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»Aberwitziges Abbiegemanöver«

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Der 23-jährige Unfallverursacher erhielt eine hohe Geldstrafe und ein Fahrverbot.

Bei einem »aberwitzigen Abbiegemanöver« mit seinem Auto, so Amtsrichter Maximilian Lermer gestern im Prozess gegen einen 23-jährigen Anlagenbauer, verlor ein 46 Jahre alter Motorradfahrer aus Trostberg am 23. April 2016 sein Leben. Der Unfall ereignete sich an einer sogenannten »Z-Kreuzung« auf der Staatsstraße 2357 zwischen Schnaitsee und Kienberg. Bei dem Frontalzusammenstoß erlitt der Motorradfahrer lebensgefährliche Wirbelsäulenverletzungen und ein Polytrauma im Kopfbereich, das letztlich zum Tod führte. Der Mann hinterließ Ehefrau und drei minderjährige Kinder. Der Unfallverursacher erhielt gestern eine hohe Geldstrafe und ein Fahrverbot, ausgenommen für Traktoren.


Der 23-Jährige war damals bei trockener Fahrbahn und Tageslicht gegen 18.40 Uhr mit seinem BMW auf der Gemeindeverbindungsstraße von Emertsham bei Tacherting in Richtung Harpfing auf der Heimfahrt von einem Fußballspiel. Alkohol hatte er nicht getrunken. An der Einmündung in die Staatsstraße 2357 Trostberg-Kienberg-Schnaitsee bog er nach rechts in Richtung Harpfing ab, um umgehend wieder nach links in die Gemeindeverbindungsstraße in Richtung Maurach und Obing zu steuern. Hierbei übersah der Anlagenbauer den auf der Staatsstraße aus Richtung Schnaitsee mit etwa 90 Stundenkilometern entgegenkommenden Motorradfahrer, der zwar nicht das Abblendlicht, aber das Standlicht an seiner Maschine eingeschaltet hatte. Das ergab sich später aus dem unfallanalytischen Gutachten. Der Motorradfahrer wurde bei dem Zusammenstoß auf eine Wiese geschleudert. Helfer konnten ihn an der Unfallstelle noch reanimieren. Sein Leben war aber aufgrund der massiven Verletzungen von den Ärzten nicht mehr zu retten. Das Unfallopfer verstarb fünf Tage später im Klinikum Traunstein.

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Der 23-Jährige, der nie vorher straf- oder verkehrsrechtlich aufgefallen war, erhielt einen Strafbefehl des Amtsgerichts Traunstein wegen fahrlässiger Tötung. Zur Unfallursache hieß es: »Sie beabsichtigten entweder sogleich nach links über die Gegenfahrbahn auf die Gemeindeverbindungsstraße Richtung Obing abzubiegen, oder Sie kamen aufgrund massiver Unachtsamkeit mit Ihrem Fahrzeug auf die Gegenfahrbahn, wo es – für Sie vorhersehbar und vermeidbar – zur Frontalkollision mit dem Motorradfahrer kam.«

Der 23-Jährige und sein Verteidiger Andreas Roder aus Wasserburg legten Einspruch gegen den Strafbefehl ein. Der Angeklagte bedauerte im ersten Verhandlungstermin vor dem Amtsgericht Traunstein am 7. Februar seinen schlimmen Fehler. Den Grund dafür könne er sich nicht erklären. Er akzeptierte den von Staatsanwältin Christina Geyer angeklagten Hergang des Unfalls, damit seine Schuld und den Schuldspruch »fahrlässige Tötung«. Mit der Höhe der Geldstrafe von 160 Tagessätzen zu je 40 Euro oder insgesamt 6400 Euro war der 23-Jährige einverstanden, ebenso mit Übernahme aller Kosten der Nebenklage.

Wie der Verteidiger im Gespräch mit unserer Zeitung betonte, hätten sein Mandant und dessen Versicherung zwischenzeitlich alles unternommen, die finanziellen Folgen für die Hinterbliebenen ordnungsgemäß zu regeln. Der 23-Jährige habe neben der Geldstrafe Verfahrens- und Gutachterkosten in Höhe von rund 8000 Euro zu schultern.

Zu prüfen hatte das Gericht mit Richter Maximilian Lermer gestern nurmehr das zweimonatige Fahrverbot für Fahrzeuge aller Art. Der Angeklagte musste nicht mehr persönlich erscheinen. Auch die Nebenkläger waren nicht im Gerichtssaal anwesend. Verteidiger Andreas Roder sprach namens seinen Mandanten. Dieser bedauere das gesamte Geschehen, insbesondere die Todesfolge für den Geschädigten, habe sich bei den Hinterbliebenen entschuldigt und wisse bis heute nicht, wie der Unfall passieren konnte. Der 23-Jährige habe eine große Fahrpraxis von 30 000 Kilometern pro Jahr. Als Hoferbe und um den elterlichen landwirtschaftlichen Betrieb erhalten zu können, bitte der Angeklagte um eine Ausnahme vom Fahrverbot – ausschließlich für Traktoren. Die Felder und Wiesen lägen weit entfernt vom Hof, seien nur über öffentliche Straßen zu erreichen. Staatsanwältin Christina Geyer plädierte im Sinn des Antrags. Der Verteidiger hob heraus, auch nach der langen Zeit gehe es dem 23-Jährigen »nicht gut«. Durch die Beschränkung des Einspruchs gegen den Strafbefehl habe er Einsicht gezeigt.

Im Urteil stellte der Richter fest, während des Fahrverbots dürfe der junge Mann Nutzfahrzeuge fahren. Der land- und forstwirtschaftliche Betrieb der Eltern sei auf das Mitwirken des 23-Jährigen angewiesen. »Auch wenn der Angeklagte eine äußerst grobe Verkehrswidrigkeit begangen hat, muss man ihm die Zukunft nicht schwer machen. Er ist nach wie vor tief betroffen, muss ärztlich behandelt werden und leidet selbst furchtbar an den Folgen des Unfalls.« Das Urteil wurde gestern mit Zustimmung der Staatsanwältin sofort rechtskräftig. Der Verteidiger übergab den Führerschein des 23-Jährigen für die nächsten acht Wochen in amtliche Verwahrung. kd