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Üppige Obsternte: Äste biegen sich unter der süßen Last

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Die Äste sind ab – nicht nur bei diesem, sondern bei vielen Zwetschgenbäumen in der Region. (Foto: A. Huber)
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Die schwer beladenen Äste dieses Apfelbaums biegen sich in Richtung Boden.
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Ganz dick hängen die Früchte an diesem Zwetschgenbaum. (Fotos: Schwaiger-Pöllner)

In den heimischen Gärten biegen sich die Äste vieler Obstbäume unter ihrer süßen Last – oder brechen gleich ganz ab: »Die Bäume hängen voll bis zum Gehtnichtmehr«, sagt Markus Breier, Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege am Landratsamt Traunstein. Äpfel, Birnen, Zwetschgen – das warme Wetter sorgt nicht nur für eine reiche, sondern auch für eine frühe Ernte.


»Dieses Jahr wird als eines der frühesten Obstjahre in die Geschichte eingehen«, sagt Markus Breier. »Wir sind 10 bis 15 Tage früher dran.« Es habe einfach alles gepasst: Die Obstbäume hätten vergangenes Jahr viel Energie in das Ansetzen der Blüten stecken können, weil sie nicht so viele Früchte trugen. Dann kam schon im April das warme Wetter, die Insekten flogen fleißig, der Frost blieb aus. »Wir hatten ein wunderbares Blütenjahr«, resümiert der Gartenexperte. Das schöne Wetter blieb, nur Trockenheit und stellenweise Hagel hätten zu Einbußen geführt.

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Es ist also kein Wunder, dass vielerorts die Obstbäume schwer an den Früchten zu tragen haben. So schwer, dass schon in vielen heimischen Gärten große Äste abgebrochen sind. »Das ist ein statisches Problem«, erklärt der Gartenexperte. Es würden einfach zu viele Früchte an den Ästen hängen. Breier weiß sogar von zwei Obstbäumen, die komplett umgeknickt sind. Wer das verhindern möchte, der müsse die Äste mit Holzlatten aufspreizen – oder alternativ einzelne Äste abschneiden. »Aber das macht man natürlich nicht so gerne«, so Breier.

Ist ein Ast abgebrochen, dann könne man gar nicht viel tun. »Die Wundstelle muss man nicht behandeln«, erklärt der Kreisfachberater. Nur die Standsicherheit des Baums sollte man vorsichtshalber überprüfen. Für die eigene Sicherheit rät Breier: »Vielleicht sollte man zurzeit nicht seine Kaffeetafel unter ungestützten Obstbäumen aufbauen.«

Bäume, die bereits der Opa angepflanzt hat

Der Gartenexperte weiß, dass die Menschen zu ihren Obstbäumen oft eine emotionale Bindung haben – zum Beispiel »weil ihn bereits der Opa gepflanzt hat«. Dennoch könne ein abgebrochener Ast auch ein Zeichen dafür sein, dass ein Baum am Ende seines Lebens« angelangt sei. Freilich gebe es immer Ausnahmen, aber Apfelbäume würden normalerweise maximal 100 Jahre alt, Zwetschgenbäume 60 bis 80 Jahre.

Die reiche Obsternte stellt inzwischen viele heimische Gartenbesitzer vor ein weiteres Problem: Wohin mit den vielen Äpfeln, Birnen und Zwetschgen? »Ich hatte gerade vorhin einen Anruf von einem Mann, der zwei Wäschekörbe voller Zwetschgen übrig hat.« Da auch die Nachbarn schon versorgt seien, fragte der Anrufer bei Markus Breier nach, ob der nicht jemanden wisse, der das Obst nehmen würde.

So eine Vermittlertätigkeit würde zu weit führen, winkt Markus Breier mit Blick auf sein Aufgabenfeld als Kreisfachberater ab. Sein Tipp: »Jetzt ist Saftpressen angesagt.« Die heimischen Keltereien seien gerade nach zwei schlechten Obstjahren auf der Suche nach heimischem Obst. Und dann gebe es auch noch private Anbieter, die einem Saft aus dem eigenen Obst pressen würden.

Trotz der Freude über die reiche Ernte fällt Markus Breier noch ein Spruch ein: »Man sagt, man hat das Obst erst in der Hand, wenn man es in der Hand hält.« Das bedeutet, dass auch »auf der Zielgeraden« noch etwas passieren könne: Sturm, Hagel oder Wespen, die das Obst anbeißen, könnten den Obstbaumbesitzern noch einen Strich durch die Rechnung machen.

Markus Breier hofft, dass das ausbleibt. Denn er weiß, dass gerade der Herbst noch wichtig für das Obst wäre: »Durch die warmen Tages- und kühlen Nachttemperaturen, wie sie im Herbst vorherrschen, reichern sich erst Zucker und Aromen in den Früchten an.« san