weather-image
20°

Ab Herbst gibt es auch in Inzell eine Kinderkrippe

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Kinder im zweiten und dritten Lebensjahr wie unser Fotomodell, der kleine Josef, brauchen besonders viel Betreuung, weshalb die Inzeller Krippengruppe von einer speziell ausgebildeten Fachkraft geleitet wird. (Foto: Mergenthal)

Inzell. Kleinkinder im zweiten und dritten Lebensjahr können künftig auch in Inzell in einer Kinderkrippe betreut werden: Ab September gibt es im Kindergarten St. Michael eine eigene Kinderkrippen-Gruppe. Bereits acht Kinder wurden von ihren Eltern dafür angemeldet. »Wir sind ein innovatives Team und offen für so etwas«, erklärte Kindergartenleiterin Heidrun Schub gegenüber dem Traunsteiner Tagblatt.


Die meisten Kleinkinder werden im dörflichen, traditionell geprägten Inzell noch komplett zu Hause betreut. Doch auch hier wandeln sich allmählich die Familienstrukturen: »Viele Mamas möchten wieder arbeiten. Sie haben eine gute Ausbildung, und der Wiedereinstieg in den Beruf ist vielleicht nach drei Jahren zu schwierig«, erläutert Heidrun Schub. »Wir wollten da gern einsteigen«, betont sie. »Das bringt einfach die Zukunft mit sich.«

Anzeige

Ein besonderer Glücksfall ist in den Augen der Leiterin, dass es eine Fachkraft in den eigenen Reihen des Teams gibt: die Erzieherin und ausgebildete Krippenpädagogin Cornelia Wenzel. Derzeit hat diese noch eine Regelgruppe und leitet ab Herbst die Krippengruppe, unterstützt durch Kinderpflegerin Kathrin Wellinger und eine Erzieherpraktikantin.

Die spezielle Ausbildung für die Krippenarbeit sei so wichtig, da die Kleinkinder ganz langsam eingewöhnt werden müssten. »Man muss ganz sensibel vorgehen.« Pro Woche sollen etwa zwei Kinder an ihre neuen Bezugspersonen gewöhnt werden. Anfangs ist die Mama noch dabei, am zweiten Tag wird sie kurz für zehn Minuten vor die Türe geschickt, und so weiter. Die Krippenkinder akzeptieren erfahrungsgemäß nach erfolgreicher »Akklimatisierung« nur die Leiterinnen ihrer eigenen Gruppe, andere Erzieherinnen im Kindergarten jedoch nicht. Nicht nur emotional, sondern auch praktisch ist der Aufwand für die Krippenkinder groß: Sie krabbeln ja oft noch herum und müssen stets im Auge behalten werden, gefüttert und mehrmals am Tag gewickelt werden.

Auf eine erste Abfrage bei den Eltern hätten sich 13 Interessenten für die Krippe gemeldet, von denen einige wieder einen Rückzieher gemacht hätten, berichtet Schub. Sie rechnet damit, dass unter dem Jahr noch das eine oder andere Kind dazu kommt, wenn die Krippe erst einmal läuft.

Ideal ist ihrer Ansicht nach, dass sich die Krippe im Kindergartengebäude befindet. So sei die Umstellung auf die Regel-Kindergartengruppe dann nicht schwer für die Kinder. Untergebracht ist die Krippengruppe im bisherigen Musikraum, der umgebaut wird. Da der Kindergarten wegen der für den Brandschutz notwendigen Umbauten ein neues Vorschulzimmer bekommen hat, ist der zusätzliche Raumbedarf laut Schub kein Problem. Auch das Personal wird aufgestockt: Das vier Erzieherinnen, vier Kinderpflegerinnen und eine Erzieherpraktikantin umfassende Team erhält eine neue Erzieherin, eine weitere Kinderpflegerin und eine zweite Praktikantin.

Im Gemeinderat informierte Schub über die geplanten monatlichen Elterngebühren, jeweils inklusive fünf Euro Spielgeld: Für vier bis fünf Stunden pro Tag fallen 175 Euro im Monat an, die sich beim zweiten Kind auf 150 Euro verringern. Fünf bis sechs Stunden kosten 200 Euro, beim zweiten Kind 175 Euro. Der zugesagte Zuschuss von 100 Euro pro Vorschulkind durch das Bayerische Sozialministerium bringt eine Entlastung für die Eltern von bis zu 100 Prozent. Deshalb wurden laut Schub die Kindergartengebühren insgesamt erhöht, zum Beispiel von 93 auf 100 Euro bei vier bis fünf Stunden Betreuung pro Tag, was bei 80 Prozent der Kinder der Fall ist. Geplant sei auch ein Zuschuss von 50 Euro für das zweite Kindergartenjahr.

Anhand der derzeitigen Kinderzahlen in Krippe und Kindergarten errechnet sich nach Angaben der Einrichtungs-Leiterin ein von der Gemeinde zu tragendes Defizit von etwa 100 000 Euro. Dies könne sich jedoch vermindern, wenn zusätzliche Kinder die Krippe oder den Kindergarten besuchen. Der Gemeinderat war sich einig, dass die Fraktionssprecher bis zur nächsten Ratssitzung eine Entscheidungsvorlage erarbeiten sollen. vm