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»Abfindung ersetzt aber keinen Arbeitsplatz«

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Georg Schneider von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (links) und Coca-Cola-Betriebsratsvorsitzender Frank Buschmann hoffen auch auf die Unterstützung der Stadt Traunreut, die sie in die Pflicht nehmen wollen. (Foto: Pia Mix)

Traunreut – Dass Coca Cola einige Niederlassungen in Deutschland, darunter auch in Traunreut, schließen will (wir berichteten), traf die Mitarbeiter hart. »Bei uns am Standort hat alles gepasst, wir waren wie eine große Familie und jeder hat wohl gedacht, dass er hier bis zur Rente arbeiten kann. Es ist schon ein großer Schock für viele der Kollegen«, erklärt Betriebsratsvorsitzender Frank Buschmann im Gespräch mit unserer Zeitung. Nun müssten in den nächsten Wochen und Monaten die genauen Rahmenbedingungen festgelegt werden. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten NGG steht den Beschäftigten dabei zur Seite und berät jeden individuell, wie die berufliche Zukunft aussehen kann.


Von der für nächstes Frühjahr angekündigten Schließung des Coca-Cola-Standortes Traunreut und dem damit verbundenen Stellenabbau sind nach neuesten Zahlen 22 der 40 Mitarbeiter betroffen. Sie sind ab Ende Mai 2017 arbeitslos. Die restlichen Beschäftigten sind im Außendienst tätig und werden weiterhin Arbeit haben. Im Unternehmen existiert ein überaus guter Sozialplan, der den ausscheidenden Mitarbeitern hohe Abfindungszahlungen zusichert. »Eine Abfindung ersetzt aber keinen Arbeitsplatz«, betont Georg Schneider von der NGG. Die Gewerkschaft habe in jahrelangen Bemühungen diese guten Bedingungen und den Sozialplan erkämpft, darauf sei man auch stolz.

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Für alle Betroffenen gibt es nun von der NGG ein Beratungsprogramm, mit dem geholfen werden soll, dass jeder die richtige Entscheidung für seine Zukunft trifft. Es gilt festzulegen, ob die Abfindung in einer Summe oder in Raten ausbezahlt wird, wie die steuerliche Seite dabei aussieht und inwieweit eine Fort- oder Weiterbildung damit finanziert werden kann.

Sicherlich würden einige der Kollegen auch in anderen Betrieben in der Region unterkommen, glauben Georg Schneider und Frank Buschmann, betonen aber: »Arbeitsplatz ist nicht gleich Arbeitsplatz. Wir verlieren hier sehr hochwertige Plätze.« Es werde schwer werden, gleichwertige Alternativen zu finden, mit Einbußen müssten die Beschäftigten wohl in jedem Fall rechnen.

Schwierig werde es vor allem auch für die 50-Jährigen und älteren. »Im Alter von 50 und mehr bist du nicht mehr die Nummer eins, da musst du dich dann wieder hinten anstellen«, betont Frank Buschmann. Die zum Teil sehr lange Firmenzugehörigkeit von 20 Jahren und mehr sei dann natürlich hinfällig und man müsse in einer neuen Firma ganz von vorne anfangen. Rentennahe Jahrgänge könnten mit der Abfindung eventuell grade so bis zum tatsächlichen Eintritt in die Altersruhe auskommen. Schwieriger wird es für alle diejenigen, die in dem Alter noch eine neue Arbeit suchen müssen.

Hier baut die Gewerkschaft ganz stark auch auf die Unterstützung der Stadt Traunreut. »Wir wollen Stadt und Kommunalpolitik in die Pflicht nehmen, dass sie für die Beschäftigten der Coca Cola Türen in den übrigen Traunreuter Unternehmen öffnen. Wir erhoffen uns da Gehör und sind gespannt, was dazu aus dem Rathaus kommt«, hebt Georg Schneider hervor.

Man werde deshalb auch beim Bürgermeister vorstellig werden und ihn persönlich um Unterstützung bitten. »Die Nachricht von der Schließung hat die Kollegen hart getroffen, manche von ihnen wissen im Moment überhaupt nicht, wie es weitergehen soll«, weiß Frank Buschmann. Die Beschäftigten seien alle in der Region verwurzelt, hätten hier zum Teil Haus und Familie. mix