans Schönberger (FBL) erschien die Anlage zu groß. Er empfahl, aus den blockartig angeordneten Stellplätzen einen Block zu entfernen, was auf 58 Stellplätze verringert hätte. Klaus Stöger (CSU) befürchtete nicht nur mehr Verkehr, sondern auch mehr Haustiere und damit Hundekot bis zum Achendamm. Darin sah auch Hans Schönberg eine Gefahr für die landwirtschaftlichen Flächen.

»Es geht hier nicht um Hundeverhinderung«, hielt Anton Stefanutti (Grüne) dem entgegen, »sondern um eine Erweiterung einer Wohnmobilanlage«. Der Antragsteller werde seinen Bedarf abgewogen und danach geplant haben, so Stefanutti. Der Wohnmobilmarkt scheine zu wachsen. »Wir sollten einen Unternehmer, der so plant, nicht einschränken. Wenn eine Gemeinde eine geplante Betriebsgröße beschränken möchte, halte ich das für problematisch«, warnte Stefanutti.

Auch Ludwig Ertl (FBL) sagte, er halte das für eine geordnete Planung. Einen Bedarf erkenne er auch. Und immerhin komme die touristische Nutzung dem Ort zugute. Ob allerdings so viele Stellplätze erforderlich seien, das lasse er offen.

Stöger riet zu Bedacht. Immerhin sei der Antragsteller nicht der einzige Anbieter. Mit vielen Stellplätzen an einem Ort schaffe der Gemeinderat ein Präjudiz für die Mitbewerber. Auch Bürgermeister Marc Nitschke (CSU) riet zur Mäßigung. Die Erweiterung sehe er grundsätzlich positiv. Aber 72 Stellplätze halte er im ersten Schritt für etwas übertrieben. Vielleicht könne sich der Rat auf eine geringere Anzahl verständigen, aber die Möglichkeit zur Erweiterung offen halten.

Der Antragsteller soll seine Pläne genauer darlegen

Werner Linzmeier (SPD) schlug vor, den Antragsteller sein Konzept darlegen zu lassen. »Wenn wir wissen, warum er eine Erweiterung möchte, können wir das besser nachvollziehen.« Am Ende unterstützten nur drei Gemeinderäte den Antrag, 13 stimmten dagegen. Die Verwaltung wird dem Antragsteller empfehlen, einen abgeänderten Antrag einzureichen und den ausführlicher zu begründen. lukk