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Abmagerungskur für intensiv genutzte Wiese

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Die Streuobstwiese in Kirchstein wird im Heudrusch-Verfahren ökologisch aufgewertet. Bei der Aussaat durch Joe Engelhardt (Mitte) sind auch Landschaftsarchitekt Helmut Mühlbacher (links) und Bürgermeister Hans-Jörg Birner dabei. (Foto: Caruso)

Kirchanschöring – Wie man aus einer einst intensiv landwirtschaftlich genutzten und gedüngten Wiese eine magere Blumen- und Kräuterwiese macht, können die Kirchanschöringer derzeit an der Ausgleichsfläche für das Baugebiet »Ost II« an der Hipflhamer Straße erfahren.


Das Planungsbüro Mühlbacher und Hilse in Traunstein arbeitete einen Grünordnungsplan aus, der unter anderem die Ausgleichsfläche rechts der Straße von Lampoding Richtung Kirchanschöring neben dem Stadion »Schwarze Erde« in Kirchstein enthält.

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Sie ist bereits mit jungen Streuobstbäumen bepflanzt. Die Ausgleichsfläche sei gut geeignet, weil man Tieren und Pflanzen mehr Lebensqualität bieten könne, betonte Helmut Mühlbacher bei einem Ortstermin mit Bürgermeister Hans-Jörg Birner und Joe Engelhardt von der Firma Engelhardt.Ökologie aus Oberhaching. Das erreiche man mit einer Wiese aus blühenden Kräutern und Blumen, die nach der Einsaat im Heudrusch-Verfahren zweimal im Jahr gemäht und nicht gedüngt wird.

Samen von ökologisch wertvollen Wiesen

Beim Heudrusch-Verfahren wird zunächst die ökologisch wertvolle Wiese eines vergleichbaren Standorts geerntet, um Samen als Saatgut zu erhalten. Dabei handle es sich um bestmögliche Biotope und Naturschutzgebiete, die das lokale Artenspektrum möglichst vollständig repräsentieren. Diese finde man meist sogar in derselben Gemeinde. Spenderflächen habe man am Kirchanschöringer Bahndamm und in Richtung Hof gefunden.

Das Saatgut dieser Flächen, das auch weitere Teile wie Spelzen, Moos und Bodenkeime enthalte, bringe man auf der Ausgleichsfläche aus. »Das Ergebnis sind Pflanzengemeinschaften, die in ihrer Art ein exaktes Abbild der natürlichen Vorbilder sind«, sagte Engelhardt.

Das sei zum Erhalt der biologischen Vielfalt wichtig. »Bei uns geht es nicht nur um die Vielfalt der Arten, sondern auch um die Vielfalt innerhalb der Arten«, betont der Heudrusch-Spezialist, ehe er in die Wanne mit den Samen greift, um sie auf den drei Meter breiten Streifen alle zehn Meter zwischen den Bäumen per Hand auszusäen. »Mit der Zeit weiten sich die Streifen ganz von alleine aus.« Am besten gedeihen die Sämereien auf mageren Böden. Die Wiese sei früher gedüngt worden und entsprechend fettreich. Heudrusch trage zur langsamen Abmagerung des Bodens bei, dem allmählich Nährstoffe wie den Stickstoff entzogen würden. Erst mit den Jahren entwickle sich das gewünschte Blütenmeer.

Hochwertige Lebensräume innerhalb kürzester Zeit

Innerhalb kürzester Zeit entstünden hochwertige Lebensräume mit Pflanzengemeinschaften, die seit Jahrhunderten an Boden und Klima angepasst sind. »Die floristische Identität der Region und deren biologische und genetische Vielfalt bleiben bewahrt. Florenverfälschungen sind ausgeschlossen«, so Engelhardt.

Birner erklärte dazu, die Gemeinde überlasse die Fläche praktisch pachtfrei einem Landwirt. Der könne nicht nur das Heu nutzen, das Pferdehalter wegen des niedrigen Eiweißgehalts bevorzugten, sondern auch die Flächenprämie. Damit komme man Landwirten entgegen, denn ökologisch wertvolle Grünlandflächen würden oft unregelmäßig abgeweidet und seien teilweise mit Gehölzen bewachsen. Bei solchen Flächen gebe es oft Probleme mit der Anerkennung bei Anträgen auf Direktzahlungen und der behördlichen Kontrolle. »Die Äpfel der Streuobstbäume dürfen aber alle ernten.« Die Pflege übernehme der Landschaftspflegeverband Traunstein. ca