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Ab 2025 auch für Großindustrie nur regenerative Energie

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Ein ehrgeiziges Ziel hat der Kreistag in seiner gestrigen Sitzung gesteckt. Demnach soll auch die Großindustrie im Landkreis bis zum Jahr 2025 ihren kompletten Strombedarf aus erneuerbaren Energien, wie der Solarenergie, decken. (Foto: dpa)

Traunstein. Schon jetzt decken erneuerbare Energien mit 417 Millionen Kilowattstunden zu 65 Prozent den Stromverbrauch in Haushalten, Gewerbe und kommunalen Liegenschaften im Landkreis Traunstein. Bis 2020 will der Landkreis hundert Prozent schaffen. Gestern steckte der Kreistag das Ziel einstimmig noch höher: Bis 2025 soll zusätzlich der komplette Strombedarf der Großindustrie, derzeit rund 350 Millionen Kilowattstunden, aus Wasserkraft, Biomasse, Sonne, Wind und anderen erneuerbaren Energiequellen wie zum Beispiel Geothermie rühren.


Dazu eine Zahl zur Größenordnung des Gesamtbedarfs: Haushalt, Gewerbe und Industrie benötigten 2011 insgesamt 987 Millionen Kilowattstunden. Um das neue ehrgeizige Ziel zu erreichen, müssen aber alle – Städte, Gemeinden und Landkreis – dazu beitragen in einem »solidarischen Miteinander«, wie Landrat Hermann Steinmaßl gestern betonte. Der Kreistag akzeptierte außerdem das neue »Energieleitbild« als Grundlage des künftigen Vorgehens ohne Gegenvotum.

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Anteil Erneuerbarer Energien in zehn Jahren verdoppelt

Landrat Hermann Steinmaßl führte in das vielschichtige Thema ein. Seit zehn Jahren, »lange vor Fukushima«, befasst sich der Kreis demnach mit dem Umstieg auf Erneuerbare Energien (EE). In dem Jahrzehnt kletterte deren Anteil bereits von rund 200 auf über 400 Millionen Kilowattstunden. Viele EE-Projekte sind schon umgesetzt. In seiner Zwischenbilanz nannte der Landrat den »mustergültigen Neubau« des Annette-Kolb-Gymnasiums in Traunstein und das Biomasseheizkraftwerk an der Brunnwiese. Über die »Klima- und Energiekonferenz - Sonnenkreis Traunstein« unterstützt der Landkreis die 35 Städte und Gemeinden, Unternehmen und sonstigen Akteure.

Den Auftrag für ein Energiekonzept bekam letztes Jahr das Institut für Energietechnik der Hochschule Amberg-Weiden unter Leitung von Professor Markus Brautsch. Die Hochschule band das Institut für Wasserbau der Universität Innsbruck mit Professor Markus Aufleger ein, um Wasserkraftpotenziale im Landkreis zu prüfen. Im Zentrum des Energienutzungsplans steht, Potenziale zur Stromgewinnung mittels Erneuerbarer Energien im Schulterschluss mit den Kommunen zu ermitteln und zu realisieren. Der Wärmebereich ist, wie vereinbart, von den Kommunen zu steuern und zu bearbeiten.

»Unser Landkreis ist ein Modell für Bayern«

Beim Sektor »Mobilität« setzt man vor allem auf das bald fertige Konzept zum Öffentlichen Personennahverkehr. Das Hauptaugenmerk richtet der Landkreis auf den »Energieplan Strom«, so der Landrat gestern. Viel sei schon erreicht: »Unser Landkreis ist ein Modell für Bayern«. Unter vielen Fakten lieferte Steinmaßl Einzelheiten zum aktuellen Stand bei den erneuerbaren Energieformen. Aus Wasserkraft stammten derzeit etwa 33 Prozent der 417 Millionen Kilowattstunden, aus Biomasse 39 Prozent, aus Solaranlagen 27 Prozent, 1,5 Prozent aus Windkraft und zwei Prozent aus dem Anteil des Landkreises am Heizkraftwerk des ZAS. Geothermieprojekte seien in Aussicht.

Eine unglaubliche Fülle an Detailinformationen legten die Professoren Markus Brautsch und Markus Aufleger dem Kreistag vor, unter anderem »Steckbriefe« zu den Energiepotenzialen jeder Kommune. Beide bejahten die Frage, ob der Landkreis die Vollversorgung mit Strom aus Erneuerbaren Energien überhaupt erreichen kann. Unverzichtbar seien jedoch flankierende Maßnahmen wie das Energiesparen der unterschiedlichen Verbrauchergruppen.

Steinmaßl zeigte sich sicher: »Wenn es ein Landkreis schafft, dann der Landkreis Traunstein.« Die erforderlichen 650 Millionen Kilowattstunden für Haushalte und Gewerbe könnten erzielt werden. Die 350 Millionen Kilowattstunden für die Industrie seien ebenfalls zu bewältigen. Und: »Zusätzlich können wir nochmals 450 Millionen Kilowattstunden erzeugen.« Im Landkreis seien theoretisch insgesamt 1450 Millionen Kilowattstunden möglich. »Selbst wenn wir unsere Potenziale ausschöpfen und ausbauen, haben wir damit noch keine Versorgungssicherheit. Deshalb müssen wir uns auch mit der Stromspeicherung befassen.«

Geothermie würde ein Vielfaches möglich machen

In der Diskussion hatten die Kreisräte viele Fragen. Professor Brautsch betonte, es gelte, Erzeugung und Verbrauch von Strom in Einklang zu bringen; »Es zeichnen sich intelligente Lösungen ab.« Beim Ausweisen der Potenziale sei er restriktiv vorgegangen: »Es könnte ein Vielfaches generiert werden, wenn zum Beispiel einige Geothermieanlagen entstehen.«

Bei der »Energiesitzung« im Februar 2012 beschloss der Kreistag, ein »Energieleitbild« als grobe Richtschnur und ersten Schritt eines Gesamtkonzepts zu erstellen. Auf den Leitbildentwurf hin trudelten laut Steinmaßl zahlreiche Ergänzungs- und Änderungswünsche der Kreistagsfraktionen und Arbeitsgruppen der Klima- und Energiekonferenz ein. Der Kreisausschuss befürwortete gestern das überarbeitete Werk einhellig. Es soll jährlich fortgeschrieben werden. kd