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Abbruch oder Umwandlung in Vereinsräume?

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Die Carl-Orff-Grundschule Traunwalchen muss nicht nur dringend saniert werden, sondern auch für die Zukunft ausgerichtet werden. Nach Ansicht der Stadtverwaltung sollten die beiden Gebäudeteile (Foto) aus Kostengründen abgerissen werden, weil sie für die Schule definitiv nicht mehr gebraucht werden. (Foto: Rasch)

Traunreut. Als Musikmodellschule kommt der Carl-Orff-Schule Traunwalchen überregional eine besondere Bedeutung zu. Die Schule ist zudem offizielle Ausbildungsstätte für bayerische Pädagogikstudenten.


Seit der Abstufung von der Grund- und Hauptschule in eine zweizügige Grundschule werden nicht mehr alle Klassenzimmer benötigt. Vor allem die Fachräume stehen leer. Im laufenden Schuljahr besuchen 98 Schüler, verteilt auf vier Klassen (1 bis 4) die Carl-Orff-Schule. Nachmittags und abends sind viele Räume von der städtischen Musikschule belegt. Zwei leer stehende Klassenzimmer wurden inzwischen an ein Berufsbildungswerk vermietet. Laut Stadtverwaltung laufen die Mietverträge aber zum Jahresende und im Frühjahr nächsten Jahres aus.

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Zur Nutzung leer stehender Gebäudeteile hatten CSU- und Bürgerlistenfraktion bereits vor drei Jahren einen Antrag gestellt, der jetzt erneut im Hauptausschuss behandelt wurde. Nachdem immer wieder Traunwalchener Vereine Raumbedarf anmeldeten, sollte überprüft werden, ob ihnen nicht die leer stehenden Schulräume zur Verfügung gestellt werden könnten. Die Entscheidung war immer wieder verschoben worden, weil die Gemeinde Nußdorf die Auslagerung ihrer Grundschule während der Zeit des Neubaus in Erwägung gezogen hatte. Das dürfte sich nach Angaben der Stadtverwaltung aber erledigt haben.

Im Vorfeld der Sitzung hatte sich der Hauptausschuss einen Überblick von der Raumsituation verschafft. Vor vier Jahren hatte die Stadt im Zuge der Neuorganisation der Grundschulsituation im Stadtgebiet ein Sanierungsgutachten in Auftrag gegeben. Für die Traunwalchener Schule stellt der Gutachter drei Sanierungsvarianten zur Diskussion mit Kosten zwischen 3,8 und 6,9 Millionen Euro. Die Stadtverwaltung schloss sich dem Vorschlag des Gutachters an, die Anfang der 1970er Jahre bezogenen Erweiterungsgebäude abzureißen. »Wir brauchen die beiden Gebäudeteile für die Grundschule definitiv nicht«, betonte der geschäftsleitende Beamte Josef Maier.

Für Johannes Danner (Bürgerliste) kommt ein Abbruch nicht infrage. Es handle sich um normalen Verschleiß, der wieder hergerichtet werden müsste. Bei den betroffenen Vereinen handle es sich in erster Linie um Kulturvereine mit dauerndem Probenbetrieb. Auch die Stadtkapelle Traunreut habe geäußert, dass sie gerne in die Carl-Orff-Schule gehen würde. Unterstützt wurde Danner von Reinhold Schroll (CSU). Er gab zu bedenken, dass sich in der Schullandschaft künftig einiges verändern werde – sowohl im Bereich der Nachmittags- und Ganztagsbetreuung als auch beim Thema Inklusion. »Diese Veränderungen müssen wir ebenso im Auge behalten wie die Musikschule.« Deshalb sollte zunächst ein zukunftsorientierter Bedarf für Grundschule und Musikschule ermittelt werden. »Dann kann man schauen, ob auch die Vereine Räumlichkeiten nutzen können«, schlug Schroll vor. Ernst Ziegler (SPD) schlug sich auf die Seite der Verwaltung, die Gebäudeteile abzureißen, sofern die Räume nicht mehr gebraucht oder vermietet werden.

Für Gretl Gineiger (Grüne), die den Vorschlag Schrolls unterstützte, stellte sich auch die Frage: »Wer bezahlt die Unterkunft für die Vereine?« Eine Antwort sei derzeit nicht relevant, hieß es. Zunächst sollten auf Vorschlag des 2. Bürgermeisters Hans Peter Dangschat alle Fraktionen diskutieren, ob man auch Unterbringungsmöglichkeiten für die Vereine schaffen möchte oder nicht. Dass Traunreut mit Räumen für kulturschaffende Vereine nicht gut versorgt ist, stellte er außer Frage. »Wir haben zwar das k1 als Kultur- und Veranstaltungszentrum, aber für die kulturschaffenden Vereine keine Räume.«

Der von der Verwaltung vorgelegte Vorschlag, unter anderem die Kosten für einen Abbruch der Gebäudeteile zu ermitteln, wurde korrigiert und in drei Beschlüsse aufgeteilt: Einstimmig beschlossen wurde, der Schulleitung aufzugeben, mit Beginn des nächsten Schuljahres die Raumnutzung so zu organisieren, dass die Gebäudeteile C und D frei bleiben. Mit knapper Mehrheit wurde die Kostenermittlung für einen Abbruch gestrichen. Separat abgestimmt wurde auch darüber, den Antrag der CSU und Bürgerliste zurückzustellen. Diese Beschlussempfehlung trugen bis auf Danner alle mit. Eine endgültige Entscheidung muss der Stadtrat in seiner Sitzung am Donnerstag treffen. ga